POLITIK
28/12/2015 23:13 CET | Aktualisiert 29/12/2015 09:20 CET

Der IS hat eine entscheidende Schlacht verloren – doch kaum jemand spricht darüber

In diesem Jahr hatte der IS einige spektakuläre Siege zu vermelden. Die Eroberung der Stadt Palmyra in Syrien und Ramadi im Irak zum Beispiel. Doch die islamistischen Kämpfer mussten eine Niederlage einstecken, über die kaum jemand berichtet. Sie haben einen Großteil ihrer wichtigsten Einkommensquelle verloren: den Verkauf von Öl.

Der "Iraq Oil Report" veröffentlichte eine Analyse der Ölgeschäfte des IS. Die basiert auf Informationen von US-Beamten und Zeugenaussagen. Der Report kommt zu einem dramatischen Schluss: Das Öl-Geschäft der Terrormiliz, das ihr einst 40 Millionen US-Dollar im Monat in die Kriegskassen spülte, "hat sich aufgelöst".

Ein einziger Einsatz von US-Spezialeinheiten änderte alles. Im Mai 2015 töteten US-Soldaten den für die Öl-Geschäfte zuständigen IS-Anführer, Abu Sayyaf. Dabei stellten sie sieben Terabyte an Informationen auf USB-Sticks und Festplatten sicher. Die Dokumente zeigten, dass der IS ein hochzentralisiertes Öl-Geschäft führte, das von 1600 aus dem Ausland angeworbenen Öl-Arbeitern geführt wurde.

Man hatte das Ausmaß der Ölgeschäfte völlig unterschätzt. "Aus den Dokumenten lasen wir: Öl machte traditionell etwa 50 Prozent ihrer Profite aus. Die restlichen 50 Prozent waren eine Summe aus anderen Dingen", sagte Amos Hochstein, der Sonderbeauftragte des State Department für Internationale Energie-Angelegenheiten dem "Iraq Oil Report"

Die USA hatten schon 2014 begonnen, Öl-Anlagen anzugreifen. Doch erst die Abu-Sayyaf-Dokumente erlaubten es dem Militär zu verstehen, wie der IS in der Lage war, sein Ölgeschäft vor Luftangriffen zu schützen. Die USA handelten. Die Erkenntnisse aus dieser Operation führten zu einer Reihe von Luftangriffen auf die Öl-Anlagen des IS, die den Namen "Operation Tidal Wave II" trugen.

Die Luftschläge der USA, Russlands und Frankreich beendeten das Ölgeschäft. "Die Gruppe kann nicht länger genug Treibstoff herstellen, um die Nachfrage innerhalb seines eigenen Gebietes zu befriedigen, wie die hohen und volatilen Preise zeigen. Es gibt einfach nichts mehr zu exportieren", schließt der "Iraq Oil Report".

Auch der niedrige Ölpreis zerstört dem IS sein Geschäft. "Weltweite Preise für Rohöl sind so niedrig, dass, selbst wenn Schmuggler in der Lage wären, internationale Grenzen zu überqueren, die Ausgaben der Reise - gemessen in Treibstoff, Zeit und Bestechungsgeldern - alle Profit auslöschen würden", schreibt der Report.

Der IS braucht das Öl-Geld nicht nur, um Waffen zu kaufen. Er muss auch einen gewissen Wohlstand und funktionierende Infrastrukturen bereitstellen, um sich die Unterstützung der sunnitischen Stämme im Irak zu sichern, die ihm eher widerwillig folgen. Und dazu wird er nicht mehr lange in der Lage sein.

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