POLITIK
29/12/2015 15:03 CET

Mordfall Nemzow: Das ist das schockierende Ermittlungsergebnis

dpa

Fast ein Jahr ist es her, dass der russische Oppositionsführer Boris Nemzow in Sichtweite zum Kreml erschossen wurde. Nur wenige Wochen nach dem Mord wurden fünf Verdächtige festgenommen, die alle aus dem Nordkaukasus stammen. Mindestens drei der Männer sind ehemalige Polizisten.

Die Ermittler haben sich nun auf einen Hauptverdächtigen festgelegt. Der Ex-Polizist Saur D. hatte direkt nach seiner Festnahme im Frühjahr die Tat gestanden. Später widerrief er seine Aussage mit der Behauptung, gefoltert worden zu sein.

Noch kontroverser ist allerdings die Bestimmung des angeblichen Mord-Auftraggebers. Laut dem Ermittlungskomitee soll es sich dabei um den tschetschenischen Polizeioffizier Ruslan Muchudinow handeln, der sich aus Russland abgesetzt hat. Der Prozess gegen ihn und den angeblichen Täter Saur D. soll im Februar beginnen.

Vertreter der Opposition kritisieren den Ausgang der Ermittlungen. Sie vermuten, dass hinter der Tat einflussreiche Tschetschenen. Muchudinow könne zwar Organisator für die niedrigen Ränge gewesen sein, die wahren Auftraggeber seien aber "hochgestellte Leute" gewesen, sagte Wadim Prochorow, Anwalt von Nemzows Tochter Schanna. Die Justiz wolle die Aufmerksamkeit von der Umgebung des tscheschenischen Präsidenten Ramsan Kaydrow ablenken, sagte er weiter.

Die Ermittlungen waren nicht ohne Hindernisse verlaufen. Der Putin-treue Kaydrow soll die Ermittlungen in Tschetschenien massiv behindert haben. Er nahm zudem den angeblichen Täter, Saur D., öffentlich in Schutz. Der umstrittene Präsident Tschetscheniens hatte außerdem kurz nach der Tat einen Orden von Putin verliehen bekommen. Insider schlossen deshalb schon damals aus, dass der Politiker in irgendeiner Art belangt werden würde.

Mit Material von dpa

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