POLITIK
07/01/2016 02:28 CET | Aktualisiert 07/01/2016 03:04 CET

Neues Börsenbeben in China: Land bekommt Finanzprobleme nicht in den Griff

dpa
China bekommt den Finanzmarkt nicht in den Griff

Chinas Börsen sind erneut in den Keller gesackt. Nach dem zweiten Kursrutsch in dieser Woche wurde der Börsenhandel in dem Land am Donnerstag erneut für den Rest des Tages ausgesetzt. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als sieben Prozent gefallen.

Bemerkenswert: Es war mit 30 Minuten der kürzeste Handelstag in der 25-jährigen Geschichte der Aktienmärkte Chinas. Die neuen Turbulenzen und die Sorgen um den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft haben diese Woche weltweit Schockwellen ausgelöst.

Hier sind 4 Dinge, die ihr über das erneute Börsenbeben wissen müsst:

1. Darum wurde der Handel ausgesetzt

Wie am Montag kam erneut der zum Jahresanfang eingeführte Schutzmechanismus zum Zuge. Der sieht bei einem Kursrückgang um mehr als fünf Prozent erst eine 15-minütige Unterbrechung und dann bei einem Minus von mehr als sieben Prozent einen völligen Abbruch des Handels vor. Die Messlatte für diese Art Notbremse ist der China Securities Index (CSI) mit 300 führenden Werten an beiden Börsen.

2. So hat China nach dem ersten Kurssturz reagiert

Nach dem Einbruch zum Wochenanfang hatte die chinesische Regierung Milliarden in den Markt gepumpt. Zudem kündigten die Machthaber neue Maßnahmen an, um die Kurse zu stützen, was zunächst auch kurzfristig gelungen war. Problem: Das langfristige Vertrauen der Anleger fehlt in China, wegen der starken Korruption in der Wirtschaft und der unklaren Haltung der Regierung in Finanzfragen.

Angesichts der Turbulenzen plant die chinesische Wertpapieraufsicht nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg auch, das seit einem halben Jahr geltende und Freitag auslaufende Verkaufsverbot für einige Großinvestoren zu verlängern.

Zuvor hatten die Aufseher schon angekündigt, "neue Maßnahmen" ergreifen zu wollen, die einen massiven Verkauf von Aktien "unwahrscheinlich" machen sollen. Das würde den Handel zumindest kurzzeitig stabilisieren und Spekulation im großen Stil unmöglich machen.

Eine weitere Maßnahme: Die Zentralbank pumpte diese Woche so viele Milliarden in den Markt wie seit September nicht mehr. Dabei kauft die Notenbank Wertpapiere, wobei sie sich verpflichtet, diese zu einem vereinbarten Preis zu einem bestimmten Termin rückzuübertragen. Mit Stützungskäufen halfen auch staatlich kontrollierte Fonds, die Kurse wieder in die Höhe zu treiben.

3. Warum uns China nicht egal sein kann

Der Yuan fiel am Donnerstag mit einem Kurs von 6,5646 auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Die Kursschwäche weckt Sorgen um eine wachsende Kapitalflucht aus China. Deutsche Unternehmen exportieren mittlerweile Waren im Wert von rund 75 Milliarden Euro im Jahr nach China - schwächelt die Wirtschaft dort, trifft es am Ende auch Deutschland.

Die Unsicherheiten in China, der jüngste Atomtest in Nordkorea und die Spannungen zwischen den wichtigen Ölförderländern Iran und Saudi-Arabien hatten am Mittwoch auch die Wall Street ins Minus gedrückt. Die Unterbrechung des Handels in China am Donnerstag belastete auch wieder die Börse in Tokio. Auch der deutsche Dax rutschte nach dem Kurssturz am Montag ins Minus.

Nicht wenige Analysten glauben, dass eine Finanzkrise in China eine zweite Weltwirtschaftskrise auslösen könnte.

4. Wie geht es jetzt in China weiter?

Nach einem spekulativen und häufig auch kreditfinanzierten Boom an den chinesischen Aktienmärkten seit 2014 waren die Kurse im vergangenen Sommer eingebrochen. Seitdem gibt es eine Berg- und Talfahrt, während die Regierung mit massiven Interventionen verzweifelt versucht, die Märkte zu stabilisieren.

Diese Maßnahmen haben aber bisher nicht gefruchtet. Hinzu kommt ein weiteres massives Problem für die Regierung: Das Wirtschaftswachstum in dem Land schwächelt. Fällt es unter 7 Prozent, so kalkuliert die Regierung, könnte es soziale Unruhen im Land geben.

2015 wuchs die Wirtschaft aber nur um rund sieben Prozent. Den Tumulten an den Börsen könnten also bald Tumulte auf den Straßen folgen.

Mit Material der dpa

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