POLITIK
11/01/2016 23:15 CET | Aktualisiert 12/01/2016 07:20 CET

"Unvorstellbar, dass sowas möglich ist": So wüteten die Hooligans in Leipzig

Hossam Gawish kommen die Tränen. Er steht vor seinem Dönerladen in Leipzig-Connewitz. Die Scheiben sind zertrümmert, eine umgekippte Holzbank liegt in den Scherben. "80 Leute vielleicht, ich weiß nicht wie viele, waren plötzlich da und haben Steine geworfen. Wir sind nur durch eine Seitentür raus und weg", sagt der 48-Jährige. Bei den Angreifern handelte es sich laut Polizei um eine rechte Fußball-Klientel.

250 Hooligans randalierten am Montagabend im Stadtteil Connewitz. Die Gegend gilt als "linkes Viertel. Sie warfen Pyrotechnik und Böller. In der mehrere hundert Meter langen Wolfgang-Heinze-Straße blieb kaum ein Schaufenster ganz. Ob Szene-Kneipe, Gardinenladen oder Musikgeschäft - alle wurden sie Opfer der blinden Zerstörungswut.

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Ein Dönerladen wurde besonders heftig angegriffen

Die Polizei kesselte die Angreifer ein. Auf Twitter teilte die Polizei mit, die Randalierer seien festgesetzt worden, die Lage sei unter Kontrolle. Augenzeugen berichten laut der "Leipziger Volkszeitung", dass die 250 Rechten in der Wolfgang-Heinze-Straße eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. Mit großen Pflastersteinen seien mehrere Geschäfte sowie Schaufenster zerstört worden. Unter anderem seien Gegenstände in einen Dönerladen, ein Augenoptiker-Geschäft und eine Buchhandlung geworfen worden.

Die "Leipziger Volkszeitung" zeigte ein Bild der gefesselten Hooligans bei Twitter:

Zahlreiche Straßen wurden abgeriegelt. Wasserwerfer fuhren in Connewitz auf, ein Hubschrauber kreiste in der Luft. Nach und nach stellten die Ermittler die Personalien der überwiegend schwarz gekleideten Angreifer fest.

Auch im Westen schlugen Hooligans zu. In Plagwitz, wo viele junge Familien und Studenten wohnen, randalierten Hooligans. Auch hier nahm die Polizei Verdächtige in Gewahrsam, um ihre Personalien festzustellen.

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Geschäftsbesitzer reparieren provisorisch die eingeworfenen Schaufenster

Die Krawalle fanden während einer "Legida"-Demonstration statt. Laut der Forschungsgruppe "Durchgezählt" kamen bis zu 3400 Anhänger zu der Kundgebung zum ersten Jahrestag des Bestehens. Dort trat auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf. Die frühere AfD-Politikerin Tatjana Festerling verunglimpfte muslimische Flüchtlinge pauschal als "Sex-Terroristen".

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Zeitgleich zu den Krawallen demonstrierte das Legida-Bündnis in Leipzig

Etwa gleich viele Menschen demonstrierten gegen Legida. Sie protestierten mit einer Lichterkette, zu der auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) aufgerufen hatte. Sachsens Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), der sich in die Lichterkette eingereiht hatte, machte Legida und Pegida mitverantwortlich für die Gewalt. "Den Vorwurf mache ich Legida, Pegida und Co., dass eine Verrohung in dieser Gesellschaft stattgefunden hat, die man in Sprache und eben auch in Gewalttaten nachempfinden kann."

Die Menschen in Connewitz sind geschockt. "Was wollen Sie wissen? Dass wir total verzweifelt sind?!", so die 78 Jahre alte Mitbesitzerin eines Mehrfamilienhauses. Sie habe sich an den Krieg erinnert gefühlt. Ihre Wohnung sei voller Rauch gewesen.

"Es ist unvorstellbar, dass sowas möglich ist", sagt die 78-Jährige. "Und in der Regel sind das junge Leute, die in ihrem Leben noch nichts auf die Reihe gekriegt haben. Die Ausländerproblematik - das ist für die doch nur ein billiger Anlass. Und dass man seine Wut an den armen Menschen, die auf der Flucht sind, auslässt, das verstehe ich sowieso überhaupt nicht."

Dönerladen-Chef Gawish will nicht aufgeben. Er sagt, er lebe seit 24 Jahren in Leipzig und habe so etwas noch nie erlebt. Angst habe er aber nicht. "Wir machen weiter."

Mit Material der dpa

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