GOOD
07/01/2016 23:22 CET | Aktualisiert 08/01/2016 00:40 CET

Dieses Land setzt sich für Väter ein wie kein anderes

Die "Daddy-Quota" setzt Geschlechterrollen in Schweden in Frage
thinkstock
Die "Daddy-Quota" setzt Geschlechterrollen in Schweden in Frage

Schweden hat früh etwas erkannt, was schon lange Realität ist: Eltern wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen – unabhängig vom Geschlecht. Deshalb war das Land 1974 das erste, das sowohl Müttern, als auch Vätern Elternzeit zusicherte. Doch alte Rollenmuster lassen sich nicht über Nacht abschütteln, die Gesetzesänderung animierte nur wenige Väter, das Angebot der Regierung tatsächlich in Anspruch zu nehmen.

Um Väter zu ermutigen, selbst Elternzeit zu nehmen, gibt es in Schweden seit 1995 die sogenannte "Daddy-Quota" (zu Deutsch etwa “Papa-Quote”). Von den insgesamt 480 Tagen Elternzeit, die schwedischen Eltern zur Verfügung stehen, waren zunächst 30 und seit 2002 60 Tage ausschließlich für Väter reserviert. Bedeutet im Klartext: Diese Tage können wirklich nur Väter in Anspruch nehmen – ansonsten verfallen sie.

Zum 1. Januar 2016 hat Schweden die Quote sogar noch erhöht. Insgesamt 90 Tage stehen ab jetzt ausschließlich Vätern zur Verfügung. Diese Entscheidung zeigt: Die Regierung meint es ernst mit dem Ziel, Geschlechtergleichberechtigung zu fördern und alte Systeme zu brechen. Doch Väter "zu ihrem eigenen Glück zu zwingen" – funktioniert das in der Realität?

Die Quote wird in Schweden als großer Erfolg verbucht. Laut einer Analyse der Stockholm University, der Indiana University und der University of Gothenburg hatten vor deren Einführung nur 44 Prozent aller Väter Elternzeit in Anspruch genommen, im letzten Jahr waren es bereits rund 80 Prozent. Väter übernehmen damit mittlerweile ein Viertel der gesamten Elternzeit.

Kann die Quote überall funktionieren? Das System funktioniert in Schweden mitunter deshalb so gut, weil Eltern dort im ersten Jahr über 80 Prozent ihres Gehalts vom Staat bezahlt bekommen – das macht das Angebot laut wissenschaftlicher Studien auch für Männer attraktiv. In Deutschland bekommen Eltern durchschnittlich immerhin 65-67 Prozent ihres Gehalts ausgezahlt - ob die "Daddy-Quota" wohl auch bei uns funktionieren würde?

Auch auf HuffPost:

Düsseldorfer Grundschule verbietet Burka und Nikab

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.