POLITIK
08/01/2016 08:30 CET | Aktualisiert 08/01/2016 10:13 CET

Studie beweist: So unterschiedlich sehen Muslime und Christen Frauen wirklich

LiudmylaSupynska via Getty Images
friendship of the religions concept: muslim and christian girl standing together and smiling at camera

Für viele Menschen gibt es nichts Schöneres als das Gefühl, Recht zu haben. Und so ist der Jahresbeginn 2016 wohl auch für viele krakeelende Wutbürger eine Zeit der genüsslichen Selbstbestätigung: Seht her, ihr Gutmenschen! Dank euch fallen jetzt Horden von Ausländern über deutsche Frauen her!

Dabei haben wir es doch schon immer gewusst: Das Frauenbild des Islam ist nicht mit dem aufgeklärten, gleichberechtigten Frauenbild hierzulande in Einklang zu bringen.

Hier weiß, dort schwarz. So ist die Welt und nicht anders. Zufriedenes Zurücklehnen im Sessel des Ich-habs-euch-doch-gesagt-Sagers.

Eine Umfrage offenbart die Gedankenwelt von Christen und Muslimen

Schade nur, dass diese vermeintliche Gewissheit nicht aufrecht zu halten ist. Denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat im Rahmen einer Studie Christen und Muslime zu ihren Einstellungen befragt. Eines der Ergebnisse dabei: Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist für eine Mehrheit beider Gruppen ein sehr wichtiger Wert.

Im Rahmen der Studie ("Geschlechterrollen bei Deutschen und Zuwanderern christlicher und muslimischer Religionszugehörigkeit") wurden rund 3.000 Muslime und Christen in Deutschland befragt.

Nur wenige wollen Frauen benachteiligen

Bei den muslimischen Befragten handelte es sich allesamt um Personen mit Migrationshintergrund. Die christlichen Befragten hatten ebenfalls mehrheitlich einen Migrationshintergrund. Hinzu kam eine Vergleichsgruppe von insgesamt 300 Befragten ohne Migrationshintergrund, die entweder dem Christentum, einer anderen oder auch keiner Religion angehörten.

Über 80 Prozent der Befragten gab an, dass Gleichberechtigung einen wichtigen Wert für sie darstelle. Nur eine Minderheit der Befragten (unter Christen rund 11, unter Muslimen rund 17 Prozent) zeigte Ansichten, die in Teilen als benachteiligend für Frauen einzustufen sind.

Bei den Jüngeren sind die Rollenbilder moderner

Das klassische Rollenbild, wo dem Mann die "Ernährerrolle" und der Frau Haushalt und Familie zugeschrieben sind, ist bei Muslimen öfter anzutreffen als bei Christen. Bei jüngeren Muslimen lässt sich aber eine deutliche Abkehr von diesen Rollenklischees feststellen.

Allerdings, und das ist besonders interessant: Der Bildungsgrad der Befragten ist wohl der entscheidende Faktor im Zusammenhang mit Rollenbildern. Sowohl Christen als auch Muslime, die einen geringen Bildungsgrad und gesellschaftlichen Status haben, vertraten eher traditionelle Einstellungen.

Religion macht nicht konservativ - sondern etwas anderes

Bei muslimischen Akademikern waren hingegen sogar häufiger beide Partner Vollzeit erwerbstätig als unter christlichen.

Der ausschlaggebende Faktor, der das Frauenbild beeinflusst, ist also nicht die Religionszugehörigkeit, sondern die schlechtere soziale Lage von Muslimen im Vergleich zu Christen in Deutschland.

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