WIRTSCHAFT
29/12/2015 06:59 CET

Eine Soziologin hat eine radikale Idee für die Zukunft unserer Arbeit

Man and woman in office having a meeting
Thomas Tolstrup via Getty Images
Man and woman in office having a meeting

Eines ist klar: Der deutsche Arbeitsmarkt will nicht mehr so ganz zu unseren Bedürfnissen passen. Sowohl Frauen als auch Männer wollen heute Karriere machen und gleichzeitig mehr Zeit mit ihren Familien verbringen - doch das ist mit dem Trend der Vollzeitarbeit oft nicht vereinbar.

Die Soziologin Jutta Allmendinger hat eine Idee, die besser zu unseren Leben passen soll. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärte sie, wie ihr Modell unser Leben zum Positiven verändern könnte. Das Konzept: Wir sollen weniger Wochenstunden arbeiten - und dafür später in Rente gehen.

Allmendinger argumentiert, dass ein 32-Stunden-Arbeitsmodell am gerechtesten für alle ist. Frauen und auch Männer möchten nicht mehr zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen, erklärt sie. Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit und Teilzeitjobs mit wenigen Wochenstunden seien echte Karriereblocker für Frauen, während Männer in Vollzeitjobs meist auch unzufrieden seien. Eine Teilung der Arbeitszeit hätte für beide Seiten Vorteile.

Auch die Wirtschaft könnte von diesem Modell profitieren. Denn: Wenn man aus der klassischen 40-Stundenwoche der Männer und einer Null-Stunden-Woche von Frauen eine gemeinsame 64-Stunden-Woche machen würde – also jeweils 32 Stunden für jeden Einzelnen – dann würde deutlich mehr gearbeitet, argumentiert die Soziologin.

Das Modell soll auch besser für unsere Gesundheit sein. Denn: Auch wenn wir deutlich länger leben, gehen viele Menschen in Frührente. Der Grund: Burn-out. Wenn wir weniger Wochenstunden arbeiten würden und somit mehr Zeit für Familie, Erholung und andere Interessen wie etwa Reisen hätten, könnten wir auch insgesamt länger arbeiten, erklärt Allmendinger.

Die Theorie hört sich gut an, doch bei der Umsetzung sieht selbst Allmendinger noch Probleme. Niedrigverdienern reiche eine 32-Stunden-Woche finanziell nicht aus, gibt die Soziologin zu. Zudem würden sich Unternehmen oft noch stark gegen Teilzeitmodelle wehren. Deshalb würden momentan noch rund 94 Prozent der erwerbstätigen Väter in Vollzeit arbeiten - und sähen keine Möglichkeit, aus diesem Modell auszubrechen.

Um die 32-Stunden-Woche in die Realität umzusetzen, muss noch viel passieren. Laut Allmendinger müssten nicht nur Unternehmen, sondern auch vollzeitarbeitende Männer umdenken. Auch Faktoren wie ein stabiler Mindestlohn und eine angemessene Bezahlung von Frauen müssten umgesetzt werden, damit Allmendingers Modell nicht nur für Besserverdiener realistisch wird.

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