POLITIK
26/12/2015 17:28 CET | Aktualisiert 26/12/2015 17:28 CET

Tschechiens Präsident nennt Flüchtlingsstrom "organisierte Invasion"

Tschechiens Präsident nennt Flüchtlingsstrom "organisierte Invasion"
Tschechien
Tschechiens Präsident nennt Flüchtlingsstrom "organisierte Invasion"

In Weihnachtsansprachen wird traditionell menschliche Kälte verdammt und die Liebe gepriesen. Bundespräsident Joachim Gauck etwa sagte, wer Asylbewerber angreife, verdiene Verachtung und Strafe. Er lobte, viele Deutsche hätten in der Flüchtlingskrise Menschlichkeit bewiesen, etwa und Kleidung und Essen gespendet. Und er warnte vor falscher Polarisierung in der Flüchtlingsfrage.

Tschechiens Präsident hat sich für die umgekehrte Variante entschieden. Er verurteilte die aus seiner Sicht naive Willkommenskultur Europas. Und forderte zum Kampf auf.

Milos Zeman sagte: "Manchmal komme ich mir vor wie Kassandra, die davor warnt, das Trojanische Pferd in die Stadt zu holen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, dass das, womit wir es hier zu tun haben, keine spontane Fluchtbewegung ist, sondern eine organisierte Invasion." Und eine solche will er nicht im Land haben:

"Dieses Land ist unser Land, es ist nicht für alle da und kann auch nicht für alle da sein", sagte er zum Abschluss seiner von mehreren TV-Sendern ausgestrahlten Ansprache. http://www.ceskatelevize.cz/ct24/domaci/1644064-vanocni-poselstvi-prezidenta-blba-nalada-skoncila-je-duvod-ke-kritickemu-optimismu

Zeman forderte junge Männer aus Syrien auf, in ihrer Heimat gegen die Islamisten zu kämpfen, anstatt nach Europa zu fliehen.

Absurd ist auch: Noch in dieser Woche hatte der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka in der „Süddeutschen Zeitung“ den Vorwurf mangelnder Solidarität in der Flüchtlingskrise zurückgewiesen. „Wir sind solidarisch. Wir haben Polizisten nach Slowenien, Ungarn und Mazedonien geschickt. Wir haben Slowenien, Kroatien und Serbien humanitäre Hilfe gewährt. Dazu musste uns niemand aus Brüssel zwingen“, sagte er.

Dennoch liegen beide Politiker auf einer Linie: Sobotka bekräftigte seine Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Entscheidung, zunächst unbegrenzt Bürgerkriegsflüchtlinge insbesondere aus Syrien aufzunehmen. „Deutschland hat ein Signal ausgesandt, das in weiten Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas zu hören und zu sehen war. Das hat zur illegalen Migration in Richtung Europa gereizt.“

In Tschechien haben in diesem Jahr knapp 1400 Ausländer Asyl beantragt. Davon wurden nach Angaben des Innenministeriums 70 positiv beschieden. Deutschland verzeichnete Anfang Dezember offiziell eine Million Flüchtlinge seit Jahresbeginn.

Lesenswert:

Auch auf HuffPost:

Sie drastisch stellt eine spanische Kirche die Flüchtlingssituation dar

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.