POLITIK
30/12/2015 00:57 CET

"Mickrige Kindergelderhöhung ist eine Schande für Deutschland"

In diesem Jahr fällt die Kindergelderhöhung sehr niedrig aus
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In diesem Jahr fällt die Kindergelderhöhung sehr niedrig aus

Ab erstem Januar 2016 gibt es mehr Kindergeld. Allerdings ist die Erhöhung des Geldes in diesem Jahr sehr niedrig ausgefallen. Um gerade mal zwei Euro pro Monat wird aufgestockt - im vergangenen Jahr betrug die Erhöhung immerhin vier Euro. Der Bundestag hatte im letzten Jahr eine Kindergelderhöhung um insgesamt sechs Euro beschlossen, vier Euro pro Kind wurden bereits 2015 mehr ausgezahlt - die restlichen zwei Euro folgen nun im Januar 2016.

Diese mickrige Erhöhung stößt auf heftige Kritik. Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert die Erhöhung des Kindergeldes und des Regelsatzes für Kinder im Hartz IV-Bezug gegenüber "Focus Online" als völlig unzureichend. "Zwei Euro mehr Kindergeld und drei Euro Regelsatzerhöhung für Kinder im Hartz IV-Bezug sind ein Hohn. Mit diesen mickrigen Beträgen werden wir es nicht schaffen, die Kinderarmutsquote in Deutschland zu senken. Rund drei Millionen von Armut betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland sind eine Schande für unser Land", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Die geringe Erhöhung sei ungerecht, kritisiert er. "Durch die steuerlichen Kinderfreibeträge ist die monatliche Nettoentlastung für Spitzenverdiener bereits jetzt wesentlich höher als das Kindergeld. Hier klafft eine Lücke von annähernd 100 Euro. Jedes Kind sollte uns aber gleich viel wert sein. Und wenn wir einem 5-jährigen Kind im Hartz IV-Bezug täglich 2,94 Euro für Essen und Trinken zugestehen und einem 13-jährigen 19 Cent für Gesundheitspflege, hat das mit einem soziokulturellen Existenzminimum, wie es das Bundesverfassungsgericht fordert, nichts zu tun", so Krüger weiter.

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses kritisiert die Erhöhung. Paul Lehrieder (CSU) ist der Ansicht, dass sie viel zu gering ist. "Das ist nicht das Gelbe vom Ei", sagte Lehrieder der "Welt". "Ich hätte eine spürbare Erhöhung von zehn Euro richtig gefunden, wir konnten uns aber nicht gegen die Fiskalpolitiker durchsetzen."

Mehr Kindergeld sei in jedem Fall wünschenswert - schon um den Familien Anerkennung und Wertschätzung auszudrücken. "Aber eine konkrete Zahl kann man spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise nicht mehr nennen." Zu viele Aufgaben seien jetzt zu stemmen, sagte Lehrieder, vom Wohnungsbau bis zu den Kitaplätzen. "Wenn wir wissen, wie wir es schaffen, müssen wir sehen, wie wir noch bessere Signale senden können. Wir haben große andere Aufgaben, aber wir dürfen unsere Familien nicht vergessen."

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