POLITIK
03/01/2016 22:40 CET | Aktualisiert 04/01/2016 04:09 CET

6 Dinge, die ihr über den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran wissen müsst

Saudi-Arabien bricht seine diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern könnte Auswirkungen haben, die weit über den Nahen Osten hinausreichen. Denn beide Länder sind der Schlüssel zu einem Sieg über den IS in Syrien und dem Irak. Doch eine Annäherung zwischen den Kontrahenten scheint nun ausgeschlossen.

Hier 6 Dinge, die ihr über den Konflikt wissen müsst.

1. Was genau ist passiert?

Saudi-Arabien hat nach einem Streit um die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen seine diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Das kündigte Außenminister Adel al-Dschubair am Sonntagabend nach Angaben der saudischen Nachrichtenagentur SPA in Riad an. Das Königreich habe das Botschaftspersonal aus Teheran abgezogen.

Saudi-Arabien habe zudem die diplomatische Mission des Iran aufgefordert, das Königreich innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet."

2. Warum hat Saudi-Arabien diesen Schritt getan?

Saudi-Arabien hatte am Samstag 47 Menschen wegen Terrorismusvorwürfen - nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die größte Hinrichtung im Königreich seit 1980 - exekutiert. Dies verschärfte die Spannungen zwischen beiden Staaten massiv. Denn unter den Hingerichteten waren auch vier Schiiten – darunter der hohe Geistliche Nimr al-Nimr, der im Iran hohes Ansehen genoss.

Nach der Hinrichtung Al-Nimrs flammten Proteste unter Schiiten in anderen Ländern auf. Im Irak gingen in der Provinz Al-Wasit Hunderte auf die Straße und forderten die Schließung der saudischen Botschaft in Bagdad. Auch in Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs demonstrierten insgesamt Tausende gegen die Hinrichtung des 55-jährigen Geistlichen.

Im schiitischen Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, eskalierten die Proteste. Die saudischen Führer würden "die Rache Gottes spüren", drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei.

In der Nacht zum Sonntag dann stürmten iranische Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran, setzten Teile des Gebäudes in Brand und verwüsteten Büros. Die Feuerwehr löschte, die Polizei räumte das Gebäude.

Trotz weiträumiger Absperrungen versuchten in Teheran auch am Sonntag Hunderte Demonstranten zur saudischen Botschaft vorzudringen. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei und Rufe nach dem "Tod der saudischen Königsfamilie". Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte den nächtlichen Sturm auf die Auslandsvertretung.

Saudi-Arabien unterstellte dem Iran daraufhin, den Angriff auf die Botschaft organisiert oder zumindest nicht verhindert zu haben. Der Vorfall sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte Außenminister Adel al-Dschubair am Sonntagabend. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Saudi-Arabien wird seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen", kündigte al-Dschubair an.

3. Wer war Nimr al-Nimr?

Al-Nimr war der einer der wichtigsten Repräsentanten der marginalisierten schiitischen Minderheit im Königreich. Der 57-Jährige plädierte für eine Abspaltung der ölreichen Gebiete im Osten des Landes, falls die Saudis den Schiiten nicht mehr Rechte einräumen würden. Dadurch wurde er im Iran zu einer bekannten Figur. Für das Herrscherhaus der al-Saud dagegen wurde er zu einer Bedrohung.

4. Wie reagierte der Iran auf den Abbruch der Kontakte?

Der Iran bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als "voreilig". "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht", sagte Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian am Sonntag. Riad könne aber mit dieser Initiative nicht von der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr ablenken, so der Vizeminister nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim.

5. Warum ist das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und dem Iran so schwierig?

Die beiden Staaten kämpfen um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Dabei sind sie in Stellvertreterkriege zwischen sunnitischen und schiitischen Gruppen in der Region verwickelt. Das sunnitische Saudi-Arabien zum Beispiel unterstützt sunnitische Milizen in Syrien. Der Iran dagegen versorgt die schiitische Hisbollah und das Regime von Baschar al-Assad. Im Jemen kämpft Saudi-Arabien gegen die schiiischen Huthi-Rebellen, die wiederum vom Iran unterstützt werden.

In diesem kalten Krieg musste Saudi-Arabien einige herbe Rückschläge einstecken. So war das Atomabkommen mit dem Iran im Juli 2015 ein schwerer Schlag, weil es das Ende der Sanktionen gegen den Iran bedeutet. Jetzt kann der Iran seine Verbündeten in der Region wieder mit Gewinnen aus dem Ölgeschäft stärken.

Gleichzeitig konnte der Iran durch seinen Kampf gegen den IS in Syrien und dem Irak seinen politischen Einfluss in der Region stark ausweiten. Zudem dürfte die Rückkehr des Landes auf den Weltmarkt den ohnehin niedrigen Ölpreis drücken. Schon jetzt liegt der mit 40 Dollar pro Fass zu niedrig, um den saudischen Staatshaushalt zu finanzieren.

Die saudische Innen- und Außenpolitik wurde in dieser Situation zunehmend aggressiver. König Salman, der seit knapp einem Jahr an der Macht ist, verfolgte eine aggressive und ultrakonservative Politik.

6. Welche Konsequenzen könnte dies für die Friedensverhandlungen in Syrien haben?

Die beiden Länder spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Mit Material der DPA

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