NACHRICHTEN
31/12/2015 06:04 CET | Aktualisiert 31/12/2015 12:07 CET

Das waren die wichtigsten HuffPost-Nachrichten des Jahres

dpa
Was hat uns 2015 bewegt?

Krisen, Kriege, Katastrophen - ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Ereignisse wie die Terroranschläge von Paris, die humanitäre Katastrophe auf dem Mittelmeer und die Griechenlandkrise haben nicht nur Gesellschaft und Politik geändert.

Auch für die Huffington-Post-Redaktionen, die mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt sind, war es ein spannendes, trauriges, berührendes Jahr.

Hier seht ihr die wichtigsten Nachrichten aus den jeweiligen HuffPost-Newsrooms:

Frankreich

bataclan

In Frankreich waren die wichtigsten Nachrichten natürlich die beiden Terroranschläge, die im Januar und November den Jahresanfang und –abschluss bildeten. Der erste Anschlag richtete sich gegen die Meinungsfreiheit und gegen französische Juden, der zweite Anschlag war ein Angriff auf unsere Lebensweise.

Beide Anschläge wurden von in Frankreich geborenen Terroristen verübt. Das ganze Land wurde dadurch in Aufruhr versetzt, die politische Debatte geriet komplett aus den Fugen. In Frankreich ist nichts mehr so wie es war.

Japan

kenji goto

Bei der HuffPost Japan war die wichtigste Nachricht dieses Jahres die Hinrichtung zweier japanischer Geiseln durch den IS im Januar. Eine der Geiseln war der japanische Journalist Kenji Goto. Die Nachricht über die Enthauptung von Kenji Goto erschütterte Japan und versetzte das Land in tiefe Trauer, da Japan Nachkriegspazifismus gewöhnt ist und die Geiselkrise das Land unvorbereitet traf.

In diesem Moment wurde vielen Japanern, vor allem denen, die in anderen Ländern leben, zum ersten Mal bewusst, dass auch japanische Staatsbürger jederzeit dem IS zum Opfer fallen können.

Südkorea

middle east respiratory syndrome

Im Mai wurde der Ausbruch von MERS (Middle East Respiratory Syndrome) von einem Patienten, der zuvor im Nahen Osten herumgereist war, ausgelöst. Es war ein gänzlich unerwartetes Ereignis in der Geschichte Südkoreas.

Insgesamt gab es 186 Infizierte, 38 davon starben. Dieser Ausbruch legte im Sommer praktisch das ganze Land lahm. Die Regierung wurde von der Öffentlichkeit für ihre Versäumnisse im Umgang mit Krankheiten und bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit kritisiert.

Die Regierung hielt die Namen der Krankenhäuser, welche die Infizierten aufgesucht hatten, geheim, wodurch über soziale Medien ein gesellschaftliches Chaos ausbrach. Gerüchte wurden verbreitet und dies steigerte die Panik in der Bevölkerung. Der Ausbruch von MERS wird der Regierung als weiteres Versagen nach dem „Sewol“-Fährunglück zugeschrieben.

USA

donald trump

Die wichtigste Nachricht in den USA war 2015 der schockierende Aufstieg von Donald Trump und auf welche Weise er Amerika genau zu dem Zeitpunkt repräsentiert, an dem das Land versucht, ein Teil der Welt zu werden, anstatt sie fast komplett zu kontrollieren.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs denken die Amerikaner, dass sie und ihre Kultur weltweit am wichtigsten und mächtigsten sind. Doch durch den Wandel der wirtschaftlichen und demografischen globalen Verhältnisse -- von den Billionen Dollar, die für die unnötigen Kriege, vom Vietnam-Krieg bis hin zum Irak-Krieg, ausgegeben wurden, fühlen die Wähler des Landes sich verletzlich und sind besorgt.

Die folgenden drei Bereiche geben ihnen Anlass zur Sorge: Wirtschaft, Kultur und Sicherheit. Auf wirtschaftlicher Ebene fürchten Mittelschicht-Wähler, dass China und andere asiatische Länder für Stellenabbaus im Industriesektor sorgen könnten und dass durch billige, zumeist aus Lateinamerika stammende Arbeitskräfte die Gehälter sinken könnten.

Überzeugungen von den Massenmedien, Elite-Universitäten und Regierungsvertretern angegriffen werden, da diese sich zu sehr mit den „politisch korrekten“ Rechten der „Minderheiten“ auseinandersetzen. Außerdem sorgen sich die amerikanischen Wähler seit dem 11. September 2001 und aktuell seit dem Amoklauf in San Bernardino Angst um ihre Sicherheit.

Sie machen zum einen die lockeren Sicherheitsbestimmungen der Regierung dafür verantwortlich, vielmehr jedoch die islamistische Dschihad-Bewegung anderer Länder, die sich jetzt auch mitten unter ihnen befindet.

