POLITIK
30/12/2015 10:31 CET | Aktualisiert 30/12/2015 10:42 CET

15 Gründe, warum das Jahr 2015 besser war als sein Ruf

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Keine Frage: Das Jahr 2015 war anstrengend. Die Nachrichten waren von Krisenmeldungen dominiert. Im Januar war es die Ukraine-Krise, die negative Meldungen in Serie produzierte. Später die Griechenland-Krise und der kaum versteckte Chauvinismus deutscher Medieneliten. Dann kam die Flüchtlingskrise, die rechte Gewalt in Deutschland und der Terroranschlag von Paris.

Krisen also waren reichlich da. Doch es gab auch positive Nachrichten in diesem Jahr, die uns noch einige Zeit beschäftigen werden. Die Huffington Post nennt 15 Gründe, warum das Jahr 2015 auch Grund zur Hoffnung gibt.

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1. Deutschland erlebt eine beispiellose Welle des zivilgesellschaftlichen Engagements

Laut einer Umfrage der Evangelischen Kirche Deutschland haben sich bereits zehn Prozent der Deutschen aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert. Mit anderen Worten: Gut acht Millionen Deutsche haben durch Spenden oder durch ehrenamtliche Arbeit dafür gesorgt, dass notleidende Menschen Schutz in diesem Land finden. Darunter sind erstaunlich viele junge Menschen. Wer hätte das nach dem Gerede von der "unpolitischen" Generation Y noch für möglich gehalten?

2. Die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit fast 25 Jahren

Im Dezember 2015 waren 2,633 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Die Arbeitslosenquote lag bei sechs Prozent. Zuletzt waren im Juni 1991 weniger Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Nach internationalen Standards (die weniger streng sind als die deutschen) nähert sich die Bundesrepublik langsam der Vollbeschäftigung an.

3. Der Mindestlohn funktioniert auch in Deutschland

Noch Anfang 2015 hatte der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn geraunt, dass der zum 1.1. dieses Jahres eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde insgesamt 900.000 Arbeitsplätze kosten würde. Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" verbreitete eine ähnlich katastrophale Prognose. Tatsächlich aber ist die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres 2015 weiter gesunken, ebenso wie die Zahl der Mini-Jobs. Dagegen gibt es so viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse wie nie seit der Wende. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich das Gesetz auswirkt, wenn sich die Konjunkturaussichten eintrüben.

4. Auf der Weltklimakonferenz in Paris ist ein historischer Durchbruch erzielt worden

Mehr als zwei Jahrzehnte lang waren die Ergebnisse der Klimakonferenzen recht überschaubar geblieben. Die mit Spannung erwartete Zusammenkunft in Kopenhagen im Jahr 2009 wurde gar zu einem Fiasko, weil sich die Staats- und Regierungschefs weigerten, ein verbindliches Klimaziel zu beschließen. Die Klimakonferenz von Paris dagegen macht Hoffnung: In einem völkerrechtlich bindenden Abkommen wurde vereinbart, die Erderwärmung "deutlich unter 2 Grad Celsius" zu halten, möglichst gar unter 1,5 Grad Celsius unter dem vorindustriellen Niveau.

5. Nie zuvor produzierte Deutschland so viel Ökostrom

Im ersten Halbjahr 2015 lag der Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix bei einem Drittel. So viel Ökostrom wurde in Deutschland noch nie produziert.

6. Der Ölpreis ist niedrig – und er könnte noch weiter sinken

Noch vor die Jahren kostete das Barrel Brent an den Rohstoffmärkten weit über 100 Dollar. Wie schnell sich die Zeiten doch ändern können. Am Montagabend lag der Preis noch bei etwas über 36 Dollar pro Barrel. Das freut nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Deutschlands Autofahrer. Welche Konsequenzen das für die Politik hat, ist jedoch noch völlig unklar. In Russlands Haushalt etwa klafft ein riesiges Loch. Auch Saudi-Arabien muss mit Mindereinnahmen in hoher zweistelliger Milliardenhöhe rechnen. Dort liegt das Öl allerdings so dicht unter der Erde, dass es weiterhin wirtschaftlich gefördert werden kann.

7. Führende Investoren verabschieden sich aus den fossilen Brennstoffen

Im Dezember hat die Allianz angekündigt, ihre Investitionen in Kohle konsequent zurückzufahren. Experten rechnen damit, dass andere Investoren folgen werden. Womöglich eröffnet sich dadurch eine historische Chance zum Durchbruch für alternative Energien.

