LIFESTYLE
12/01/2016 10:05 CET | Aktualisiert 12/01/2016 10:08 CET

Das passiert, wenn ein Supermodel Krebs bekommt

"Ich hatte diese Idee, ein Fotoshooting zu machen, während ich gegen den Krebs kämpfe", schreibt Mieko Rye. Die 41-Jährige hat 20 Jahre lang als Model gearbeitet. Dann kam die Diagnose Brustkrebs.


Rye begann mit der Chemotherapie. Die langen, braunen Haare fielen ihr aus. Dann die Augenbrauen. Dann die Wimpern. Stück für Stück verlor sie all die Dinge, die ihre Model-Karriere erst möglich gemacht hatten.

Diese Veränderungen machten ihr große Angst. Wochenlang vermied sie es, in den Spiegel zu sehen. "Ich putze mir die Zähne, aber ich sah nicht hin. Ich wollte keine Zeit mit meinem Spiegelbild verbringen, denn ich war mir sicher, dass es nicht hübsch sein würde. Es ist hart genug, das zu fühlen", sagte sie dem US-Sender Abc.

Doch eines Tages fand sie die Kraft und sah hin. Unter Tränen stellte sie fest, dass es jemand anderes war, der ihr aus dem Spiegel entgegenblickte. Und dann passierte etwas mit Rye: Sie schaffte es, diese andere Person zu lieben und zu akzeptieren.

Nach diesem ersten Schritt auf ihrer Reise, wie sie ihn nennt, folgte bald ein besonderes Fotoshooting. Rye veröffentlichte einige der Bilder auf Facebook und beschreibt dort, was ihre neugewonnene Schönheit ausmacht.

Ich hatte diese Idee, ein Fotoshooting zu machen, während ich gegen den Krebs kämpfe. Als ich vor 20 Jahren mit meiner Model-Karriere begann, verkörperte ich nicht das amerikanische Konzept von Schönheit. Sie sagten mir, ich sei zu dunkel, zu leicht, zu kurvig, oder dass mein Haar zu trocken, zu lockig oder zu lang sei. Kein Maskenbildner schaffte es, meinen Hautton zu treffen, weil sie nie die richtige Foundation für farbige Frauen dabei hatten.

Und dann übernahmen die kurvigen, brasilianischen Mädchen die Modeindustrie, Gott hab sie selig, und meine Karriere hob ab. Ich hatte eine Nische. "Exotisch" zu sein, war cool... "Vieldeutig" zu sein war cool... "Ethnisch" zu sein war cool... "Braun" zu sein war cool.

Heute fehlen mir viele Dinge, die eine Frau nach unserem Kulturverständnis schön machen. Ich habe keine Augenbrauen mehr, keine Haare, keine Wimpern und schon bald werden meine Brüste...

Die Chemotherapie richtet Chaos in deinem Körper an. Die einzelnen Teile meines Körpers, die einmal zusammengepasst und harmoniert haben, sind jetzt demontiert und verstellt.

Es ist wirklich demütigend, nach einem Leben voller Reisen und internationaler Jobs an mein Bett gefesselt zu sein. Jeder Tag ist eine Herausforderung, wenn so einfache Freuden wie essen, spazierengehen oder mein Kind in den Armen zu tragen, mich verlassen. Ich stand an der Seitenlinie, weil ich nicht länger an den täglichen Vorgängen des Lebens teilhaben konnte.

Mit dem Krebs kommt die Vernichtung. Dennoch hat die Krankheit mir die Chance gegeben, mich von außen nach innen neu aufzubauen. Ich habe abgestoßen, was nicht länger nötig war.

Am Leben zu sein, ist ein sehr einsames Vorhaben und das ist okay für mich... denn ich liebe und erfreue mich an der Frau, die ich geworden bin. Wenn ich also sage, dass sich allein bin, meine ich frei von einem Mann, einer Karriere, einer Rolle, einem Titel, an dem ich in der Vergangenheit vielleicht gehangen habe, um mich selbst zu definieren. Mein Glück hängt nicht von der Liebe, Bestätigung, Loyalität oder Zustimmung eines anderen Menschen ab.

Ich bin einfach Mieko. Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe Brustkrebs im dritten Stadium und ich habe mich nie zuvor in meinem Leben so schön gefühlt.

I had this idea to do a photo shoot while battling cancer. When I first began my career as a model 20 years ago I did...

Posted by Mieko Rye on Wednesday, January 6, 2016


Warum Rye ihre Gedanken mit der Welt teilt?

"Loszulassen ist die Schönheit dieses Kampfes. Es interessiert mich nicht mehr, wie ich aussehe. Ich interessiere mich für die Frau, zu der ich mich entwickle.

Ich wollte das mit anderen teilen, die an Krebs erkrankt sind. Ich habe so lange gemodelt, dass ein Fotoshooting mir als der natürlichste Weg erschien. Ich wollte den Menschen zeigen, wie Krebs aussieht und ihnen die Kraft geben, ihn anzunehmen. Er kann schön sein", sagte die 41-Jährige der Online-Plattform "Upworthy".

Mit ihren Worten inspiriert Rye nicht nur Krebspatienten. Sie zeigt auch allen anderen Menschen, dass wahre Schönheit vor allem Selbstliebe ist.

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