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13/01/2016 03:33 CET | Aktualisiert 13/01/2016 09:35 CET

Norwegen bringt Flüchtlingen mit Kursen Respekt gegenüber Frauen bei

Zwei Flüchtlinge in der Polizeistation Svinesund in Norwegen
AP
Zwei Flüchtlinge in der Polizeistation Svinesund in Norwegen

Nach den Silvester-Übergriffen herrscht Ratlosigkeit. Wie soll man mit Menschen umgehen, die ein Frauenbild haben, das mit europäischen Vorstellungen nicht vereinbar ist?

Norwegen ist das Problem angegangen: Seit 2013 schulen Pädagogen muslimische Einwanderer im korrekten Umgang mit Frauen.

Denn In Norwegen gab es schon vor Jahren ein ähnliches Ereignis wie in Köln. Zwischen 2009 und 2011 gab es eine Serie von Vergewaltigungen unter anderem in der Stadt Stavanger.

Die Polizei brach ein Tabu und nannte klar die Herkunft der Täter. 17 der 20 verurteilten Täter waren "junge, Männer, oft Asylsuchende, die aus Ländern kommen, in denen es viel Gewalt gibt", so die Polizei. Das berichtet der "Deutschlandfunk".

Ein Betreiber von Asylbewerberheimen hatte schließlich die Idee für Einwanderer-Kursen. "Hero Norge", eine private Betreibergesellschaft, begann damit, Einwanderern norwegische Werte beizubringen, darunter auch: Respekt für Frauen.

Inzwischen sind solche Kurse Pflichtprogramm für alle anerkannten Asylbewerber im Alter zwischen 16 und 55 Jahren. "Hero"-Sprecher Andreas Capjon erklärt im "Deutschlandfunk" das Grundkonzept: "Es sind Gesprächskreise. Wir sagen: Ihr seht diese Gewalt jeden Tag. Was können wir gemeinsam dagegen tun? Wir behandeln sie also bewusst wie Zeugen, nicht wie mutmaßliche Täter!"

Vordergründig geht es in den Gesprächskreisen um den Umgang mit einheimischen Frauen. Um sexuelle Gewalt vorzubeugen, werden mit den Teilnehmern konkrete Beispiele analysiert und diskutiert: Ein 18-jähriger Migrant könnte etwa überrascht darüber sein, dass norwegische Mädchen an ihm interessiert sind. Er könnte annehmen, dass sie mit ihm schlafen wollen.

"Der Gruppenleiter wird ihm nun ein paar Fragen stellen: Wer sind diese junge Frauen? Wo hast du sie getroffen? Woher weißt du, dass sie nur Sex wollen? Denn: Nicht alle Frauen in Norwegen sind gleich", erklärte eine Sprecherin von "Hero Norge".

In den Gesprächskreisen übernehmen nicht nur die Migranten die Rollen der "Sextäter": "Wir wollen eine Stigmatisierung von Einwandern verhindern, daher tauschen wir auch die Rollen. Vergewaltiger gibt es in jeder ethnischen Gruppe, auch unter Norwegern."

Auch andere Länder wollen solche Kurse einführen. So sollen auch Asylbewerber in Belgien Kurse für den Umgang mit Frauen bekommen. Er wolle verhindern, dass sich ähnliche Ereignisse in Belgien abspielten, sagte der verantwortliche Staatssekretär für Asyl und Migration, Theo Francken, laut Berichten der Tageszeitung "Le Soir" vergangene Woche.

Schon bald soll es losgehen. Die Kurse sollen in den kommenden Wochen in allen Aufnahmeeinrichtungen beginnen, kündigte Francken an, der zu den flämischen Nationalisten gehört. Er habe zusammen mit Innenminister Jan Jambon eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um weitere Maßnahmen vorzubereiten, so Francken.

Die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen sei ein unantastbares Recht. Francken mahnte dabei zur Vorsicht, denn es sei nicht bewiesen, dass die Täter von Köln Asylbewerber gewesen seien.

Auch Dänemark will Norwegens Beispiel folgen. Die immigrationsfeindliche dänische Volkspartei will zusammen mit den Sozialdemokraten und den Sozialliberalen Sex-Themen zum Bestandteil der obligatorischen Sprachkurse machen. "Wenn die in Norwegen was gemacht haben, was funktioniert, sollten wir es einfach kopieren", sagte Peter Skaarup, Sprecher der Volkspartei gegenüber "Metroxpress". Diesem Beispiel dürften noch viel mehr Länder folgen.

In der Schweiz müssen Asylsuchende bereits ein "Sensibilisierungsmodul" besuchen. Dort werden sie mit der Schweizer Kultur vertraut gemacht. Sie lernen, dass der Schulbesuch obligatorisch ist und wie der Abfall getrennt wird. Jetzt wird darüber diskutiert, ob auch der Umgang mit Frauen in diesen Kursen angesprochen werden soll. Dafür will sich jetzt die Basler SP-Nationalrätin Silvia Schenker einsetzen.

Das Problem lösen werden diese Kurse nicht sofort. Aber sie sind ein vielversprechender Schritt.

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