WIRTSCHAFT
04/01/2016 01:30 CET | Aktualisiert 04/01/2016 03:11 CET

Die SIM-Karte verschwindet - für uns hat das unabsehbare Folgen

Eine Handynutzerin auf Bali
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Eine Handynutzerin auf Bali

Bei jedem Handykauf das gleiche Ritual. Wer sich ein neues Mobilfunkgerät kauft, muss darin eine SIM-Karte einlegen. Aus einer Plastikkarte einen kleinen Chip herausfummeln, der dann in das neue Handy eingefügt werden soll - und im schlimmsten Fall nicht passt, da es inzwischen drei verschiedene Größen von Karten gibt.

Das soll sich noch in diesem Jahr ändern. "Das alles ist bald Vergangenheit", sagt Christian von Reventlow, Innovationschef der Telekom gegenüber der "Welt". Die Mobilfunkindustrie steht kurz vor der Ablösung der Mobilfunkkarte. Nach mehr als 25 Jahren soll sie ersetzt werden durch die e-SIM. "Wir sind überzeugt, dass der neue e-SIM-Standard ab 2016 in den Markt kommt und sich dann ab 2017 richtig durchsetzt", heißt es bei der Telekom.

Die so genannte e-SIM ist fest in Smartphones integriert. Das e im Namen steht für "embedded", zu deutsch: eingebaut. Da man sie nicht aus dem Gerät herausnehmen kann, ist sie von außen programmierbar. Bisher mussten SIM-Karten verschiedenster Größen immer per Hand eingesetzt werden - zum Beispiel bei einem Anbieterwechsel. "

Den Anstoß zur Entwicklung der e-Sim gab Apple. Inzwischen arbeiten Mobilfunkbetreiber Handyhersteller und Karten-Hersteller gemeinsam an ihrer Entwicklung. Neben der Telekom unterstützt beispielsweise auch Telefónica die Entwicklung der e-Sim. Die Vereinigung der Mobilfunkanbieter (GSMA) will dafür einen branchenweiten Standard festlegen. Wie der im Detail aussehen soll, soll noch in diesem Jahr festgelegt werden.

Das Gefummel mit Plastikkarten und Büroklammern soll dann vorbei sein. Wer sich zum Beispiel ein neues Tablet kauft, muss zur Freischaltung seines Vertrages nur einen Strichcode mit der Kamera des Gerätes einzuscannen, heißt es bei der Telekom. Damit wird das es dann aktiviert.

Doch viele Fragen bleiben offen. Wie sollen unterschiedliche Verträge gebucht werden? Wettbewerbsbehörden und Verbraucherschützer sind misstrauisch. Wer entscheidet, welche Angebote dem Nutzer zur Verfügung stehen? Wer entscheidet über die Auswahl der Anbieter auf dem System? Welche werden zuerst angezeigt, welche zuletzt?

Und wie soll ein Wechsel des Anbieters ablaufen? Die SIM-Karte erlaubte es schließlich, einen Mobilfunkanbieter einfach auszutauschen, indem man eine andere Karte ins Gerät legte. Doch was geschieht, wenn jemand einen Vertrag vor Ende seiner Laufzeit beenden will? Wird möglich sein, bei einer Reise ins Ausland einen anderen Anbieter auf die e-SIM zu legen?

Die Telekom sagt, die e-Sim werde dies einfacher machen. Kunden sollen nämlich mehrere Sim-Profile auf einem Endgerät abspeichern und zwischen ihnen "mit nur einem Klick" wechseln, erklärte die Telekom gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch im Ausland können sich die Nutzer einen alternativen Anbieter suchen.

Doch viele Fragen sind noch ungeklärt. Ob die Nutzer am Ende wirklich davon profitieren werden, hängt von den Antworten auf diese Detailfragen ab.

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