POLITIK
11/01/2016 12:42 CET | Aktualisiert 12/01/2016 11:59 CET

"14-Jährige vergewaltigt, Medien dürfen nicht berichten": Wenn ihr diese Meldung seht, seid vorsichtig

Diese Eilmeldung verbreitete sich im Sommer über Facebook
Facebook/Screenshot
Diese Eilmeldung verbreitete sich im Sommer über Facebook

Nicht erst seit den Vorfällen in Köln werden Asylbewerber mit Sexualstraftaten in Verbindung gebracht. Dabei erweisen sie manche Vorwürfe als berechtigt, nicht wenige jedoch als Unfug.

Gerade durch die sozialen Netzwerke verbreiten sich vermeintliche Schreckensmeldungen und sorgen für kollektive Empörung - oftmals ohne die Anschuldigungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Bereits im Sommer 2015 wurde diese Meldung über Facebook tausendfach geteilt und geistert jetzt wieder durch die sozialen Netzwerke:

+++- EILMELDUNG FÜR ESSEN-FRINTROP -+++Laut uns vorliegenden Informationen hat sich DIE VERGEWALTIGUNG EINES 14- JÄ...

Posted by Mag. Ewald Stadler on Donnerstag, 6. August 2015

Um die Schlagkraft dieser Statusmeldung zu verstehen, muss man die problematische Geschichte rund um Asylbewerber in Essen-Frintrop kennen: 2013 wurde in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule ein Asylbewerberheim eröffnet. Der Widerstand der Bevölkerung war groß.

Bald machten auch Gerüchte von vermeintlichen Einbrüchen die Runde, die mit den in der Schule wohnenden Asylbewerbern in Verbindung gebracht wurden.

Ein Vorfall am 28. Juli 2015 befeuerte die Debatte endgültig: Ein junges Mädchen zeigte einen Sexualdelikt nach Paragraf 177 an. Der Paragraf umfasst von Vergewaltigung bis hin zu sexueller Nötigung sämtliche Sexualstraftaten.

Ein Asylwerber soll die Jugendliche am Spielplatz in der Seestraße vergewaltigt haben. Der Polizei und den Medien wurde Vertuschung vorgeworfen. Als ein 18-jähriger Asylwerber Anfang August verhaftet und wegen Fluchtgefahr in Gewahrsam genommen wurde, sahen viele Gegner des Asylheims ihren Vorwurf bestätigt. Sie verbreiteten - zumeist unter Pseudonymen - die Meldung auf Facebook.

Die Essener Polizei rief die Bevölkerung auf, sich nicht von falschen Ängsten anstecken zu lassen und sogar die Familie des Opfers warnte in der WAZ vor "unüberlegten Aktionen gegen das Heim". "Es wohnen unschuldige Menschen dort", sagte der Vater der Jugendlichen.

Wenige Tage nach seiner Verhaftung wurde der Asylbewerber wieder freigelassen, der Vorwurf der Vergewaltigung war nicht haltbar. Auf Nachfrage der Huffington Post gab die Staatsanwaltschaft Essen an, dass es zwischen den Angaben des Opfers und der des Beschuldigten Widersprüche gegeben hatte, wie die vermeintliche Tat abgelaufen sei.

"Die noch sehr junge Frau ist daraufhin aussagepsychologisch begutachtet worden, wobei die Gutachterin zu dem Ergebnis kam, dass die Aussage der jungen Frau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erlebnisbezogen war", sagte Anette Milk, Sprecherin der Oberstaatsanwältin. Der beschuldigte Mann lebt mittlerweile nicht mehr im Asylwerberheim Essen-Frintrop.

Auch auf HuffPost:

CDU-Generalsekretär Tauber nennt Facebook-Hetzer "Arschloch"

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.