POLITIK
31/12/2015 22:12 CET | Aktualisiert 01/01/2016 10:43 CET

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Münchner Terror-Warnung

Ein Terror-Alarm hielt in der Silvesternacht München in Atem. Die Polizei hatte kurz vor dem Jahreswechsel eine Anschlagswarnung für die bayerische Landeshauptstadt herausgegeben. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Terror-Warnung im Überblick:

1. Was ist passiert?

Die Polizei hatte einen Hinweis auf einen geplanten Terroranschlag in München erhalten. Die Hinweise galten für den Hauptbahnhof und den Bahnhof Pasing. "Die Bedrohung hat sich ganz konkret auf Mitternacht bezogen und auf diese beiden Orte", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in der Nacht.

2. Was ist über die angeblichen Anschlagspläne bekannt?

Der Terroranschlag in München sollte laut dem Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä als Selbstmordanschlag verübt werden. Dahinter vermutete man 5 bis 7 mutmaßliche Täter mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat, ließ Innenminister Herrmann wissen.

Der Bayerische Rundfunk berichtete, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um sieben Iraker handeln könnte. Sie hätten sich bereits in München aufgehalten. Ihre Identität sei der Polizei bekannt. Nach Geheimdienst-Informationen sollen sie geplant haben, sich in Paaren an die Anschlagsorte begeben, um sich zusammen in die Luft zu sprengen.

terror muenchen

Schwerbewaffnete Polizisten riegeln den Bahnhof in München ab

3. Wie reagierte die Polizei?

Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing wurden geräumt. Außerdem wurden 550 Polizeikräfte in den Einsatz geschickt. Am Hautbahnhof bezogen schwer bewaffnete Sonderheiten mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Stellung. Die Polizei schrieb auf Twitter, dass auch Spezialeinheiten im Einsatz seien. Auch das umliegende Gelände des Hauptbahnhofs wurde geräumt. Polizeistreifen und Fahndungen hätten bisher aber zu keinen Verdächtigen oder weiteren Hinweisen geführt.

Am frühen Morgen wurde der Zugverkehr wieder freigegeben. Am Hauptbahnhof im Stadtzentrum sowie am Bahnhof im Stadtteil Pasing könnten Züge wieder planmäßig fahren und halten, sagte eine Sprecherin. Die Beamten würden aber vereinzelt Menschen kontrollieren.

innenminister herrmann

Bayerns Innenminster Herrmann während einer Pressekonferenz in der Nacht

4. Woher kam der Hinweis auf den Anschlag?

Der Hinweis kam laut Herrmann gegen 19.40 Uhr vom Bundeskriminalamt - nachdem dieses von einem befreundeten Nachrichtendienst die "dringende Warnung" vor einem Anschlag in München um Mitternacht erhalten habe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Warnung sei vom französischen Geheimdienst gekommen.

Der Hinweis habe eine konkrete Uhrzeit, einen konkreten Ort und eine klare Benennung von Tätern aus dem Bereich des sogenannten Islamischen Staates (IS) beinhaltet. Der BR berichtete am Freitagmorgen, dass eine erste Warnung über den drohenden Terroranschlag schon am Mittag eingegangen sei - bereits vor der späteren Warnung durch den französischen Geheimdienst am frühen Abend.

Die Informationen seien zwar nicht hundertprozentig belastbar gewesen, aber so ernstzunehmend, dass sie nicht ignoriert werden konnten. Die Hinweise sollen laut einem Bericht der "Tagesschau" aus Frankreich gekommen sein. Andrä bestätigte dies in der Nacht gegenüber "Bild online". Der Sender BR24 berichtet, dass es schon am Mittag eine Warnung eines amerikanischen Geheimdienstes gegeben habe.

"Das Bundeskriminalamt und die bayerische Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, dass das nicht einfach ignoriert werden kann", sagte Hermann. Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar gewesen mit der in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war. Auf einer Pressekonferenz am Freitagmittag rechtfertigte er das Vorgehen der Münchner Sicherheitskräfte: "Bisher hat von uns niemand die mutmaßlichen Attentäter gesehen oder gehört. Aber die Franzosen saugen sich diese Informationen nicht aus den Fingern."

Wir haben die generelle Linie, dass wir uns nicht von Terroristen unser Leben diktieren lassen wollen

5. Wie sollen die Münchner sich jetzt verhalten?

Die Polizei forderte die Münchner in der Nacht auf, dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Pasing fernzubleiben. Außerdem sollten sie Menschenansammlungen meiden. Die Situation in München hat sich in der Nacht jedoch aus Sicht von Polizeipräsident Andrä etwas beruhigt. Die Behörden sähen die Lage entspannter an, als es vor Mitternacht der Fall war, sagte Andrä in der Nacht zum Freitag. Innenminister Herrmann sagte: "Wir haben die generelle Linie, dass wir uns nicht von Terroristen unser Leben diktieren lassen wollen."

Am frühen Freitagmorgen bedankte sich die Polizei auf Twitter bei den Münchner Nachtschwärmern, die Ruhe bewahrt und Verständnis gezeigt hätten. Die Münchner Polizei blieb am frühen Morgen allerdings weiterhin in erhöhter Alarmbereitschaft, teilte eine Sprecherin am Freitagmorgen mit. Die erhöhte Terrorgefahr wurde am Vormittag von Polizeipräsident Andrä aufgehoben.

6. Was wissen wir noch NICHT?

Bisher lässt sich noch nicht mit Gewissheit sagen, ob tatsächlich Attentäter Anschläge in München geplant haben. Herrmann sagte, die Hinweise des "befreundeten Nachrichtendienstes" seien nicht hundertprozentig belastbar gewesen.

Verwirrend ist, dass in Berichten des BR zwar sehr konkret von sieben Irakern gesprochen wurde, deren Identität der Polizei bekannt sei - trotzdem sagte diese, dass es keine Festnahmen gegeben habe. Herrmann sagte, dass es unklar sei, ob die Verdächtigen selbst die Tat verübt hätten oder nur Helfer gewesen wären. Am Freitagvormittag ließ die Polizei vermelden, dass die mutmaßlichen Verdächtigen bislang nicht ausfindig gemacht werden konnten. Außerdem sei man sich nicht sicher, ob sie sich überhaupt in München aufhalten würden - oder ob sie überhaupt existierten.

Mit Material der DPA

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