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30/12/2015 08:51 CET | Aktualisiert 30/12/2016 06:12 CET

Promis für Flüchtlinge - So engagierten sich die Stars 2015

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Til Schweiger machte sich 2015 für Flüchtlinge stark.

Wenn man in die Runde fragt, welcher Promi spontan mit dem Thema Flüchtlinge assoziiert wird, werden ein Großteil der Leute antworten: Til Schweiger (51). Davon abgesehen, dass der Schauspieler immer in der Diskussion ist, schaffte es eine Ankündigung von ihm im Spätsommer auf alle Titelseiten. Auch weil er sich dafür später medienwirksam mit SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel (56) zusammentat.

Was war passiert? Schweiger hatte über die Medien bekannt gegeben, dass er in Osterode ein Vorzeige-Flüchtlingsheim bauen wolle. Egal, ob man jetzt Schweiger mag oder nicht, ein sicher lobenswerter Ansatz. Die Reaktionen waren jedoch zwiegespalten, zudem wurde er auf Facebook von Rassisten beschimpft. Davon ließ sich Schweiger jedoch nicht abbringen und hielt und hält weiter an seinen Plänen fest. Wenn auch in abgewandelter Version. Schade nur, dass dadurch das eigentliche Thema, der lobenswerter Ansatz Flüchtlingen zu helfen, in den Hintergrund gerückt ist.

Dieses Video zeigt, dass Flüchtlinge Deutschland kulturell bereichern

Anfang Dezember erklärte Schweiger zudem, dass er dabei sei, "einen Film um das Thema Flüchtlinge zu entwickeln". Seine Vorstellung sei es, einen Unterhaltungsfilm zu machen, keinen didaktischen Film. Weil dieser sowieso nur Leute erreichen werde, die man nicht mehr überzeugen müsse. Vorbild sei sein preisgekrönter Film "Honig im Kopf" über einen Demenzkranken, wie der Freiburger weiter erklärte.

Paradox: Anfeindungen für gelebte Menschenliebe

Nicht viel besser als Schweiger erging es übrigens Sarah Connor (35). Von der Sängerin wurde Anfang Oktober bekannt, dass sie Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen hat: eine Familie aus Syrien, die eine Einliegerwohnung in ihrem Haus bezog. Auch Connor wurde danach angefeindet. Dieses Engagement sei nur ein Feigenblatt, war der Tenor von bestimmten Usern im Netz. Sie selbst sagte, dass sie verstehen könne, dass nicht jeder Flüchtlinge bei sich aufnehmen könne. Ihnen aber Wärme und Freundlichkeit entgegenzubringen, das sollte allen möglich sein.

Ende November wurde dann bekannt, dass auch Schauspielerin Veronica Ferres (50) und ihr Mann Carsten Maschmeyer (56) Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben. Die Idee dazu sei ihnen gekommen, sagte Maschmeyer, als direkt neben dem Haus von Ferres in München eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet worden war. So zogen zwei syrische Familien in ihr Haus in Hannover ein. Ziel sei es, die Flüchtlinge zu integrieren. So gehen die Kinder zur Schule, die Eltern werden umgeschult. Denn die Zeit solle kein Ferienaufenthalt sein, sondern den zwei Familien die Chance auf ein Leben in Deutschland ermöglichen. Und dazu müsse man Deutsch können. Inzwischen hat eine der Familien bereits eine eigene Wohnung bezogen und die Ferres sagt über ihre Erfahrungen mit den zeitweiligen Gästen: "Wer selbst gehört und gesehen hat, was diese Flüchtlinge erlebt haben, der wird sehr bescheiden und dankbar für das Leben, das wir Deutsche hier in unserem Land in Sicherheit und mit seinen großartigen Chancen führen dürfen."

Musiker und Panikrocker Udo Lindenberg (69) ging das Thema gewohnt unbürokratisch an und lud über 100 Flüchtlinge zu einem Konzert in Bremen ein. Sein Song "Wir werden jetzt Freunde" konnte dabei sicher als Ansage betrachtez werden. Lindenberg positionierte sich auch ansonsten deutlich: "Wir haben eine tolle, bunte Republik in Deutschland. Die paar dunkelbraunen Flecken kriegen wir auch noch weg."

Ein Konzert für die Helfer

Nicht direkt für die Flüchtlingshilfe, aber gegen die Abneigung, die den Bedürftigen aus aller Herren Länder entgegenschlägt und schlug, engagierten sich viele andere Promis. Auch die Band Culcha Candela zeigte Flagge und warb für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Ihren Musikerkollegen nicht nachstehen wollte Deichkind, die in Jogginganzügen mit der Aufschrift "Refugees Welcome" zur Echo-Verleihung erschienen. Danach wurden die Klamotten zugunsten von Pro Asyl auf Ebay versteigert.

Den Leuten wiederum danken, die sich als Flüchtlingshelfer um die ankommenden Menschen gekümmert haben, das taten viele Musiker Mitte Oktober in München. Mit einem Konzert zeigten Künstler wie Herbert Grönemeyer (59), die Sportfreunde Stiller, Wanda, Fettes Brot, BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (64) oder Blumentopf welchen Respekt sie vor diesen Leuten haben und dass es das Richtige ist, sich für Menschen in Not einzusetzen.

Einen anderen Weg schlugen Schauspielerin Yasmina Filali (40) und ihr Ehemann, Ex-Profifußballer und Moderator Thomas Helmer (50), ein. Filali übernahm die Vormundschaft für ein 16-jähriges Mädchen aus Syrien. TV-Köchin Sarah Wiener (53) blieb ihrem Metier treu und verteilte in einer Mitmachaktion in Berlin Essen an Flüchtlinge, während Liedermacher Heinz Rudolf Kunze (58) für die Aktion "Musik hilft" dazu aufrief, Instrumente zu spenden. Denn seiner Meinung nach brauchen Menschen in Not nicht nur Essen, Trinken und eine Schlafgelegenheit, sondern auch Musik und Kultur.

Aufruf zum Aufstand der Anständigen

Weit nach vorne wagte sich die NDR-Journalistin Anja Reschke (43) in einem Kommentar in den ARD-"Tagesthemen". Sie rief darin auf, den Leuten, die im Netz und den sozialen Netzwerken gegen Flüchtlinge und Ausländer hetzen, die Stirn zu bieten. "Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun. Dagegen halten. Mund aufmachen. Haltung zeigen", waren ihre Worte. Die Reaktionen waren krass - doch darauf war Reschke vorbereitet: Denn sie schloss ihren Kommentar mit den Worten: "Ich freue mich jetzt schon auf die Kommentare zu diesem Kommentar." Später ließ sie in einem Interview wissen, dass sie ihre Aussagen nicht für besonders mutig hielt. Und das obwohl sie dafür wie erwartet auf das Übelste beschimpft wurde.

Die deutschen Schauspieler Friederike Kempter (35) und Benno Fürmann (43) teilen die Meinung, "Flüchtlinge gehören zu uns" und versuchen das über die UN der Bevölkerung in Deutschland nahe zu bringen. Kempter reiste dazu nach Jordanien, Fürmann auf die Mittelmeerinsel Lampedusa. Und Natalie Wörner (47) machte sich für den Verein "Kindernothilfe" zu syrischen Flüchtlingsfamilien in den Libanon auf.

Egal, wie sich die Promis dieser Welt engagieren, die Idee zählt. Denn dadurch, dass sie in den Medien präsent sind, können Sie ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Diese Aufzählung der guten Taten mag nicht vollständig, sie soll aber auch vor allem deutlich machen, dass das Schicksal der Flüchtlinge vielen eben nicht egal ist.

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