Trump, der das politische Parkett vor ein paar Jahren mit der Frage betrat, ob Barack Obama überhaupt amerikanischer Staatsbürger und Christ sei, wurde im Frühjahr diesen Jahres zuerst als polternder Neuling abgetan, der bald wieder verschwunden sein würde.

Doch Trump wurde zum Meister der Selbstvermarktung, was man im politischen Sinne auch als „Demagogen“ bezeichnen könnte.

Als New Yorker Geschäftsmann ist er abgebrüht genug, um bei Medienvertretern und Parteivorsitzenden kein Blatt vor den Mund zu nehmen und mit fast jeder Angst zu spielen - und genau dadurch wurde er zum Vertreter der besorgten Mittelklasse und zum Spitzenkandidat bei der Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Er verbindet Furchtappelle mit seinem Auftreten als durchsetzungskräftiger starker Mann und einer Reihe von leichtfertig dahingesagten Pauschalaussagen, die entweder nicht umsetzbar, nicht rechtens oder beides sind: er will eine „Mauer“ errichten, um die Mexikaner fernzuhalten; bei China, Japan und Korea „andere Seiten aufziehen“ (obwohl die USA bei diesen Ländern mit mehreren Billionen Dollar verschuldet sind!).

Kürzlich äußerte er den äußerst umstrittenen Vorschlag, sämtlichen Muslimen der ganzen Welt die Einreise in die USA „komplett zu verbieten“, sogar als Touristen. Dieser Vorschlag war so weitreichend und ungeheuerlich, dass sogar der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney ihn öffentlich kritisierte. Weitere führende Persönlichkeiten aus dem Bereich Politik und Medien schlossen sich in Amerika und auch weltweit dieser Kritik an - angefangen mit David Cameron im Vereinigten Königreich.

Doch Trump scheint sich nicht unterkriegen zu lassen und nach den Umfragewerten zum Jahresende liegt er noch immer vorne - zudem würde der Großteil seiner Anhänger ihn auch dann unterstützen wenn er als unabhängiger Drittparteienkandidat zur Wahl antreten würde.

Unterdessen treten die meisten anderen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei zwar vorsichtiger auf, doch sie verfolgen oftmals ähnlich empörende anti-muslimische Ziele wie Trump. Sie kleiden ihre Aussagen lediglich in schönere Worte als Trump. Die Nachricht des Jahres 2016 wird sich also wohl um den zweiten Teil der Saga handeln, die Donald Trump erschaffen hat. Wie geht Amerika mit ihm um?

Großbritannien

jeremy corbyn

Die wichtigste Nachricht der HuffPost UK drehte sich in diesem Jahr um einen wenig bekannten Hinterbänkler, der mehr als 30 Jahre in seinem Wahlkreis vor sich hindümpelte, bevor er plötzlich in das Amt des Oppositionsführers katapultiert wurde, obwohl er erst als völliger Außenseiter galt.

Der Aufstieg von Jeremy Corbyn, der zu so ziemlich allen Themen, seien es Waffen oder die Monarchie, eine umstrittene linkspolitische Sichtweise hat, ist nicht nur eine rein politische Geschichte – sie hält auch die Presse in Atem, die größtenteils Sturm gegen ihn läuft. In den sozialen Medien, die bei seinem Aufstieg eine wichtige Rolle spielten, werden bissige Kommentare zwischen seinen Befürworten und Kritikern ausgetauscht.

Wir haben regelmäßig über den neuen Kopf der Labour Party berichtet – dies sind die wichtigsten Nachrichten des Jahres dazu:

Deutschland:

pegida

Deutschland hat sich in diesem Jahr verändert: Nachdem das Land zwei Jahre lang wirtschaftlich sehr erfolgreich war, ist die deutsche Öffentlichkeit momentan zutiefst gespalten: Die eine Hälfte steht hinter Merkels Aussage: „Wir schaffen das“, wir können eine Million Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sind, integrieren.

Doch der andere Teil der Bevölkerung ist zutiefst verunsichert. Verunsichert wegen der steigenden Zahl an Flüchtlingen und vielmehr noch wegen der Angst, die eigene Identität zu verlieren. Bewegungen wie Pegida und Parteien wie die AfD gewinnen zunehmend an Einfluss und es werden fast jede Woche Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt – die politische Lage verändert sich.

Die neuen rechtsextremen Bewegungen üben Kritik an der Regierung, den traditionellen Medien und an vielen liberalen Vorstellungen des Landes. Im nächsten Jahr finden in mehreren Bundesländern wichtige Landtagswahlen statt. Dann wird sich zeigen, ob die rechten Parteien stärker geworden sind – und wie sehr sich unser Land wirklich verändert hat. Bisher ist kaum mehr etwas so wie zu Beginn des Jahres.

