POLITIK
04/01/2016 13:10 CET | Aktualisiert 04/01/2016 14:12 CET

"Sehr beleidigend": Das neue "Charlie Hebdo"-Cover provoziert - dieses Mal nicht (nur) Muslime

A picture taken on January 4, 2016 at a printing house near Paris shows the cover of the latest edition of the French Satirical magazine Charlie Hebdo bearing a headline which translates as 'One year on: The assassin still at large' in an edition to mark the first anniversary of the terror attack which targetted the magazines offices in Paris on January 7, 2015.
One million copies of the special edition will go on sale in France on January 6, on the eve of the first anniversary of the killing of 12 people at the magazine's Paris offices by brothers Cherif and Said Kouachi.  / AFP / MARTIN BUREAU        (Photo credit should read MARTIN BUREAU/AFP/Getty Images)
MARTIN BUREAU via Getty Images
A picture taken on January 4, 2016 at a printing house near Paris shows the cover of the latest edition of the French Satirical magazine Charlie Hebdo bearing a headline which translates as 'One year on: The assassin still at large' in an edition to mark the first anniversary of the terror attack which targetted the magazines offices in Paris on January 7, 2015. One million copies of the special edition will go on sale in France on January 6, on the eve of the first anniversary of the killing of 12 people at the magazine's Paris offices by brothers Cherif and Said Kouachi. / AFP / MARTIN BUREAU (Photo credit should read MARTIN BUREAU/AFP/Getty Images)

Ein Jahr nach dem Terroranschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo", veröffentlicht das französische Satiremagazin eine Sonderausgabe. Und es wäre nicht der bissige Humor der "Charlie Hebdo"-Macher, wenn nicht auch diese Titelseite provozieren würde.

Das Cover zeigt einen blutverschmierten Gott im weißen Gewand. Mit einer Kalaschnikow bewaffnet rennt er feindseligen Blickes durchs Bild. Dazu trägt das Heft die Überschrift: "Ein Jahr danach: Der Mörder ist noch immer auf freiem Fuß". Chefredakteur Riss selbst hat die Karikatur gezeichnet.

Bei dem blutigen Anschlag in Paris am 7. Januar 2015 kamen zwölf Menschen ums Leben, darunter die bekannten "Charlie Hebdo"-Zeichner Charb, Honoré, Cabu, Wolinski und Tignous. Eine Woche danach brachten die übrigen Redakteure eine Ausgabe heraus, die einen weinenden Mohammed zeigte. Der Titel des Hefts lautete "Alles ist vergeben". In der Hand hielt der karikierte Prophet ein Schild mit der Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie").

Die erneute Abbildung von Mohammed sorgte in der muslimischen Welt damals für Aufruhr. Schließlich war die Redaktion vor allem wegen ihrer Karikaturen des Propheten Ziel des Anschlags islamistischer Terroristen geworden.

Der Weißbärtige auf der aktuellen Ausgabe jedoch erinnert eher an einen christlichen Gott. Im Editorial kritisiert der als Riss zeichnende Laurent Sourisseau "vom Koran verblödete Fanatiker", die wie "geweihte Ärsche anderer Religionen" ein Ende des Magazins gewünscht hätten, weil es über Religiöses zu lachen wage.

Abdallah Zekri von der französischen Beobachtungsstelle für Islamophobie sprach bei dem Sender BFMTV von einem "für alle Religionen sehr beleidigenden Text". Der Bischof von Gap, Jean-Michel di Falco Leandri, verwies auf Gläubige unter den Opfern. Es könne nicht gesagt werden, eine Religion wolle den Tod eines Magazins.

Die 32-seitige Sonderausgabe mit einer Auflage von einer Million Exemplaren kommt am Mittwoch in die Kioske - einen Tag vor dem Jahrestag des Anschlags. Von der Sonderausgabe sollen auch 50.000 Exemplare in Deutschland verkauft werden.

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