POLITIK
25/12/2015 12:08 CET | Aktualisiert 26/12/2015 07:09 CET

Russland will offenbar Geheimdienstinformationen mit den Taliban austauschen

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Russland unter Präsident Wladimir Putin will offenbar Geheimdienstinformationen mit den Taliban austauschen

Russland geht offenbar einen gefährlichen Pakt ein: Wie der US-Sender CNN am Freitag berichtet, will Russland mit den islamistischen Taliban in Afghanisten zusammenarbeiten, um die ebenfalls islamistischen Terroristen des IS dort zu bekämpfen.

Konkret soll es um den Austausch von Geheimdienstinformationen gehen, zitiert der Sender eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Dabei solle es sich ausschließlich um Informationen zum Kampf gegen den Islamischen Staat handeln.

Offenbar erwägt Russland, auch Waffen nach Afganistan zu liefern. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch. Der russische Sondergesandte für Afganistan sagte demnach, dass das aber nur mit Vorsicht geschehen würde.

Die Taliban hätten eine mögliche Zusammenarbeit am Freitag dementiert. Angeblich bräuchten sie keine Hilfe, nähmen aber das Recht in Anspruch, bei Bedarf solche anzufordern.

Die IS-Terroristen dehnen ihren Einfluss offenbar immer weiter nach Afghanistan aus, ausgehend von Syrien und dem Irak. Jedenfalls berichten russische Behörden das bereits seit vielen Monaten. So soll der IS unter anderem versuchen, am afghanischen Drogengeschäft zu verdienen.

Das deckt sich mit der Einschätzung eines US-Kommandeurs. Er hatte dem Kongress laut CNN im November mitgeteilt, dass der IS in Afghanistan inzwischen über 3000 Kämpfer verfüge. Und dass Putin den IS vernichten will, zeigt diese Drohung – mit der schrecklichsten aller Waffen:

Warum Russland das tut? Experten sehen vor allem drei Gründe:

  • Kampf gegen Terrorismus: Eine Expertin des Center for Strategic and International Studies in Washington sagte dem Sender, sie vermute, dass Russlands Präsident Wladimir Putin versuche, die Verbindung zwischen Dschihadisten aus den russischen Kaukausus-Regionen zum IS zu kappen. Rein räumlich würde eine Ausbreitung des IS in Afghanistan die Wege nämlich kürzer machen.
  • Gute Beziehungen zu Kaukausus-Republiken: Ein ehemaliger CIA-Mann vermutet, dass Putin so versucht, die Beziehung zu den ehemaligen Sowjetrepubliken zu verbessern - die an einer Ausbreitung des IS in der Region kein Interesse haben. Wenn Putin so eine neue Quelle anzapft, hätte er wertvolle Informationen an diese Länder weiterzugeben - die ihm dann Dank schulden würden.
  • Machtdemonstration gegenüber den USA: Außerdem erhofft sich Putin wohl auch, Russlands Selbstverständnis als Weltmacht zu stärken. Putin hat in den letzten Monaten durch sein aktives Eingreifen in Syrien absolut klar gemacht, dass er diese Position nicht den dort bereits aktiven USA überlassen will.

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Trotzdem sind die Taliban ein indiskutabler Bündnispartner. Die Radikalen breiten sich derzeit massiv in Afghanistan aus und terrorisieren die Bevölkerung.

Russland hat Islamisten in Afghanistan schon lange bekämpft. Die damalige Sowjetunion hatte zwischen 1979 und 1989 Afghanistans säkulare kommunistische Regierung gegen diverse islamistische Gruppen unterstützt. Einerseits, damit die Radikalen ihre Macht nicht auch auf Turmkemistan, Usbekistan und Tadschikistan und Kirgisistan ausbreiten konnten.

Andererseits war der Krieg auch ein Stellvertreterkrieg, denn die Islamisten wurden von einigen Nato-Staaten, darunter den USA, unterstützt. Nach den Wirren des Krieges erstarkten dann die Taliban.

Auch in jüngerer Vergangenheit war Russland besorgt über die Macht der Taliban. So waren die Russen laut Medienberichten äußerst besorgt über den jüngsten Vormarsch der Taliban in Kundus.

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