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08/01/2016 12:56 CET | Aktualisiert 08/01/2016 13:01 CET

Rauchen: So viel kosten uns die Raucher

Hemera Technologies via Getty Images
Die "Tabak-Maut" könnte so manch einem den Tabakgenuss verderben.

Die Zeiten, in denen das Rauchen zum guten Ton gehörte und die Schauspieler in Filmen stets mit der Zigarette in der Hand zu sehen waren, sind längst vergangen. Mit Helmut Schmidt ist zum Ende des Jahres 2015 auch ein öffentliches Raucher-Idol gestorben. Er stammte aus der Zeit, in der im Bundestag, in sämtlichen öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln noch geraucht werden durfte.

Mittlerweile herrscht da jetzt meist Rauchverbot und bald zieren die Schachteln abschreckende Bilder von Raucherlungen.

Auch die Kosten für das Qualmen steigen stetig: Während eine Schachtel Zigaretten in den 70er Jahren noch zwei D-Mark (rund 1 Euro) kostete, muss man heute für 19 Zigaretten fünf Euro zahlen.

In Deutschland könnte eine Schachtel Zigaretten bald Euro 7,80 oder sogar mehr kosten.

Zumindest wenn es nach Albrecht Kloepfer, Leiter des Instituts für Gesundheitssystem-Entwicklung, ginge. Anstoß dafür gab eine "Strafsteuer" für zu fette Lebensmittel in Mexiko, da in Südamerika Adipositas (also Fettleibigkeit) und die gesundheitlichen Folgen immense Kosten verursachen.

Kloepfer möchte das ganze in Deutschland aber nicht als "Strafe" auslegen, sondern es wie das Maut-Prinzip aufziehen. So soll jeder, der das Produkt nutzt - in diesem Fall die Zigaretten - auch für deren Konsum bezahlen. Ebenso wie es die Lastwagen auf den Autobahnen auch tun müssen.

"Raucher sollten in Zukunft auf jede Packung oder Zigarette einen Zuschlag zahlen, der direkt in den Gesundheitsfonds fließt und so die vom Rauchen verursachten Kosten refinanziert", sagt der Institutsleiter dem "Handelsblatt".

So würden die Sonderabgaben nur von denjenigen bezahlt, die die Kosten unmittelbar verursachen, sowie die Gelder nicht mittelbar dem Staat, sondern direkt an die zahlenden Gesundheitsbehörden geleitet werden.

helmut schmidt smoking

"Willen braucht man. Und Zigaretten." - Helmut Schmidt

Denn: Knapp 25,5 Milliarden Euro fallen jährlich aufgrund des Tabakkonsums an.

Das hat das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer Berechnung für die Kosten des Rauchens für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft in Deutschland vorgelegt.

Darin aufgeführt: die direkten Kosten, die aus Arztkosten, Pflege- und Medikamentenversorgung entstehen, sowie auch indirekten Kosten wie Ausgaben für Arbeitsausfälle und Frühberentung.

Nimmt man diese Kosten zusammen, kommt man sogar auf fast 80 Milliarden Euro, die jährlich für das Gesundheitssystem entstehen. Würde man also die indirekten Kosten ebenfalls auf die Raucher umlegen, so käme man auf einen Schachtelpreis für 19 Zigaretten von 11,30 Euro.

Im Gegensatz zu Albrecht Kloepfer empfiehlt das Deutsche Krebsforschungszentrum die Abdeckung der anfallenden Kosten durch Steuererhöhungen. Aber Kloepfer kritisiert, dass Steuererhöhungen nur zum Stopfen allgemeiner Haushaltslöcher ausgenutzt würden.

Die Sonderabgaben stoßen in der Politik auf Ablehnung.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, sehen aber sowohl die Union als auch die Grünen keine realisierbare Zukunft für die "Tabak-Maut". Auch Steuererhöhungen sollen nach Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wenn überhaupt, nur sehr gemäßigt durchgesetzt werden.

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