POLITIK
11/01/2016 08:19 CET | Aktualisiert 11/01/2016 08:21 CET

Zu Propaganda verkommen: "Köln ist eine Bankrotterklärung der Presse"

Sascha Schuermann via Getty Images
Zu Propaganda verkommen: "Köln ist eine Bankrotterklärung der Presse"

Was in der Silversternacht am Kölner Hauptbahnhof passierte, ist längst zum Politikum geworden. Erst Tage später kamen Informationen an die Öffentlichkeit, die Polizei und Medien zuvor tagelang unterschlagen hatten.

Erst vor wenigen Tagen stellte sich etwa heraus, dass der Kölner Polizei-Chef Wolfgang Albers Informationen zurückgehalten hatte, als er nach jener Nacht sagte, es gebe "derzeit keine Erkenntnisse über Täter", Polizisten hätten Männer "aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum" wahrgenommen. Über die sehr wahrscheinliche Möglichkeit, dass unter den Verdächtigen Flüchtlinge waren, sagte Albers - nichts.

Am Freitag gab ein Kölner Polizist zu, die Herkunft der mutmaßlichen Täter bewusst verschwiegen zu haben, weil er die Information für politisch "zu heikel" hielt.

Und auch einige Medien scheuten sich über Tage hinweg, die Ereignisse in Köln mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen. Kriminologe Christian Pfeiffer beispielsweise, der nach den Ereignissen der Silvesternacht mehrere Interviewanfragen erhielt, sagte später: "Die ersten beiden Interviews, die ich dem Fernsehen über Köln geben durfte, da fragten mich die Journalisten: 'Bitte, reden Sie nicht über Flüchtlinge.‘"

Doch wie ist das möglich?

Unternehmensberater und Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld hält die Berichterstattung zu Köln für eine "Bankrotterklärung der Presse und schädlich für die deutsche Medienlandschaft". In einem Gastbeitrag für das Portal "Meedia" klagt er an, dass Medien die Informationen zu Köln bewusst gefiltert und nur berichtet hätten, was ihnen "politisch opportun" erschien.

"Hätten nicht gerade die Medien der Kölner Polizeileitung auf die Füße treten und die falsche Täterverschonung mancher ihrer leitenden Beamten recherchieren müssen", fragt Mansfeld.

"Hätten sie nicht die Polizei, die Stadtverwaltung, die Staatsanwaltschaft löchern sollen, Opfer zu Wort kommen lassen und – für ganz Wagemutige – vielleicht sogar ein paar mögliche Täter auftreiben sollen? Nichts davon hat die 'Tagesschau' geschafft. Man ließ die eigenen Moderatoren in der Sendung stattdessen dpa-Meldungen verlesen, in denen davon auch nichts stand."

Gerade die Öffentlich-rechtlichen Sender hätten "massiv nach erwünschten und unerwünschten Informationen gefiltert", schreibt Mansfeld. "Dabei hat es Journalisten nicht zu interessieren, ob durch ihre Suche nach der Wahrheit womöglich der rechte Rand der Republik gestärkt wird oder welche Partei deshalb womöglich die nächste Landtagswahl gewinnt!"

Die Medien - die "vierte Gewalt" - hätte in der Köln-Berichterstattung versagt. Ausgerechnet in einem Moment, in dem sie mehr denn je gefragt gewesen sei - in einem Moment nämlich, in dem "offenkundig staatliche Stellen die Bürger nicht mehr informieren".

Und damit hat Hasso Mansfeld recht. Egal aus welchem Motiv Information über die Herkunft der Täter oder den Ablauf der Ereignisse in Köln zurückgehalten wurden - dass es passiert ist, hat noch viel mehr Unruhe, Verunsicherung und Skepsis in der Bevölkerung ausgelöst. Und es wird sehr schwer sein, diesen Vertrauensverlust wieder auszugleichen, sowohl für die Medien als als für Polizei und Politik.

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