VIDEO
11/01/2016 18:34 CET

Diese eine Sache hatte Merkel Obama im Internet voraus - bis jetzt

ANDREW CABALLERO-REYNOLDS via Getty Images
Obama. Foto: Getty.

Eigentlich hätte man ja Barack Obama für internetaffiner gehalten als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er bezeichnete das World Wide Web nie als "Neuland", gewann seine Wahl zum US-Präsidenten durch die Mobilisierung im Internet und die Hilfe vieler junger Leute.

Schon immer stand der US-Politiker auch noch so neuen Technologien, Trends und Unterhaltung offen gegenüber. Dabei hat er auch viele Dinge getan, die man sich bei Angela Merkel kaum vorstellen könnte.

Er stellte sich zum Beispiel erst kürzlich für die Serie

" target="_hplink">"Comedians in Cars Getting Coffee" zur Verfügung und unternahm eine Spritztour mit Jerry Seinfeld. Der Komiker befand den Präsidenten für amüsant genug, dass auch er mal auf dem Beifahrersitz Platz nehmen dürfte.

Auch sonst kann Obama gut mit Comedians. Er stellte sich zum Beispiel Jimmy Kimmels "Mean Tweets"-Challenge, bei der bekannte Persönlichkeiten mit gemeinen Tweets über sich selbst konfrontiert werden und im besten Fall schlagfertig reagieren.

Obama drehte auch ein eigenes Video für "Buzzfeed", um "Obamacare" zu bewerben. Die Unterhaltung- und Nachrichtenseite zählt zu den am öftesten aufgerufenen in den USA und hat im Vergleich mit anderen News-Portalen die größte Reichweite unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und auch hier stellt der 44. Präsident der USA seine Qualitäten als Entertainer unter Beweis ...

President Obama made a BuzzFeed video: Things Everybody Does But Doesn't Talk AboutHow did we get Obama to use a selfie stick? Oh, because he wants you to go to https://www.healthcare.gov/.

Posted by BuzzFeed Video on Donnerstag, 12. Februar 2015

Klar, nicht jeder kann oder muss ein geborener Entertainer sein - es gibt andere Qualitäten, die als politischer Machtinhaber wesentlich entscheidender sind. Außerdem ist die Unterhaltungskultur in den USA eine andere. Die Wahrnehmung des Präsidenten als private Person ist wichtiger, die Erwartungen an öffentliche Auftritte - auch in Fernsehshows - höher. Deshalb kann man Merkel hier vielleicht keinen großen Vorwurf machen. Sympathisch sind solche Aktionen von Obama natürlich trotzdem - womit er wohl genau sein Ziel erreicht.

Aber auch abseits von komödiantischen Ausflügen kann Obama "das mit diesem Internet" eigentlich ganz gut. Kürzlich veröffentlichte er einen Gastbeitrag in der Onlineausgabe der "New York Times" zum Thema Waffengewalt.

Auf Twitter schreibt er aus der Ich-Perspektive - und das nicht wenig. Infos in dieser 140-Zeichen-Form über Merkels Aktivitäten erhält man dagegen meistens durch ihren Regierungssprecher Steffen Seibert.

Obama versuchte sich jüngst sogar an der deutschen Sprache, um Merkel als Person des Jahres des "Time"-Magazins zu gratulieren:

Seit zwei Monaten hat Obama nun auch eine Facebook-Seite, auf der er sich laut Weißem Haus sogar ganz persönlich an die Computernutzer wendet - zum Beispiel mit diesem ersten Video:

Hello, Facebook! I finally got my very own page. I hope you’ll think of this as a place where we can have real conversations about the most important issues facing our country – a place where you can hear directly from me, and share your own thoughts and stories. (You can expect some just-for-fun stuff, too.)I’m kicking it off by inviting you to take a walk with me in my backyard – something I try to do at the end of the day before I head in for dinner. I say this often, but that’s because it’s always at the front of my mind: We’ve got to preserve this beautiful planet of ours for our kids and grandkids. And that means taking serious steps to address climate change once and for all. Now, we've made a lot of progress to cut carbon pollution here at home, and we're leading the world to take action as well. But we’ve got to do more. In a few weeks, I’m heading to Paris to meet with world leaders about a global agreement to meet this challenge.I hope you'll join me in speaking out on climate change and educating your friends about why this issue is so important. At a time when nearly three in four adults online use Facebook, this feels like a great place to do it. Share your thoughts in the comments, and pass this message on to folks you think need to see it.If we're all in this together, I'm confident we can solve this and do right by future generations.