Spanien

podemos

In Spanien war dieses Jahr aus politischer Sicht sehr spannend, da am 20. Dezember die Parlamentswahlen stattfanden. Die spanische Volkspartei (PP) um den Ministerpräsidenten Rajoy wurde zwar erneut stärkste Kraft, büßte aber etwa ein Drittel ihrer Sitze ein. Rajoy verlor seine absolute Mehrheit und muss sich einen Koalitionspartner suchen. Seine Partei sieht sich mittlerweile nicht mehr nur mit der traditionellen Opposition, der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) konfrontiert.

Zwei ganz neue Parteien forderten die alten Parteien heraus. Eine davon ist Podemos (Wir schaffen es), ein Linksbündnis, das von einem jungen, charismatischem Professor mit Pferdeschwanz angeführt wird: Pablo Iglesias.

Bei der anderen Partei handelt es sich um Ciudadanos (Staatsbürger), eine liberale Partei, an deren Spitze Albert Rivera, ein ebenso junger und dynamischer Mann aus Katalonien, steht. So kommt es jetzt, dass im Parlament vier starke Fraktionen sitzen, die miteinander um die Macht ringen.

Obwohl die Wirtschaft in gutem Tempo wächst (3%), waren viele Wähler in Spanien wegen der hohen Arbeitslosenquote (21%), politischer Korruption und wegen der Sparmaßnahmen beunruhigt. Auch der Aufstieg der Sezessionsbewegung im Nordosten Kataloniens spaltete den öffentlichen Diskurs.

Italien

terror paris

Titel: Jetzt ist Europa der gefährlichste Ort des Westens. Wir müssen mit allem rechnen

Warum: Lucia Annunziata, Editorial Director bei der HuffPost Italien, schrieb diesen Artikel als Reaktion auf die Anschläge in Paris. In diesem Artikel wird erläutert, warum der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat und warum auch Europa ein Schauplatz davon ist. Die Alte Welt ist wieder der gefährlichste Ort des Westens.

Griechenland

tsipras

Es wird mehr gewählt als regiert: Syrizas Machtübernahme als Resultat der Wahlen im Januar, das Wiederaufleben der Schuldenkrise und das Referendum, das Panik und die Auferlegung von Kapitalverkehrskontrollen zur Folge hatte, zählten zu den wichtigsten Stationen der andauernden griechischen Krise.

Das wichtigste Ereignis war jedoch, dass Alexis Tsipras, der Kopf der Radikalen Linken Griechenlands, der sich für ein Referendum gegen die Sparmaßnahmen eingesetzt hatte, die zweiten vorgezogenen Neuwahlen im September gewann und im Anschluss weitere Sparmaßnahmen einführte. 2015 war ein extremes und ereignisreiches politisches Jahr für Griechenland und die Folgen dieser Ereignisse sind noch immer nicht ganz klar geworden.

Australien

tony abbott

In Australien war die Nachricht des Jahres 2015 die plötzliche und sorgfältig durchgeführte Amtsenthebung des Premierministers Tony Abbott noch während seiner ersten Amtsperiode. Der vorher unbeliebte Malcom Turnbull hatte in Vorbereitung einer Parteirevolte im September das ganze Jahr über in der national-liberalen Koalition um Unterstützung geworben.

Die politische Anfangseuphorie, die Turnbull genoss, lässt gegen Ende des Jahres allmählich nach und Tony Abbott treibt sich noch immer im Parlament herum, überzeugt davon, dass er eines Tages ein Comeback hinlegen wird.

Brasilien

dilma rousseff

Die wichtigste Nachricht dieses Jahres ist die politische und wirtschaftliche Krise unseres Landes. Mehr als 60% der Brasilianer lehnen Präsidentin Dilma Rousseff bereits im ersten Jahr ihrer zweiten Amtsperiode ab. Der Hauptgrund dafür: Sie log bei ihrem Wahlkampf im letzten Jahr, da sie behauptete, dass unsere wirtschaftliche Lage hervorragend sei.

Nach ihrer Wahl kam die Wahrheit ans Licht. Die Zinssätze, die Inflation und die Energiepreise stiegen. In diesem Jahr ist auch die Arbeitslosenquote gestiegen. Aus diesem Grund gab es 4 große Demonstrationen, bei denen die Amtsenthebung Dilmas gefordert wurde. Neben der Krise um Dilmas spitzt sich außerdem ein Korruptionsskandal, in den weitere bedeutende Politiker verwickelt sind, weiter zu.

Eduardo Cunha, dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer, wird Korruption und Geldwäsche vorgeworfen. Er ist einer der wichtigsten Kontrahenten Dilmas, was die politische Lage in Brasilien ins Chaos stürzt.

Kanada

kurdi

In Kanada ist die wichtigste Nachricht des Jahres der Tod von Alan Kurdi. Der Dreijährige starb an einem türkischen Strand. Der syrische Junge und seine Familie hatten in Kanada Asyl beantragt, doch es wurde abgelehnt. Dies war ein großes Thema beim Wahlkampf. Letztendlich haben wir eine neue Regierung gewählt, die beschlossen hat, 25.000 Flüchtlinge in Kanada aufzunehmen

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