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27/12/2015 13:33 CET | Aktualisiert 27/12/2015 13:35 CET

Rätselhaftes Syndrom: Menschen wachen nachts auf und können sich nicht bewegen

Hemera Technologies via Getty Images
Woman sleeping in bed

Es passiert in den Phasen, in denen man entweder gerade einschläft oder aufwacht: das Gefühl, sich nicht bewegen zu können, wie gelähmt zu sein. Man möchte sich zum Beispiel vom Rücken auf die Seite drehen oder sich aufsetzen - aber die Glieder gehorchen nicht. Betroffene schildern, es würde sich anfühlen wie Zement in Armen und Beinen, dieses seltsame Phänomen.

Die Erfahrung nennt sich "Schlafparalyse", die fast vollständige Lähmung der Muskulatur während des Schlafs. Nicht einmal Sprechen ist möglich, das Atmen kann man nicht bewusst steuern.

Umheimlich: Wenn das Monster im eignen Zimmer sitzt

Auch wenn es Angst macht - gefährlich ist es bei vereinzeltem Vorkommen nicht. Wer dieses Gefühl, die Glieder im Halbschlaf nicht mehr rühren zu können, bereits hatte, kann also beruhigt sein - und etwas über sich lernen.

Denn die reale Umwelt lässt sich in der Starre noch immer wahrnehmen, denn die Augen lassen sich weiter bewegen. Betroffene können auf diese Weise gleichzeitig das eigene Schlafzimmer aber auch Elemente aus den Träumen sehen. In dieser Mischung kann zum Beispiel plötzlich ein Monster im Zimmereck sitzen oder das Bett zum Fliegen beginnen.

Es ist sogar möglich, dass man glaubt, Fahrtwind zu spüren oder die Berührungen des Monsters, wenn es sich über einen hermacht. Man fühlt sich zwar, als wäre man bei Bewusstsein - aber solche Halluzinationen sind der Beweis, dass man noch in seinen Träumen hängt.

Das steckt dahinter

Die Erklärung dafür ist eigentlich ganz einfach. In der Regel wird der Zustand deshalb nicht bewusst wahrgenommen, weil er beim Aufwachen ohne Verzögerung beendet wird. Man erfährt die Starre bewusst, wenn der Geist noch oder wieder halb im Wachzustand ist, der Körper aber noch schläft - genannt Wachanfall.

Tatsächlich erfährt man diese Schlafstarre aber wesentlich öfter als man es merkt: während der REM-Schlafphase. Dabei bemerkt man es allerdings nicht - schließlich träumt man ja gerade lebhaft und schläft fest. Nur am Augenzucken, das typisch für die traumreichste Schlafphase ist, lässt sich das Phänomen von außen erkennen.

Schlafparalyse - eigentlich ein nützlicher Mechanismus

Wie seltsam das Phänomen vielleicht klingen mag: Eigentlich ist die Schlafparalyse sogar sehr sinnvoll für uns. Sie verhindert, dass wir im Traum erlebte Bewegungen nicht auch in der Realität ausführen. So verschont sie zum Beispiel unseren Partner vor den Schlägen, die wir eigentlich gerade gegen Ninjas austeilen wollen - und auch unser Kissen vor zu vielen Küssen bei etwas weniger kämpferischen Träumen.

Mit diesem Wissen muss man also keine Angst mehr haben, falls man jemals die Schlafparalyse mit seinen Halluzinationen erlebt. Manche genießen es sogar. Immerhin wird das bewusste Erleben des Zustands als Ausgangspunkt für außerkörperliche Erfahrungen beschrieben - ein Gefühl, das manche sehr spannend finden.

Wann man die Starre nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte

Wer häufig an der Schlafstarre leidet, sollte aber trotzdem ins Grübeln kommen. Im einfachen Fall reicht es, die Gewohnheiten ein wenig zu ändern. Zum Beispiel sollte man sich fragen, ob man genug schläft oder viele unruhige, angstgeprägte Alpträume hat.

Wichtig ist dann, sich weniger zu belasten und sich vor allem vor dem Schlafengehen vom Stress zu befreien, alles gehen zu lassen. Auch Horrorfilme vor dem Schlafengehen sollten besser ausbleiben - nicht, dass einen die gruseligen Gestalten noch im eigenen Zimmer verfolgen. Es gilt: Wenn der Körper nicht gestresst ist, sollte den normalen Schlafphasen nichts im Weg stehen.

Betroffene müssen mit einer lebensbedrohenden Gefahr rechnen

Auch sollte man einen Blick auf die Medikamente werfen, die man einnimmt und prüfen, ob man vielleicht eines davon nicht gut verträgt. Auch eine erbliche Häufung ist möglich: Wenn schon die Eltern Schlafprobleme haben, ist man selbst anfälliger für die bewusste Starre.

Aber nicht bei allen lassen sich die Schlafparalysen zu leicht bekämpfen. Im Ernstfall könnten die bewussten Paralysen auch mit ernsthaften Krankheiten wie Narkolepsie, Schlafapnoe-Syndrom, Migräne und Angststörungen zusammenhängen. Dann hilft nur noch ein Arztbesuch gegen das Phänomen, das für viele Fluch und für einige wenige Segen ist.

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