WIRTSCHAFT
13/01/2016 11:05 CET

Top-Ökonom Sinn fordert Obergrenzen: "Man darf keine Einwanderung in den Sozialstaat zulassen"

dpa
Hans-Werner Sinn fordert ein Umdenken der deutschen Politik

Hans-Werner Sinn polarisiert. Ganz egal ob er sich zu Themen wie der Eurokrise oder der Flüchtlingspolitik äußert: Der streitbare Ökonom hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Ende März geht der 67-Jährige, der 17 Jahre lang an der Spitze des Ifo-Insituts stand, in Pension.

Im Interview mit der "Wirtschaftswoche" plädiert Sinn für ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik. Denn: "Wir können den Sozialstaat nicht aus purer Gesinnungsethik für die ganze Welt öffnen".

Sinn wirft der Bundesregierung vor, der Einwanderung nichts entgegen zu setzen. Nach geltendem Recht müssten sichere Erstaufnahmeländer wie die Türkei und Griechenland die Flüchtlinge aufnehmen. Deutschland, so Sinn, "müsste fast niemanden aufnehmen." Die Flüchtlinge, die ihre Aufnahmelager in der Türkei in Richtung Nord- und Mitteleuropa verlassen, täten dies aus ökonomischen Gründen.

Sinn befürwortet eine Obergrenze für Flüchtlinge: "Setzt sich die Zuwanderung ungebremst fort, erodieren die Sozialstaaten." Ansonsten führe kein Weg an Steuererhöhungen und Kürzungen der Sozialleistungen vorbei. "Man darf keine Einwanderung in den Sozialstaat zulassen. Dann suchen sich Immigranten den großzügigsten Sozialstaat aus", warnte Sinn.

Den wirtschaftlichen Nutzen der Einwanderer hält Sinn ebenfalls für gering: "Die Vorstellung, es kämen vorwiegend Hochqualifizierte zu uns, ist absurd." Statistiken würden belegen, dass zwei Drittel der syrischen Bevölkerung etwa die Grundrechenarten nicht beherrschen würden.

"Entscheidend wird sein, wie gut es uns gelingt, die Einwanderer rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren", erklärte der Ökonom. Bereits im vergangenen Oktober hatte Sinn eine Abschaffung des Mindestlohns gefordert, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen. "Die Deutschen sollten länger und billiger arbeiten, sagte Sinn im Gespräch mit der "Zeit". Bei einer Abkühlung der Konjunktur würden die negativen Folgen voll durchschlagen.

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