POLITIK
28/12/2015 17:31 CET | Aktualisiert 01/02/2016 03:22 CET

Eine Frau nahm einen Kleiderhaken aus Metall - dann hörten die Nachbarn Schreie

Ohio, USA
Andrew Hetherington via Getty Images
Ohio, USA

Was in den Gedanken der 31-jährigen Anna Yocca vorging, lässt sich nur erahnen. Fest steht nur: Die junge Frau, seit sechs Monaten schwanger, war verzweifelt. So verzweifelt, dass sie sich zu etwas Schrecklichem entschloss.

Sie griff sich einen Kleiderhaken. Dann ging sie nach oben, ins Badezimmer, und ließ die Wanne volllaufen. Sie zog sich aus und ließ sich ins Wasser gleiten. Dann führte sie den Kleiderhaken in ihre Vagina ein.

Jetzt steht sie vor Gericht

Es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein. Selbst, wenn sich Yocca im Klaren darüber war, was sie tat: Damit hätte sie wohl nicht gerechnet. Die Wanne färbte sich in kürzester Zeit rot vom Blut. Sie verlor so viel davon, dass sie um ihr eigenes Leben bangte - dabei hatte sie das ihres ungeborenen Kindes auslöschen wollen.

Yocca hatte versucht, ihr Baby eigenhändig abzutreiben, wie die Lokalzeitung "Murfreesboro Post" berichtet. Doch weil der Versuch nicht nach Plan verlief, ließ sich die Schwangere, weiter schwer blutend, von ihrem Lebensgefährten ins Krankenhaus bringen. Deswegen steht die Frau aus dem US-Bundesstaat Tennessee nun im Zentrum der Aufmerksamkeit - und vor Gericht.

Sind die Abtreibungsgesetze der USA zu strikt?

Yocca ist angeklagt als versuchte Mörderin. Im Krankenhaus retten die Ärzte ihr Kind und brachten es auf die Welt. Der Sohn wog kaum 700 Gramm und wird sein Leben lang schwer behindert sein. Augen, Lunge und Herz wurden beim Abtreibungsversuch schwer geschädigt. Das Kind wird ständig auf Hilfe und Medikamente angewiesen sein.

Der Fall wirft einige komplexe Fragen auf - über die Abtreibungsgesetze der USA. Etwa: Sind Schwangerschaftsabbrüche so schwer verfügbar, dass manchen Frauen nichts anderes übrig bleibt, als selbst zur Tat zu schreiten?

Die Lage schien aussichtslos

Die Gesetze, insbesondere in Tennesse, werden von Medien als extrem strikt eingestuft. So müssen Schwangere zweimal in die Abtreibungsklinik kommen, um den Abbruch vornehmen zu lassen - zwischen den beiden Terminen müssen 48 Stunden liegen. Zudem müssen die Frauen den Eingriff aus eigener Tasche zahlen, er kostet zwischen 500 und 1500 Dollar. Für manche übersteigt das die Mittel.

Warum Anna Yocca so weit ging, ihr Baby mit dem Kleiderbügel loswerden zu wollen, ist nicht restlos geklärt. Fest steht: Die Qual der Aussichtslosigkeit trieb sie zu einer Verzweiflungstat.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Unglaubliche Aufnahmen aus Paris: Retter erzählt: Das passierte mit der schwangeren Frau, die am Bataclan hing