POLITIK
30/12/2015 22:19 CET

Neujahrsansprache: Merkel nennt Flüchtlinge "Chance von morgen"

DPA
Kanzlerin Angela Merkel bei der Aufzeichnung ihrer Neujahrsansprache

Die Kanzlerin gibt sich in ihrer Neujahrsansprache optimistisch. Angela Merkel (CDU) hat trotz aller Probleme die mit den vielen Flüchtlingen verbundenen Chancen für Deutschland betont und zum Zusammenhalt gegen Fremdenhass aufgerufen. Der Text der Neujahrsansprache wurde vorab veröffentlicht. Die Rede wird an diesem Donnerstag ausgestrahlt.

Vieles in ihrer Rede erinnerte an ihre Ansprache vor einem Jahr. In der hatte sie sich klar gegen die Pegida-Demonstrationen gewendet - allerdings ohne sie beim Namen zu nennen.

So sagte sie auch in diesem Jahr: "Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihren Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen", sagte sie in ihrer. "Es kommt darauf an, dass wir uns nicht spalten lassen", betonte sie - wieder, ohne die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung zu nennen.

Richtig angepackt, ist auch die heutige große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen

Von gelungener Einwanderung habe ein Land noch immer profitiert. "Richtig angepackt, ist auch die heutige große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen." Die Kanzlerin warb erneut um Geduld bei der Bewältigung der Krise, die Deutschland noch einiges abverlangen werde. "Das wird Zeit, Kraft und Geld kosten – gerade mit Blick auf die so wichtige Aufgabe der Integration derer, die dauerhaft hier bleiben werden."

Sie wiederholte ihren umstrittenen Satz: "Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land." Es gebe "ein großartiges bürgerschaftliches Engagement und ein umfassendes Konzept politischer Maßnahmen". Auch international gehe es darum, die EU-Außengrenzen besser zu schützen, Fluchtursachen zu bekämpfen "und so die Zahl der Flüchtlinge nachhaltig und dauerhaft spürbar zu verringern". Genauere Angaben zu dieser Reduzierung machte Merkel nicht.

Die Kanzlerin wandte sich erneut gegen eine Abschottung. "Es kommt darauf an, auch in Zukunft ein Land sein zu wollen, in dem wir selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sind." Zugleich gebe es aber Grundvoraussetzungen für das Zusammenleben aller, die die deutsche Gesellschaft trügen. Dazu gehörten "unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln".

Es kommt darauf an, dass wir immer auch den Argumenten des anderen zuhören

Sie rief zu sachlichen Diskussionen in der Flüchtlingskrise auf. "Es kommt darauf an, dass wir immer auch den Argumenten des anderen zuhören, auch wenn er Sorgen und Chancen anders gewichtet, als man selbst es tut."

Merkel würdigte die Arbeit vieler Helfer in den vergangenen Monaten. "Danke für die überwältigende und tatsächlich bewegende Welle spontaner Hilfsbereitschaft, die wir in diesem Jahr erlebt haben, als so viele Menschen oft lebensgefährliche Wege auf sich genommen haben, um bei uns Zuflucht zu suchen." Neben Polizisten, Soldaten und Behördenmitarbeitern dankte sie ausdrücklich den freiwilligen Helfern "für ihre Herzenswärme und ihre Einsatzbereitschaft, die immer mit diesem Jahr 2015 verbunden sein werden".

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