POLITIK
26/12/2015 03:01 CET | Aktualisiert 26/12/2015 15:31 CET

Nur 16 Prozent sehen sie als Chance: Umfrage zeigt, wie skeptisch die Deutschen gegenüber Flüchtlingen sind

dpa

Die Deutschen werden immer skeptischer gegenüber Flüchtlingen. Lediglich 16 Prozent stimmten in einer Befragung des Ipsos-Instituts für den Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski der Aussage zu: "Die Flüchtlingswelle wird uns mehr wirtschaftliche Chancen als Probleme bringen".

Kaum mehr Deutsche glauben, dass sich das Bild ihres Landes in der Welt durch die Willkommenskultur verbessert. "Deutschland wird durch die Aufnahme der vielen Flüchtlinge an Ansehen in der Welt gewinnen" - diesen Satz befürworteten in der Befragung nur 20 Prozent. In Osten sehen das lediglich 12 Prozent so, in Westdeutschland 22. Unter Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) ist der Anteil mit 32 Prozent allerdings deutlich höher.

Die Umfrage bestätigt einen breiteren Trend: Erst kürzlich hatten der Zukunftsforscher und die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen von einer Rückkehr der "German Angst" gesprochen. Erstmals seit Jahren blicke die Mehrheit der Deutschen eher mit Angst als Zuversicht auf das kommende Jahr, die Zahl der Pessimisten sei deutlich größer die der Optimisten.

Allerdings: Viele Deutsche helfen den Flüchtlingen weiterhin. Wie eine Umfrage kürzlich ergab, haben rund 8 Millionen Menschen den Flüchtlingen seit Beginn der Flüchtlingskrise auf die ein oder andere Art geholfen.

Eine Mehrheit der Deutschen hält laut der Umfrage die Politiker für überfordert. 56 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: "Die Politiker sind den Herausforderungen der Zeit immer weniger gewachsen." In Ortschaften unter 5000 Einwohnern sind es gar 66 Prozent, die von der Politik kaum noch Lösungen erwarten. "Generell nehmen die Vertrauensverluste gegenüber der Politik zu", konstatierte Opaschowski.

Das Gegenmittel ist eine Hinwendung ins Private. Die Bürger reagierten mit mehr zwischenmenschlichem Vertrauen im privaten Bereich und suchten soziale Geborgenheit in der Familie oder im Freundeskreis, erklärte Opaschowski. Er verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach die Ehen wieder stabiler werden und die Zahl der Scheidungen sinkt.

Die BAT-Stiftung sieht ebenfalls eine "Renaissance der menschlichen Nähe". Sie berief sich dabei auf eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK. Demnach erwarten 44 Prozent der Befragten im kommenden Jahr, dass die Menschen näher zusammenrücken, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem Auseinanderdriften rechnen 56 Prozent, drei Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Eine Lösung wollen die Zukunftsforscher auch schon gefunden haben. Opaschowski selbst meinte, dass die Zuwanderung nicht problematisch verlaufen müsse, wenn es für das Zusammenleben klare Prinzipien wie in den USA gebe. Als Beispiel nannte er erfolgreiche amerikanische Firmen, die Mitarbeiter aus bis zu 80 verschiedenen Nationen hätten, aber auch alles bis ins Detail über Compliance (Regeltreue) und Checklisten festlegten.

"Als Wegweisung braucht man in Zukunft Verhaltensregeln", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bestimmte Dinge wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau müssten einfach akzeptiert werden, damit ein gutes Zusammenleben möglich sei. Die Menschen wünschten sich das, auch wenn viele noch am Gelingen zweifelten. "Das Leitbild der nächsten Monate muss eigentlich lauten: gut zusammenleben", betonte Opaschowski.

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