POLITIK
26/12/2015 04:46 CET | Aktualisiert 26/12/2015 09:35 CET

Sterben die Parteien aus? SPD und CDU laufen die Mitglieder davon

dpa
Parteien werden für junge Menschen immer unattraktiver

Eine Urkunde in der Hand, am Kragen die Anstecknadel für jahrzehntelange Parteimitgliedschaft: solche Ehrungen dürften seltener werden. Denn die Parteien verlieren Mitglieder. Die SPD hatte nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" Ende November 445.534 Mitglieder, Ende 2014 waren es nach Angaben des Berliner Politologen Oskar Niedermayer noch knapp 460.000.

Bei der CDU sieht es ähnlich aus: Ende November hatte die konservative Partei 446.859 Mitglieder, knapp 10.000 weniger als noch zum Ende vergangenen Jahres.

Die bayerische Schwester CSU meldete für Dezember rund 145.000 Mitglieder und einen Verlust von 2000. Auch Grüne und Linke und FDP haben mit Schwund zu kämpfen. Die Entwicklung der Mitgliederzahl sei stabil bei 54.000, sagt FDP-Chef Christian Lindner.

Ende 2014 registrierten die Liberalen allerdings knapp 1000 Mitglieder mehr. Lediglich die AfD konnte dem Bericht der Zeitung zufolge ihre Mitglieder auf rund 19.000 steigern.

Junge Menschen sind abgeschreckt

Trotz der schlechten Werte sind die Politiker optimistisch. "Es treten aber auch jeden Monat rund 1000 Menschen in die CDU ein", sagt CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Durch mehr Mitsprache und bessere Serviceangebote wolle man die Politik wieder attraktiver machen. Angesprochen werden sollen vor allem Frauen, Jüngere und Menschen mit Migrationshintergrund.

Ob die CDU mit diesem Konzept Erfolg haben wird, bleibt fraglich. Es gebe genügend Gründe, die die Parteien gar nicht beeinflussen können, sagt Niedermayer. Soziale Strukturen wie das Arbeitermilieu gebe es nur noch in Resten, familiäre Gründe für einen Eintritt in eine Partei seien mittlerweile selten.

Dabei sind die Deutschen nicht parteiverdrossen, vor allem bei den Jüngeren ist das Ansehen der Parteien besser als ihr Ruf. "Es ist nicht so, als würde kein Austausch stattfinden oder keine neuen Leute kommen", sagt Niedermayer. Es würden sogar überdurchschnittlich viele junge Leute eintreten.

Mehr direkte Demokratie

Doch ebenso wie der Rest der Gesellschaft altern auch die Parteien. Laut Niedermayer sterben jährlich durchschnittlich rund 1,5 Prozent der Parteimitglieder. "Das müssen die Parteien erstmal auffüllen, um auf dem gleichen Level zu bleiben." Dazu kommen noch Austritte.

"Es sind nicht nur die finanziellen Kosten, sondern auch Zeit, Mühe, wenn man da auf die Ochsentour durch die Parteien geht", sagt Niedermayer. "Wenn so ein junger Mensch in den Ortsverein reinschnuppert und sieht, die beschäftigen sich nur mit der Abwasserzweckverbandsabgabe und man will die Welt retten, dann ist das nicht so prickelnd."

"Wähler wollen direkte Beteiligung"

Wer politisch aktiv werden will, hat heute andere Möglichkeiten, wie Online-Petitionen, Bürgerinitiativen oder Demonstrationen. Viele, vor allem jüngere Menschen, engagieren sich lieber für ein bestimmtes Thema als eine komplette Parteiagenda. Das hat man mittlerweile sowohl bei den Konservativen als auch im linken Lager erkannt.

Die Partei müsse sich an neue Gegebenheiten anpassen, es gebe ein Bedürfnis an mehr direkter Beteiligung, sagt Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Auch die Grünen wollen mehr Beteiligungsmöglichkeiten wie Urwahl und Mitgliederbefragung. "So wollen wir weitere Mitglieder gewinnen", sagt der politische Geschäftsführer Michael Kellner.

Verwaiste Mitgliederversammlungen oder ein Parteiensterben sind trotz schlechter Zahlen also eher nicht zu erwarten. Und spätestens der nächste Bundestagswahlkampf könnte den Parteien wieder viele Neueintritte bescheren - wie es schon 2013 der Fall war.

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