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04/01/2016 06:57 CET | Aktualisiert 04/01/2016 08:18 CET

Oregon: Bewaffnete Bürgerwehr hält USA in Atem

Radikale Farmer protestieren. Foto: AP
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Radikale Farmer protestieren. Foto: AP

In Deutschland gehören vermeintlich besorgte Bürger, die regelmäßig gegen die politische und wirtschaftliche Elite des Landes demonstrieren, längst zum Straßenbild vieler Städte.

Mitunter ist die Stimmung bei den Märschen von Pegida, Hogesa oder den "Merkel muss weg"-Aktivisten sehr aggressiv. Doch im Vergleich zu der unter US-Präsident Barack Obama zunehmend aufgeheizten Debatte in den USA laufen die deutschen Proteste eher ruhig und sittlich ab.

In den Vereinigten Staaten eskalieren politische Aktionen seit einiger Zeit immer öfter. So haben bis zu 100 Bauern, die Mitglieder einer regierungskritischen Miliz sind, am Wochenende im amerikanischen Bundesstaat Oregon die Verwaltung eines Naturschutzgebiets besetzt.

Sie seien zur Gewalt bereit und wollten notfalls mehrere Jahre dort ausharren, sagte Besetzer Ammon Bundy der Lokalzeitung "The Oregonian".

Auslöser des Protests der radikalen Hinterwäldler ist eine Haftstrafe für zwei Farmbesitzer wegen Brandstiftung. Sie sollen ihre Strafe am heutigen Montag antreten.

Die beiden Wutbürger hatten nach eigenen Worten 2001 und 2006 Feuer gelegt, um den Wildwuchs eingeschleppter Pflanzen einzudämmen und ihr eigenes Gelände vor Buschbränden zu schützen.

Doch auch das generelle Misstrauen von immer mehr Amerikanern gegen die verhassten Politiker, Richter und Beamten in Washingtion spielt bei solchen radikalen Aktionen eine Rolle. Vor allem in ländlichen Regionen wächst die Aggression - auch aufgrund radikaler Parolen diverser Politiker der sogenannten Tea Party.

Wir planen, hier jahrelang zu bleiben, absolut

Bundy sagt, er und Dutzende weitere "besorgte Bürger" wollten mit der Aktion am Malheur National Wildlife Refuge ihre Unterstützung für die beiden verurteilten Männer zeigen, den 73-jährigen Dwight Hammond und dessen 46-jährigen Sohn Steven Hammond.

Für die Brandstiftung wurden diese vor drei Jahren verurteilt. Der Vater verbüßte bereits eine Strafe von drei Monaten, der Sohn saß ein Jahr hinter Gittern.

Doch entschied ein Richter später, dass die Strafen nach amerikanischen Bundesrecht zu kurz gewesen seien. Laut seinem neuen Urteil sollen die Brandstifter jeweils etwa vier Jahre in Haft. Das sorgte für massiven Umnut in Oregon.

Ammon Bundys Familie war bereits in Nevada an einem Konflikt mit der Regierung über Weiderechte beteiligt. Mit einigen selbsternannten Milizionären kam er im Dezember für die jetzige Protestaktion nach Oregon.

In einer E-Mail an Unterstützer kritisierte er das Verfahren gegen die Hammonds und rief "alle Patrioten" auf, sich an Protesten zu beteiligen.

Dann werden wir in einer Position sein, wo wir das nicht mehr können

In einem über Facebook verbreiteten Interview sagte er: "Ich habe den Eindruck, wir sind in einer Situation, wenn wir jetzt nicht harte Kante zeigen, dann werden wir in einer Position sein, wo wir das nicht mehr können."

Die am Samstag begonnene Besetzung des Verwaltungsgebäudes soll nach seinen Worten auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. "Wir planen, hier jahrelang zu bleiben, absolut", sagte er.

Auch andere politische Proteste in den USA eskalierten zuletzt immer öfter. So kam es etwa bei dem Demos nach Todesfällen von Schwarzen, die von der Polizei erschossen wurden, in mehreren Bundesstaaten zu massiven Krawallen.

Zudem waren in der Vergangenheit immer wieder auch Aktionen von rechtsradikalen US-Aktivisten außer Kontrolle geraten. Der amerikanische Ökonom Martin. A. Armstrong prophezeite bereits Ende 2014 größere, auf die US-Regierung gerichtete Unruhen ab diesem Jahr. Man darf also gespannt sein.

Mit Material von AP

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