8. Ein junger Jurist lehrt die amerikanischen Webindustrie das Fürchten

Max Schrems aus Österreich ist gerade einmal 28 Jahre alt. Und doch nimmt er es seit jahren mit den größten Unternehmen der Welt auf. Im Oktober 2015 erreichte er vor dem Europäischen Gerichtshof ein Urteil, in dem das Safe-Harbour-Abkommen der EU mit den USA für rechtswidrig erklärt wurde. Demnach sind Daten, die in den USA gespeichert werden, nun auch nach höchstrichterlicher Ansicht nicht mehr sicher - auch wegen der Datensammelwut der NSA. Künftig müssen sich Internetkonzerne weltweit neue Konzepte überlegen, wie sie Kundendaten vor dem Zugriff amerikanischer Behörden schützen können.

9. Der Ebola-Ausbruch in Afrika ist endlich eingedämmt

Die zwei Jahre dauernde Ebola-Epidemie in Afrika hat insgesamt 11.000 Todesopfer gefordert. Mittlerweile ist die Epidemie eingedämmt, wenn auch nicht vollständig unter Kontrolle. Experten warnen allerdings, dass die zuständigen Behörden für ein erneutes Anschwellen der Infektionszahlen nicht gewappnet sind.

10. Die Kindersterblichkeit hat sich seit 1990 halbiert

Im Juli haben die Vereinten Nationen eine äußerst erfreuliche Nachricht verbreitet: Pro Jahr sterben heute 6,7 Millionen Kinder weniger als noch im Jahr 1990. Damit hat sich die Kindersterblichkeit weltweit halbiert. Verantwortlich dafür war der verstärkte Kampf gegen Kinderkrankheiten, vor allem durch flächendeckende Impfprogramme.

11. Nie haben so viele Kinder auf der Welt eine Schule besucht

Noch im Jahr 2000 haben weltweit insgesamt 100 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schulbildung erhalten. Auch diese Zahl hat sich beinahe halbiert: Laut Erhebungen der Vereinten Nationen waren es im Jahr 2015 insgesamt noch 57 Millionen Kinder, denen das Grundrecht auf Bildung vorenthalten wurde. Immer noch viel zu viele - aber zumindest sinkt ihre Zahl beständig.

12. Erstmals leben weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung unterhalb der Armutsgrenze

Anfang Oktober veröffentlichte die Weltbank eine neue Armutsstudie mit Zahlen für 2012. Demnach hatten insgesamt nur noch 9,6 Prozent der Weltbevölkerung weniger als 1,90 Dollar am Tag zur Verfügung. Im Jahr 2005 lebten noch 12,8 Prozent der Weltbevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

13. Deutschland erlebt einen Mini-Babyboom

Seit der Wende war die Geburtenziffer in Deutschland - von einigen statistischen Ausreißern abgesehen - konstant niedrig. Doch seit einigen Jahren sind erste Anzeichen zu erkennen, dass sich dieser Trend wenden könnte. Im Jahr 2006 kamen statistisch gesehen auf jede Frau im gebährfähigen Alter 1,36 Kinder, vergangenes Jahr waren es 1,47. Noch ein wenig spektakulärer lasen sich die absoluten Geburtenzahlen für 2014: Fast 715.000 Babys kamen zur Welt - das sind gut 33.000 mehr als 2013 und 50.000 mehr als noch 2011. Wie lange der kleine Babyboom anhält, ist allerdings noch völlig unklar. Einerseits glauben Demografen, dass der Geburtenanstieg auf die "verschobenen Geburten" von vergleichsweise älteren Paaren zurückzuführen ist. Dieser Trend wäre aus biologischen Gründen irgendwann vorbei. Andererseits sind im Jahr 2015 so viele Einwanderer wie seit zwei Jahrzehnten nicht nach Deutschland gekommen - es sind vor allem junge Menschen, die sich in Deutschland Existenz und Familie aufbauen wollen.

14. Saudi-Arabien hat das Frauenwahlrecht eingeführt

Bei den Kommunalwahlen im Dezember durften erstmals in der Geschichte Saudi-Arabiens auch Frauen mit abstimmen. Damit ist Saudi-Arabien das vorletzte Land auf der Welt, in dem das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Nur noch die letzte absolutistische Monarchie in Europa verwehrt Frauen demokratische Mitbestimmungsrechte: der Vatikanstaat.

15. Wissenschaftler entwickeln Super-Hefe, die Schmerzmittel produzieren kann

In den USA haben Wissenschaftler Hefestämme derart biotechnisch verändert, dass sie ein Schmerzmittel produzieren. Noch arbeiten die Forscher daran, das Verfahren effizienter zu machen. Aber künftig könnten dadurch auch Menschen in ärmeren Teiloe der Welt mit Medikamenten versorgt werden.


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