POLITIK
27/12/2015 06:45 CET | Aktualisiert 27/12/2015 07:23 CET

"Die Bundeswehr ist im freien Fall": Die dramatische Warnung des Wehrbeauftragten

Getty

Dramatische Worte: "Die Bundeswehr ist seit 25 Jahren personell im freien Fall", sagt der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, in einem Interview mit der dpa.

Er fordert, die Truppe angesichts der weltweiten Krisen um mindestens 7000 Soldaten zu vergrößern.

Hintergrund ist eine radikale Schrumpfkur: Von den fast 600 000 Soldaten unmittelbar nach der Wiedervereinigung sind heute nur noch 178 000 übrig. "Das muss jetzt mal wieder umgedreht werden. Es kann nicht weiter zurückgehen, es muss hoch", sagte Bartels.

Den Deutschen wäre eine größere Armee durchaus Recht: Eine Mehrheit befürwortet eine Vergrößerung der Bundeswehr, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Nur 30 Prozent der Deutschen halten eine Aufstockung der Truppe für falsch.

Laut dem Wehrbeauftragten müsse die Zahl der Soldaten auf mindestens 185 000 steigen. "Aber warum nicht auch 187 000 oder sogar mehr? Man muss die Zahl erreichen, die nach den Strukturen, die ausgeplant sind, wirklich gebraucht wird."

"In manchen Bereichen stößt man so langsam ans Limit", sagte Bartels. "Die Bundeswehr kann ihre Einsätze leisten, aber wir sollten wieder verstärkt den Blick darauf richten, was zu Hause getan werden muss, damit das auch so bleibt."

Der Wehrbeauftragte fordert unter anderem eine Erhöhung der Dienstposten für freiwillig Wehrdienstleistende. Derzeit gibt es nur 5000 solcher Stellen, obwohl durchschnittlich 10 000 Freiwillige bei der Bundeswehr beschäftigt sind.

"Freiwillig Wehrdienstleistende, die keinen Dienstposten haben, braucht man nicht", sagte Bartels. "Das ist auch für die jungen Leute eine Zumutung." Die Dienstposten sind feste Planstellen mit klarer Aufgabenzuteilung. Für die darüber hinaus eingestellten Freiwilligen gilt diese klare Einbindung in die Bundeswehrstrukturen nicht.

Der Wehrbeauftragte setzt sich auch für eine deutliche Erhöhung des Wehretats ein. Die bis 2019 geplante Anhebung von 33 auf 35 Milliarden Euro reicht seiner Meinung nach nicht aus.

Der Anteil der Militärausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde damit sogar von 1,16 Prozent in 2015 auf 1,07 Prozent in 2019 fallen. "Das reicht nicht. Wir sollten schon relativ zügig auf 1,2 Prozent kommen", sagte Bartels. Allerdings wäre Deutschland damit noch weit von der Marke zwei Prozent entfernt, die sich die Nato selbst als Ziel gesetzt hat.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.