POLITIK
10/01/2016 11:23 CET | Aktualisiert 10/01/2016 11:29 CET

"Heute mache ich mir ein paar Feinde": So ehrlich schreibt ein Polizist auf Facebook zu Köln

Dieser Ex-Polizist erklärt, warum an Silvester in Köln so viel schief gelaufen ist
Facebook Nick Hein
Dieser Ex-Polizist erklärt, warum an Silvester in Köln so viel schief gelaufen ist

Nick Hein ist ein erfolgreicher Judoka und Bundespolizist. Auf seinem Facebook-Profil hat sich der Sportler nun zu den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht geäußert. Und er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

"Heute mache ich mir wahrscheinlich ein paar Feinde", so setzt der Text an. Dann kündigt Hein an, sich zur Kritik am Verhalten der Kölner Polizei zu äußern. Denn er habe selbst jahrelang am Kölner Hauptbahnhof Dienst geschoben.

Er beschreibt, wie aufregend die Dienstjahre an diesem Ort gewesen seien:

"Schichtdienst, bei Wind und Wetter draußen und ständig unterbesetzt. [...] Am Hauptbahnhof bekommt man es mit besonderen Abgründen zu tun. Drogenschicksale, organisierter Diebstahl, Asyl und Suizid, besonders zur Weihnachtszeit ein trauriges Phänomen."

Das größte Kriminalitätsproblem sei der Taschendiebstahl gewesen - die Intensivtäter seien dabei immer dergleichen Tätergruppe zuzuordnen gewesen: "Nordafrikaner im Asylverfahren."

Wie könne es sein, fragt Hein, dass Asylbewerber, deren Antrag noch geprüft werden, Straftaten ohne Angst auf Ausweisung ausüben könnten?

"Die Antwort ist einfach. Der Artikel 53 des Aufenthaltsgesetzes sieht eine Ausweisung von Ausländern nur in schwerwiegenden Fällen vor. Das heißt, dass Straftaten die mit weniger als 3 Jahren Freiheitsstrafe belegt sind, das Asylverfahren nicht beeinflussen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) klärt unabhängig davon ob Anspruch auf Asyl besteht oder nicht.

Das ist für mich bis heute unfassbar."

Es handele sich also um eine Gesetzeslücke die, gepaart mit der Sparpolitik des Bundes dafür sorge, dass die Polizei diesem Phänomen zum Teil machtlos gegenüberstehe.

"Es scheint ein bewährtes Mittel der Politik zu sein, beim eigenverschuldeten Komplettversagen einen Dummen ausfindig zu machen, damit die Medien und der Mob mit dem Finger auf ihn zeigen können.

Es scheint so, als sei der Dumme im Polizisten gefunden."

Dem möchte Hein vehement widersprechen. Genauso vehement, wie er sich gegen Asylgegner ausspricht:

"Ich widerspreche auch Menschen, die grundsätzlich gegen Asyl sind, da unsere Regierung durch exorbitante Waffenexporte nicht unschuldig an dieser Situation ist. Ich habe einem guten Freund und Syrer aus dem TigerMuayThai versprochen, seine beiden Cousins die als Asylbewerber in Köln sind, aufzusuchen.

Ich bin Polizist geworden um Menschen zu helfen, die Hilfe benötigen.

Aber wenn wir unsere Demokratie, unsere Aufklärung und Zivilgesellschaft und am wichtigsten, die freiheitlich demokratische Grundordnung erhalten wollen, dann sollten Verstöße gegen diese Prinzipen unmittelbar und konsequent geahndet werden und ein Aufnahmeverfahren entscheidend beeinflussen. Ansonsten macht sich unser Rechtssystem lächerlich."

Zum Schluss seines emotionalen Posts macht Hein erneut deutlich, wofür er steht: Die verallgemeinerte Hetze gegen Asylbewerber sei "lächerlich".

Mein Wort zum Sonntag. Heute mache ich mir wahrscheinlich ein paar Feinde.Ich war 11 Jahre Polizist der...

Posted by Nick Hein on Sonntag, 10. Januar 2016

Das Coverbild der neuen "Kompakt"!Infozeitschrift der Bundespolizei!"Wer ist der Kerl?";-)

Posted by Nick Hein on Thursday, 13 June 2013

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Wasserwerfer-Einsatz bei Pegida-Demo in Köln: Hier drängt die Polizei den wütenden Mob zurück