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02/01/2016 03:36 CET | Aktualisiert 02/01/2016 07:19 CET

Terroralarm in München: 12 Dinge sind bereits bekannt - und 4 entscheidende Fragen sind noch offen

dpa

Die Nachricht erwischte die Münchner mitten in den Feierlichkeiten: Die Polizei, so wurde bekannt, gehe davon aus, dass für die Silvesternacht in der bayerischen Landeshauptstadt ein Terroranschlag geplant sei und forderte die Bürger dazu auf, Menschenansammlungen und Bahnhöfe zu meiden.

Verunsicherung machte sich breit - auf einmal war der islamistische Terror erstmals auch in München bedrohlich nahe.

Auch wenn die Münchner am Neujahrsmorgen aufwachen und feststellen durften, dass die Stadt dann doch verschont geblieben war - die Unsicherheit bleibt. Auch, weil es jetzt, am zweiten Tag nach der Terrorwarnung noch so viele ungeklärte Fragen gibt.

Was wir über die Anschlagspläne wissen und was nicht - ein Überblick:

Was wir wissen:

1. Der Hinweis ging am Donnerstag gegen 19.40 Uhr ein. Die Sicherheitsbehörden erhielten vom Bundeskriminalamt zu diesem Zeitpunkt einen Hinweis vom Bundeskriminalamt (BKA). Gegen Mitternacht sei ein Anschlag in der bayerischen Landeshauptstadt geplant, hieß es in dem Hinweis.

2. Die Anschläge waren offenbar für den Hauptbahnhof und/oder den Pasinger Bahnhof geplant. Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) planten Selbstmordanschläge für einen oder beide der Bahnhöfe, hieß es in der Warnung. Sowohl der Hauptbahnhof als auch der Bahnhof in Pasing sind wichtige Verkehrsknotenpunkte in der Stadt. Auch in Pasing halten Schnellzüge, zudem verlaufen dort mehrere S-Bahn-Linien.

3. Die Polizei handelte rasch. Beide Bahnhöfe wurden geräumt. 550 Polizisten waren im Einsatz, darunter Spezialkräfte des Unterstützungskommandos USK.

4. Die konkrete Warnung kam vom französischen Geheimdienst. Der gab die Information, dass für die Zeit um Mitternacht ein Anschlag in München geplant sei. am 31. Dezember an die deutschen Kollegen weiter.

5. Der erste Hinweis der Franzosen ging schon am 23. Dezember ein. Laut “Süddeutscher Zeitung”, WDR und NDR erhielt das BKA bereits spätestens am Tag vor Heilig Abend von den französischen Kollegen erste Informationen über Anschlagspläne für die beiden Bahnhöfe. Ein genauer Zeitpunkt sowie Details zu den Verdächtigen waren da noch nicht bekannt. Das BKA hielt die Terrorwarnung zunächst für unwahrscheinlich.

6. Es soll sich um fünf bis sieben potenzielle Attentäter handeln. Laut jetzigem Stand sollen sie aus Syrien und dem Irak stammen. Unter ihnen sollen Selbstmordattentäter und Helfer gewesen sein. Bei einer Pressekonferenz in der Silvesternacht teilte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä mit, von etwa der Hälfte der Verdächtigen seien die Personalien übermittelt worden.

7. Das Anschlagsszenario soll dem von Paris geähnelt haben. Laut Sicherheitskreisen planten die Attentäter einen ähnlichen Ablauf wie bei dem Attentat Mitte November in der französischen Hauptstadt, bei dem die Terroristen an mehreren Orten gleichzeitig zuschlugen.

8. Offenbar waren zwei Anschläge geplant: erst ein kleiner, dann ein großer. Wie “Spiegel Online” aus Sicherheitskreisen erfuhr, sollte zunächst ein kleiner Anschlag verübt werden. Nach dem Eintreffen der Rettungskräfte war offenbar ein weiteres, größeres Attentat geplant.

9. Offenbar wollten sich die Männer jeweils zu zweit zusammentun. Laut Informationen des BR war geplant, dass sich die potentiellen Attentäter zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich nacheinander in die Luft zu sprengen.

10. Im Irak verlaufen viele Anschläge nach diesem Muster. Wie “Spiegel Online” berichtet, kennen Sicherheitsexperten ein solches Vorgehen vor allem aus Krisengebieten wie dem Irak.

11. Es gab noch keine Festnahmen. Die Polizei fahndet weiterhin nach den möglichen Attentätern. Ab dem heutigen Samstag wird die Polizei auch Hinweise aus der Bevölkerung auswerten.

12. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will Schlussfolgerungen aus dem Terror-Alarm von München ziehen. “Auch im neuen Jahr bleibt die Lage sehr ernst“, sagte de Maizière der “Bild”-Zeitung am Samstag. "In Zukunft wird es noch intensiver als bisher darauf ankommen, dass wir mit den Sicherheitsbehörden anderer Staaten eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen.” Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder äußerte sich in diese Richtung. "Wir brauchen gut ausgestattete Nachrichtendienste, die die Informationen über Anschlagsplanungen zusammentragen und bewerten“, sagte Kauder der “Bild”.

Was wir nicht wissen:

1. Gibt es die genannten potentiellen Attentäter überhaupt? Münchens Polizeipräsident Andrä betonte in der Pressekonferenz, die Identität sei noch nicht geklärt. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass die fünf bis sieben Männer aus dem Irak und aus Syrien existierten.

2. Halten sich die Verdächtigen tatsächlich in München auf? Auch dazu haben die Behörden noch keine Informationen. Es ist noch nicht einmal bewiesen, dass sich die potentiellen Attentäter in Deutschland aufhalten. Keiner der genannten Verdächtigen sei bisher ausgespürt worden, sagte Andrä.

3. Wie sollten die Anschläge ausgeführt werden? Zu dieser Frage ist bisher sehr wenig bekannt. Es sei nicht bekannt, ob die möglichen Attentäter sich alle selbst beteiligen wollten oder ob auch bloße Helfer unter ihnen gewesen seien, sagte Bayerns Innenminister Herrmann, ebenfalls auf der Pressekonferenz in der Silvesternacht.

4. Gehörten die potentiellen Attentäter dem IS an? Laut Herrmann gab es Hinweise vom BKA, dass die Verdächtigen im Auftrag oder aus Sympathie zum Islamischen Staat handeln wollten. Bestätigt hat sich das aber noch nicht.

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