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29/12/2015 08:23 CET | Aktualisiert 29/12/2015 08:24 CET

Das sind 6 gute Gründe, nicht zu heiraten

Das sind 6 gute Gründe, nicht zu heiraten
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Das sind 6 gute Gründe, nicht zu heiraten

1. Nicht verheiratet zu sein heißt nicht automatisch, einsam zu sein

Ist man verheiratet, wird allgemein angenommen, dass man immer jemanden an seiner Seite hat – in guten wie in schlechten Zeiten. Aber genauso ist es, wenn man nicht verheiratet ist. Das möchte ich hier einmal betonen. Auch dann hat man jemanden an seiner Seite, in guten wie in schlechten Zeiten; jemanden, auf den man zählen kann, den man liebt, mit dem man lacht und streitet, den man vermisst, dem man vertraut und auf den man sich verlässt.

Denn nicht verheiratet zu sein heißt nicht automatisch, alleine zu sein. Es bedeutet, dass man sein Leben mit Freunden, Partnern, Brüdern, Schwestern, Nachbarn und Kollegen teilt. Man lebt nur einfach nicht mit einem Ehepartner zusammen. Vielleicht hast Du Dates, vielleicht bist Du zwei Jahre in einer Beziehung und danach fünf Jahre. Vielleicht geht es Dir wie mir: Seit zehn Jahren in einer Beziehung, die ein ganzes Leben andauern soll.

Vielleicht willst Du gar keine romantische Beziehung. Stattdessen verbringst Du Deine Zeit mit Freunden, ihr kocht und esst zusammen und teilt dabei auch das eine oder andere Geheimnis, Du verreist und lernst neue Leute kennen, Du engagierst Dich ehrenamtlich, schwimmst im Meer, spielst Geige in einem Hobby-Streichquartett. Man muss nicht verheiratet sein, um all die Dinge zu tun, die einem vermeintlich nur eine Ehe geben kann – ein reicherfülltes Leben voller Erfahrungen und Intimität.

2. Weil Liebe ein Mysterium ist…

Die Ehe ist laut Definition ein Vertrag. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist weder mein Wunsch noch mein Wille, dass meine Liebe durch juristische Klauseln festgehalten und definiert wird. Die Schönheit der Liebe liegt darin begründet, dass sie unbeschreiblich ist. Und sie verändert sich ständig.

3. Du wirst geschätzt und geliebt weil Du der Mensch bist, der Du bist. Das schafft wahre Sicherheit

Manchmal wirft einen das Leben aus der Bahn. Davor kann einen auch die Ehe nicht bewahren. Sicherheit aber hilft uns dabei, diese rauen Zeiten zu überstehen. Mir helfen meine Kinder. Sie bringen mich mit ihren improvisierten Blues-Songs immer wieder zum Lachen. Mir hilft auch mein Partner. Er liest meine Gedanken und weiß, dass ich mich mitten in der Nacht nach Kartoffelchips sehne – und zaubert so mir nichts dir nichts eine Tüte hervor, die er grade auf dem Heimweg von der Arbeit noch besorgt hat.

Mir hilft auch meine beste Freundin. Sie spürt es, wenn ich ausgebrannt bin und lädt mich zum Kajaken ein oder schickt mir ein kleines Gedicht. Von den Menschen um Dich herum geliebt zu werden, ganz gleich, ob es Kollegen, Freunde oder Partner sind – das schenkt Dir die größtmögliche Sicherheit. Und dazu brauchst Du keinen Ehepartner.

4. Den Ring kannst Du trotzdem haben

Als eine meiner Freundinnen 40 wurde, legte sie in einem Haushaltswarengeschäft eine Geschenkeliste an und schmiss eine Nicht-Brautparty. Zuerst fand ich es seltsam und irgendwie selbstsüchtig, aber dann begriff ich: Ich würde meinen verheirateten Freunden nie ihr Waffeleisen, den Mixer oder die kleinen Silberlöffel vergönnen. Warum sollte dasselbe nicht auch für meine nichtverheirateten Freunde gelten? Warum sollte ich für meine nichtverheirateten Freunde andere Maßstäbe anlegen? Und außerdem, warum machte ich genau das nicht auch für mich selbst?

Vielleicht nicht grade in Bezug auf Haushaltsartikel, aber all diese Hochzeitsrituale – ob es jetzt Hochzeiten oder Hochzeitstage sind – die auch bei mir Widerhall finden. Denn ich stellte fest, dass ich mich nach fünf Jahren Beziehung nach etwas sehr Traditionellem sehnte: Einem Zeichen unserer Verbundenheit, etwas, das ich immer bei mir tragen konnte. Etwas, das ich berühren konnte. Vorsichtig erwähnte ich meinem Freund gegenüber, dass ich mir einen Ring wünschte. Und er schenkte mir einen wahren Schatz: Ein Ring, der aussah, als hätten Feen ihn aus Ästen und Mondlicht gefertigt, winzig und uneben, der das Licht einfing und es reflektierte.

5. Du kannst die Beziehung beenden.

Ich bin seit zehn Jahren mit meinem Freund zusammen und immer, wenn unsere Beziehung mal ins Schlingern gerät (wie es bei allen Paaren einmal der Fall ist), war es für mich eine Erleichterung zu wissen, dass nichts uns zusammenhielt, außer dem Wunsch, die Beziehung wieder in ruhigere Gewässer zu steuern.

Wir haben die Freiheit, die Beziehung zu beenden, sollte sie unerträglich werden. Was für ein süßes, paradox-kraftvolles Wissen das doch ist! In den dunkelsten, traurigsten und hoffnungslosesten Momenten hat mir dieses Wissen Kraft und Trost gegeben. Ich war wieder bereit, mich auf uns zu konzentrieren.

6. Du kannst immer noch nächstes Jahr heiraten. Oder das Jahr da drauf. Oder das Jahr da drauf.

Ich führe keinen Kreuzzug gegen die Ehe. Und das hier ist lediglich eine Liste. Ich war mal verheiratet und um ehrlich zu sein, haben mein Freund und ich eine Heirat für uns nicht ausgeschlossen. Wir wissen nicht genau, was uns dazu treiben würde, uns den offiziellen Stempel geben zu lassen, aber wir verschließen uns der Möglichkeit nicht. Und genau darauf kommt es an: Sich nicht zu verschließen. Offen zu sein, sowohl in der Einstellung zur Ehe als auch in der Beziehung selbst.

Wir hoffen, immer offen zu sein. Ideen, Gefühle, Gedanken und Erfahrungen anzunehmen. Offen anderen und uns selbst gegenüber. Es kommt nicht darauf an, ob man in einer langjährigen Beziehung ist, grade eine Beziehung beendet hat, frisch verliebt ist oder glücklicher Single: Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Also lassen wir sie auf uns zukommen, mit dem sicheren Wissen der Ungewissheit und gestärkt durch das Abenteuer.

Dieser Artikel von Leah Hager Cohen erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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