POLITIK
12/01/2016 00:46 CET | Aktualisiert 12/01/2016 01:55 CET

In Schweden verheimlichte die Polizei Übergriffe von Asylbewerbern

Ein Fall aus Schweden erinnert an die sexuellen Übergriffe in Köln. Auch dort soll die Polizei Berichte über Sex-Attacken von Migranten zurückgehalten haben - und entschuldigte sich später dafür. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Es geht um zwei Musikfestivals in Stockholm im August 2014 und 2015. Bei diesen zwei Veranstaltungen des Festivals "We are Sthlm" habe es insgesamt 38 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegeben. In zwei Fällen wurden Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht. Die schwedischen Behörden gaben dies am Montag bekannt.

Die Polizei berichtete nicht darüber. Stattdessen wurde nur mitgeteilt, es habe "angesichts der vielen Teilnehmer relativ wenige Delikte und Festnahmen gegeben". Das erinnert an die Pressemitteilung der Kölner Polizei am Neujahrstag, in der die Silvesternacht als "weitgehend friedlich" bezeichnet und die Räumung der Domplatte zur "Feierunterbrechung" heruntergespielt wurde.

Zuvor hatte die Zeitung "Dagens Nyheter" darüber berichtet. Das Blatt zitierte aus einem Bericht der Polizei, in dem von einem Verdacht gegen eine Gruppe von rund 50 jungen Asylbewerbern aus Afghanistan die Rede war. Doch ähnlich wie in Köln waren die Ermittlungen aufgrund der großen Menschenansammlung schwierig.

Die Stadt Stockholm bestätige dies. Der Leiter der für öffentliche Veranstaltungen der Stadt Stockholm verantwortlichen Abteilung, Roger Ticoalu, sagte, viele der Verdächtigen hätten vorläufige Ausweise bei sich gehabt, wie sie für Asylbewerber ausgestellt werden. Ticoalu zufolge erstatten rund 20 Mädchen im Teenageralter Anzeige wegen sexueller Belästigung, 200 Verdächtige wurden aus dem Festivalgelände geworfen, nachdem sie die Mädchen angetanzt, unsittlich berührt und zum Teil ausgeraubt hätten. Ob auch Männer vor Gericht gestellt wurden, war nicht klar.

Jetzt entschuldigte sich die Polizei. "Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Warum es nicht passiert ist, wissen wir einfach nicht."

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven reagierte wütend. Er nannte das Verhalten der Polizei einen "doppelten Betrug an diesen jungen Frauen", sagte er der Zeitung "Expressen". Zuerst seien die Übergriffe nicht mit Nachdruck verfolgt worden, dann habe die Polizei nicht über diese Probleme informiert. Er empfinde eine "große Wut", dass junge Frauen nicht auf ein Musikfestival gehen können, "ohne belästigt oder angegriffen zu werden". Dass die Polizei die Vorfälle unter den Teppich gekehrt habe, sei "ein Problem der Demokratie für unser Land".

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