POLITIK
29/12/2015 05:40 CET | Aktualisiert 29/12/2015 08:13 CET

Militärexperte warnt vor Konflikt zwischen Russland und China

AP

Die Ausweitung chinesischer Sicherheitsinteressen außerhalb der eigenen Landesgrenzen wird einem Militärexperten zufolge zu Spannungen vor allem mit Russland führen.

Moskau werde sich in Zentralasien ungern um seinen Einfluss bringen lassen, sagte Henry Boyd vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr und mehr ein nationales politisches Interesse

"Das sind zwei Länder, die dem jeweils anderen nicht den Vortritt lassen wollen." Die chinesische Wirtschaftsentwicklung konzentriere sich darauf, Handelsrouten im Ausland zu schaffen. "Daher wird die Sicherheit dieser Routen mehr und mehr ein nationales politisches Interesse."

Entsprechend habe Peking begonnen, etwa im afrikanischen Dschibuti militärische Außenposten zu entwickeln - nachdem es lange geheißen hatte, so etwas mache das Land nicht. "Das ist neu, das ist ein erster Schritt", sagte Boyd.

Allerdings geht er davon aus, dass China den Aufbau seiner Infrastruktur im Ausland nur langsam vorantreiben wird, denn noch sei die chinesische Armee dafür nicht optimal ausgerüstet und trainiert.

In den nächsten zehn Jahren dürfte es interessant werden

"Es gibt diese Geschichten, dass die Chinesen sich im Ausland die ganze Zeit nur von Instant-Nudeln ernährt haben, wie ein Studententrip", sagte er. Aber: "Innerhalb der nächsten zehn Jahre dürfte es interessant werden."

Russland reagiere bereits, indem es etwa in Tadschikistan und Kirgistan Stützpunkte stärke, erklärte der Militärexperte. "Das sagt: Ihr könnt gern mehr Handel in der Region treiben, aber wir haben vor, die wichtigste Sicherheitsmacht zu blieben."

Besonders auf russischer Seite steige die Bereitschaft, Militär bei Konflikten ins Spiel zu bringen, wie auch der Einsatz in Syrien zeige. Das sei eine "realistische Sorge" für die nahe Zukunft.

Die Eskalation eines militärischen Konflikts zwischen den Großmächten oder europäischen Ländern hält Boyd dennoch für unwahrscheinlich. "Es sieht nicht so aus, als seien die Differenzen groß genug, um Risiken und Kosten selbst mittelgroßer Militäreinsätze wert zu sein", sagte er. "Kurz gesagt, der dritte Weltkrieg steht nicht bevor."

China ist Vetomacht im Weltsicherheitsrat und will dort jetzt offenbar auch selbst mehr gestalten. "In der asiatischen Region zielt China zudem klar darauf ab, eine wirtschaftliche, militärische und ordnungspolitische Führungsrolle einzunehmen", sagte zuletzt auch Mikko Huotari, Experte am China-Institut Merics in Berlin.

Mit seinen Ansprüchen auf Inseln im Ost- und im Südchinesischen Meer habe China allerdings "viel Porzellan zerschlagen", findet Pascal Abb vom German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg.

Die Russen lassen dich ganz schnell fallen

China hatte bislang ein strategisches "Zweckbündnis" mit Russland verbunden, das als Gegengewicht zur Supermacht USA diente. Experten sind jedoch der Meinung, dass dies nur Show sei, weil in Peking großes Misstrauen spürbar ist.

"Die Russen lassen dich ganz schnell fallen", hatte zuletzt ein hoher Beamter des chinesischen Außenministeriums gesagt.

Mit Bauchschmerzen verfolgt China zudem das Vorgehen von Wladimir Putin in der Ukraine oder in Syrien, weil hier gegen chinesische Grundprinzipien verstoßen wird: Nicht-Einmischung und Achtung der territorialen Souveränität.

"In Zukunft lässt sich fragen, ob es noch eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein wird, weil China deutlich dynamischer ist", sagt Abb. "Viele in China haben eine deutliche Vorstellung davon, wer der Koch und wer der Kellner ist."

Mit Material von dpa

Auch auf HuffPost:

Streit um Jet-Abschuss: Putin will vor laufender Kamera Schuld der Türkei beweisen

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Streit um Jet-Abschuss: Putin will vor laufender Kamera Schuld der Türkei beweisen