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04/01/2016 05:00 CET | Aktualisiert 02/02/2016 04:50 CET

Börsen-Horror in Peking: Was gerade in China passiert, könnte fatale Folgen für Europa haben

AP

Nach einem Kursverlust von knapp sieben Prozent ist der chinesische Aktienhandel in Shanghai und Shenzhen am Montag ausgesetzt worden. Dies meldete die Staatsagentur Xinhua.

Warum uns das interessieren muss?

Was erstmal nur nach einer trockenen Meldung klingt, um die sich nur Spezialisten kümmern, hat bei näherem Hinsehen aber auch Folgen für uns. Denn die deutsche Wirtschaft, vor allem die Maschinen- und Autobauer, die Millionen Menschen beschäftigen, ist in hohem Maße abhängig von den Exporten nach China. Geht es der Wirtschaft in China also schlecht, leiden auch wir.

Hier ein paar Zahlen, die das verdeutlichen:

China ist wichtigster Wirtschaftspartner in Asien und ein gewaltiger Absatzmarkt für Waren „Made in Germany“. Deutsche Unternehmen haben im Jahr 2015 Waren im Wert von rund 75 Milliarden Euro nach China exportiert. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei, der Industrie-Motor im Reich der Mitte stottert hörbar. Und das hat Folgen: Denn wenn chinesische Verbraucher weniger im Portemonnaie haben, kaufen sie weniger deutsche Autos.

Ein etwas komplizierter Effekt: China hat in der Vergangenheit massiv auch deutsche Staatsanleihen gekauft. Das senkt unter anderem auch die Zinsen für deutsche Verbraucher bei den Banken.

Und die Aussichten für die Wirtschaft im Reich der Mitte sind auch aus einem anderen Grund alles andere als gut. Die dortige Immobilienblase droht bald zu platzen: Der Häuserboom der vergangenen Jahre hatte in dem asiatischen Land bereits 2014 ein vorläufiges Ende erreicht: Es besteht die Gefahr eines massiven wirtschaftlichen Abschwungs.

Und das ist die Erklärung, warum es an den Börsen bergab geht:

Hintergrund des miserablen Starts ins neue Börsenjahr waren schlechte Daten des produzierenden Gewerbes in China - und die Furcht vor steigenden Ölpreisen wegen der neuen Spannungen im Nahen Osten.

Der Kursrutsch hat auch dem deutschen Aktienmarkt den Start in das neue Jahr vermiest. Der deutsche Leitindex Dax fiel binnen der ersten Handelsminuten um 3,33 Prozent auf 10.385,19 Punkte.

Auch der japanische Nikkei-Index fiel am ersten Handelstag 2016 um mehr als drei Prozent. Der Hang Seng in Hongkong verlor in derselben Größenordnung. Doch besonders deutlich war der Absturz des Shanghai Composite Index, der um 6,9 Prozent auf 3296,66 Punkte sank. Es war der niedrigste Stand seit fast drei Monaten.

Daraufhin griff erstmals der neue chinesische Automatismus zur Unterbrechung des Handels. Dieser soll nach starken Kursschwankungen mit einer Pause zur Beruhigung der Märkte beitragen. Zuvor waren in China schwache Industriezahlen publik geworden. Der Caixin-Markit-Index, der sich auf eine Umfrage von Einkaufsmanagern der Industrie stürzt, ging von 48,6 im November auf 48,2 im Dezember zurück.

Es war der zehnte monatliche Rückgang in Folge. Experten schlossen daraus eine schwache Entwicklung der chinesischen Wirtschaft, was auch auf schlechte Aussichten der asiatischen Exporteure hindeutet.

Die am Wochenende eskalierten Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran trugen ebenfalls zur Nervosität bei. Riad hatte am Sonntagabend die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen. Hintergrund ist der Streit über die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitisch geprägten Saudi-Arabien, die im schiitisch geführten Iran zu wütenden Protesten führte.

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Ökonomen befürchten, dass der Konflikt der beiden Öl-Exportländer die Versorgung beeinträchtigen und die Preise in die Höhe treiben könnte, wie der Marktbeobachter Ric Spooner von CMC Markets erklärte. Der Ölpreis zog am Montag bereits an. Die im internationalen Handel prägende Marke Brent wurde um 40 Cent teurer. Das Barrel kostete in London 37,68 Dollar.

mit Material von AP

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