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31/12/2015 05:04 CET

Missbrauchs-Vorwurf: Staatsanwaltschaft klagt Bill Cosby an

AP

Nach zahlreichen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs ist gegen US-Entertainer Bill Cosby erstmals angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft warf dem 78-Jährigen am Mittwoch vor, Anfang 2004 eine Frau in seinem Haus gedrängt zu haben, Tabletten zu nehmen und Wein zu trinken, so dass sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich seiner Zudringlichkeiten zu erwehren.

Danach habe er sich an ihr vergangen. Im Falle einer Verurteilung drohen Cosby fünf bis zehn Jahre Gefängnis und eine Strafe von 25.000 Dollar. Seine Anwältin Monique Pressley wies die Anschuldigung als ungerechtfertigt zurück.

Cosby erschien zur Verlesung der Anklage in Begleitung seiner Anwälte im Gericht in Elkins Park bei Philadelphia. Er trug eine graue Kapuzenjacke, ging am Stock und antwortete nicht auf Zurufe von Journalisten.

Sie spürt, dass sie ihr glauben

Er stimmte zu, mit der Klägerin nicht in Kontakt zu treten. Zur Anklage selbst äußerte er sich nicht. Gegen Hinterlegung einer Kaution von einer Million Dollar (915 000 Euro) kam er auf freien Fuß. Sein nächster Gerichtstermin wurde auf den 14. Januar festgelegt.

Mit der Anklageerhebung revidierte Staatsanwalt Kevin Steele eine frühere Entscheidung seiner Behörde, die sich 2005 geweigert hatte, Strafanklage gegen Cosby zu erheben. Die Frau hatte der Polizei berichtet, Cosby habe sie in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sich dann an ihr vergangen. Cosby hat unter Eid eingeräumt, mit der Frau geschlafen zu haben.

Dies sei jedoch mit ihrem Einverständnis geschehen. Die heute 42-Jährige hatte den Entertainer damals in seinem Haus aufgesucht, um Karrieretipps zu bekommen.

Die Frau ging schließlich mit einem Zivilrechtsprozess gegen Cosby vor. 2006 einigten sich beide vertraulich, ohne dass es zu einem Urteil kam. Unterlagen aus diesem Verfahren wurden auch auf Druck der Nachrichtenagentur AP in diesem Sommer freigegeben. Auch andere Frauen erhoben ähnliche Vorwürfe gegen Cosby.

Aus den Akten geht unter anderem hervor, dass Cosby sich sogenannte Quaaludes besorgte - ein Mittel, das betäubend wirkt, gleichzeitig die Hemmschwelle senkt und so die Lust steigert. Cosby sagte damals, er habe sie Frauen geben wollen, aber nicht ohne deren Wissen.

Nach der Veröffentlichung griffen die Staatsanwälte den Fall der Universitätsangestellten noch einmal auf. Steele sagte, wenn die heute vorliegenden Fakten bereits 2005 bekannt gewesen wären, wäre Cosby wohl schon damals vor Gericht gestellt worden. Die Entscheidung, Cosby anzuklagen, fiel jetzt wenige Tage vor Ablauf einer Verjährungsfrist.

Trotz ähnlicher Missbrauchsvorwürfe war Cosby bislang aber noch nie angeklagt worden. Steele rief mögliche andere Opfer auf, gegen den Entertainer vorzugehen.

Die Anwältin der ehemaligen Universitätsmitarbeiterin sagte, ihre Mandantin sei bereit, Cosby in einem Prozess gegenüberzutreten. "Sie spürt, dass sie ihr glauben", sagte die Juristin. Cosbys Anwältin Pressley erklärte jedoch: "Machen Sie sich keine Illusionen. Wir werden uns energisch gegen diesen haltlosen Vorwurf zur Wehr setzen und erwarten, dass Herr Cosby von einem Gericht entlastet wird."

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