POLITIK
11/01/2016 18:04 CET | Aktualisiert 11/01/2016 18:05 CET

BKA ermittelt wegen sexuellen Übergriffen nach arabischem "Vorbild"

dpa
BKA ermittelt wegen sexuellen Übergriffen nach arabischem "Vorbild"

516 Anzeigen in Köln. 133 Anzeigen in Hamburg. Wegen Diebstahls, sexueller Belästigung, Vergewaltigung.

Das ist eine immense Zahl. Eine Zahl, die den Argwohn weckt, dass die Übergriffe kein Zufall gewesen sein können, sondern in irgendeiner Form organisiert wurden. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat das schon bald nach dem Bekanntwerden der Vorfälle vermutet, und seinen Verdacht in der „Bild am Sonntag“ bekräftigt:

„Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein. Niemand kann mir erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde.“

BKA ermittelt wegen organisierter sexueller Belästigung

Das Bundeskriminalamt (BKA) will deshalb nun gegen gemeinschaftlich begangene sexuelle Belästigung von Frauen vorgehen und bundesweit Daten sammeln. Das teilte die Behörde der „Welt am Sonntag“ mit.

Die Opfer der Silvester-Übergriffe haben Männer arabischen oder nordafrikanischen Aussehens als Täter beschrieben. Und erste Ermittlungen der Polizei bestätigten, dass sich zur Tatzeit überaus viele Männer dieser Herkunft an den fraglichen Orten aufgehalten haben – wenn auch deren Täterschaft nicht belegt ist.

Die Übergriffe haben jetzt einen Namen

Und deshalb hat das BKA laut „WamS“ auch einen Namen für die Übergriffe: „Taharrusch Dschämea“ oder „Taharrush Gamea“, arabisch für „gemeinsame Belästigung“.

So nenne sich das Phänomen in arabischen Ländern, das die Polizei dort bei großen Menschenansammlungen beobachtet habe. In Deutschland sei das bislang noch nicht beobachtet worden.

Bei Beobachtern hatten die Vorfälle in Köln schon bald Assoziationen mit Gewalt gegen Frauen auf dem Tahrir-Platz im ägyptischen Kairo geweckt.

Der Korrespondent der „Frankfurter Rundschau“ schrieb über den Tahrir: „Was dort am 11. Februar 2011, am Abend des Rücktritts von Ägyptens Diktator Hosni Mubarak, mit dem Missbrauch der CBS-Journalistin Lara Logan durch Dutzende junger Männer begann, wuchs sich in den folgenden Jahren zu regelmäßigen sexuellen Massenverbrechen gegen Frauen aus, an denen sich rasende Mobs von Hunderten junger Täter beteiligten.“

"Sex Mobs" in Ägypten

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) notierte Anfang des Jahres 2015:

„Sexuelle Übergriffe in der Öffentlichkeit, vor allem im Zusammenhang mit den Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden.“ AI schreibt sogar von „Sex Mobs“ in diesem Zusammenhang.

Die Frage nach der Schuld der Gesellschaft und der Religion

Das Problem ist längst nicht auf Ägypten beschränkt. Beobachter vermuten, dass das patriarchale Weltbild in vielen arabischen Staaten die sexuellen Übergriffe begünstige.

Islamkritiker wie der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad sehen allerdings auch die Religion als Ursache. „Eine Religion, die die Frau entweder als Besitz des Mannes oder als eine Gefahr für seine Moral sieht, ist mitverantwortlich“, schreibt Abdel-Samad im „Cicero“.

Andere dagegen erinnern daran, dass der Islam von Männern wie Frauen Respekt voreinander verlangt. Und Übergriffe gebe es laut der Weltgesundheitsorganisation weltweit in "epidemischem Ausmaß".

Das stimmt. Selbst in der EU wurde einer Studie zufolge jede dritte Frau Opfer von Gewalt.

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