Posted by President Obama on Montag, 9. November 2015

Zugegeben: Merkels aktuelle Facebookseite gibt es zwar schon länger - allerdings wird sie nach wie vor von der Redaktion bestückt und abgezeichnet. Das ist vielleicht vergleichbar mit dem offiziellen Facebook-Auftritt des Weißen Hauses.

Hier wird übrigens auch beworben, dass man seit neuestem Obama und seinem Team auf Snapchat folgen kann. Zum Beispiel soll es Blicke hinter die Kulissen der "State of the Union" geben, einer wichtigen Rede des Präsidenten vor dem Kongress.

We're live on Snapchat! For a behind-the-scenes look at President Obama's final State of the Union, follow the White House by adding "WhiteHouse" as a friend or scanning the snapcode below: go.wh.gov/snapchat

Posted by The White House on Montag, 11. Januar 2016

Sogar auf Instagram ist Obama vertreten - dort postet zwar sein Team und nicht er selbst. Als Entschädigung gibt es aber manchmal sehr persönliche Fotos zu sehen. Ein Beispiel: Eine liebevolle Erinnerung an den 21.Jahrestag mit Ehefrau Michelle.

"You and I" #21Years

Ein von Barack Obama (@barackobama) gepostetes Foto am

Trotz allem: eine Sache gibt es, bei der Merkel im Internet früher dran war als Obama (zumindest bis jetzt): Das erste Interview mit einem Youtube-Star.

Im Juli traf sich die Kanzlerin mit LeFloid, einem Youtuber, der mit seinen Videos Jugendlichen Politik näher bringen will. Die Fragen durfte die Internetgemeinde stellen, LeFloid wählte dann die häufigsten aus.

Die Kritik für das Interview fiel zwar vernichtend aus, richtete sich aber ausschließlich gegen LeFloid (der sich kurz darauf mit einer Verteidigung zu Wort meldete). Das Interview sei zu steif gewesen, er hätte zu wenig kritisch nachgefragt und sich wohl von er Präsenz der Kanzlerin einschüchtern lassen. "Absolut" wurde zum geflügelten Unwort auf Twitter.

Alles in allem: kein komplett gelungener Auftritt, aber für Merkel gab es im Voraus immerhin viel Lob für die Aktion und positive Presse.

Jetzt zieht auch Präsident Obama nach und stellt sich den Fragen von Youtubern. Vielleicht hat er die ja die Idee ja sogar von Merkel und konnte sich in dieser einen Sache doch etwas von ihrer Interntpräsenz abschauen.

Die amerikanischen Youtube-Stars, die dem Präsidenten an diesem Freitag um 14:15 Uhr nach Ostküstenzeit live Löcher in den Bauch fragen werden, heißen Destin Sandlin, Ingrid Nilsen und Adande Thorne. Destin ist Video-Blogger im Bereich Wissenschaft, Ingrid beschäftigt sich als "Missglamorazzi" mit Lifestyle-Themen und Andante ist als "sWooZie" Gaming- und Videospezialist.

Zum Vergleich: Das ist so, wie wenn Bianca Heinicke von BibisBeautyPalace oder Sami Slimani Angela Merkel interviewen würden. Mit Politik beschäftigen sich die drei Amerikaner nämlich nicht in ihren Video-Blogs. Offensichtlich ging es Obama darum, drei Youtuber aus verschiedenen, beliebten Themenbereichen auszuwählen.

Die Youtuber könnten aufgeregter nicht sein - schließlich haben die Top-Politiker viel mehr einen Promistatus als in Deutschland. "Es ist keine Zeit für ein Begrüßung, weil ich viel zu aufgeregt bin", sagt zum Beispiel Ingrid Nilsen in ihrem Video. "Ich gehe ins Weiße Haus!" Der letzte Satz gleich schon einem Kreischen. Sie will Obama auf Frauen- und "LGBT"-Themen ansprechen, was für "Lesbian, Gay, Bisexual & Transgender" steht. Außerdem stehen Gesundheitsvorsorge und Arbeitslosigkeit auf ihrer Liste.

Dem "Time"-Magazin zufolge sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass die Interviews den Amerikanern helfen sollen, die "State of the Union"-Rede neu zu erleben. Die Youtube-Interviews werden direkt im Anschluss an die jährliche Ansprache stattfinden. Obamas startete auch selbst den Aufruf, ihm unter dem Hashtag #YouTubeAsksObama Fragen zu stellen.

Jetzt bleiben nur noch die Fragen: Was wird bei Obama anders sein als bei Merkel? Schafft er es, seine Youtube-Videos mit den jungen "Stars" lockerer zu gestalten? Und bleibt dabei dann vielleicht sachliche Information auf der Strecke? In ein paar Tagen können wir vergleichen ...