POLITIK
06/01/2016 00:21 CET | Aktualisiert 06/01/2016 02:21 CET

"Ich hatte Todesangst": Frauen berichten, wie die Übergriffe in Hamburg abliefen

DPA
Die Hamburger Reeperbahn bei Nacht

Die Silvester-Übergriffe in Köln lösten deutschlandweit Entsetzen aus. Aber es war nicht die einzige Stadt, in der es in der Nacht zu Neujahr zu sexuellen Angriffen auf Frauen kam. Die "Bild-"-Zeitung berichtete von ähnlichen Ereignissen aus Hamburg. Eine Zeugin sagte dem Blatt, in der Nacht seien "Mädchen wie Vieh gejagt" worden.

Nun tauchen mehr Details über die Ereignisse auf. Die Redaktion von "Spiegel Online" hat mehrere Zeugen ausgemacht. Eine 19-jährige Auszubildende erzählte, sie sei im Club "Superfly" gewesen. "Der Türsteher vom Superfly hat gesagt, das ist unser Tod, wenn wir jetzt auf die Straße gehen", sagt sie. Sie sei um zwei Uhr trotzdem mit einer Freundin nach draußen gegangen.

In einer Menschenmenge sei sie von ihrer Freundin getrennt worden. "Ich war allein und auf einmal merkte ich, wie mich Männer angefasst haben", sagt Müller. Sie hätten ihr unter das Kleid gefasst, sie am Po begrapscht und an den Haaren gezogen. "20 bis 30 Männer standen um mich herum, keine Frau zu sehen", sagt die Auszubildende. "Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Todesangst."

Sie habe versucht, die Hände wegzuschlagen und um Hilfe geschrien. "Aber wenn eine Hand wegging, kam schon die nächste. Ich habe mich komplett ausgeliefert und hilflos gefühlt." Sie erstattete am nächsten Tag Anzeige, konnte aber keine Täterbeschreibung abliefern. Die Redaktion von "Spiegel Online" weist darauf hin, dass es nicht möglich ist, ihre Schilderungen im Detail nachzuprüfen.

Ein anderer Zeuge berichtet, was auf der Großen Freiheit passierte. "Direkt am Anfang der Straße gab es Gedränge, man war komplett umringt von Leuten", sagt der 25-Jährige. Vor ihm seien drei blonde Frauen gelaufen. Ein Teenager habe einer der Frauen an den Po gefasst. Die Frau habe ihn angeschrien, aber er habe nicht aufgehört. "Dann hat er ihr an den Busen gefasst und sie hat ihm eine Ohrfeige gegeben." Innerhalb von Minuten habe er drei ähnliche Fälle gesehen.

Nicht nur auf St. Pauli soll es zu solchen Vorfällen gekommen sein. Eine weitere Zeugin berichtete, dass sie an der Innenalster begrapscht wurde. Fünf oder sechs Mal sei sie am Hintern angefasst worden. "In der Form habe ich das noch nicht erlebt."

In zehn Fällen haben Frauen Anzeige erstattet. Sechs Anzeigen waren schon in der Silvesternacht eingegangen. Die Täter sollen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gewesen sein. Sie seien offenbar in Gruppen von fünf bis 20 Mann vorgegangen und hätten nach Angaben der Polizei "südländisch oder arabisch" ausgesehen.

Alle Anzeigen betreffen den Bereich Beatles-Platz/Eingang Große Freiheit. Das sagte Polizeisprecher Holger Vehren. Auch zeitlich seien die Fälle eng eingegrenzt. Sie hätte alle zwischen 0.30 Uhr und 2 Uhr am Neujahrsmorgen stattgefunden. "Dieses Phänomen so komprimiert haben wir noch nie festgestellt", sagte Vehren. "In diesem Fall sind alle Opfer Frauen, auch das ist besonders." Nach Silvesterfeiern in früheren Jahren oder bei anderen Großereignissen wie dem Alstervergnügen seien keine Übergriffe nach dieser Methode bekanntgeworden.

Mit Material der dpa

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