POLITIK
25/12/2015 06:25 CET | Aktualisiert 25/12/2015 08:07 CET

Auf Lesbos ist Schwimmspielzeug für Kinder der traurige Beweis für eine gefährliche Reise

lesbos

Schwimmspielzeug für Kinder, daneben Rettungswesten, Schwimmreifen und Gummiboote -- das ist der Müll, der auf der griechischen Insel Lesbos herumliegt.

Wohin man auch schaut ist die ganze Küste voll von den Überresten der gefährlichen Reise von der Türkei nach Griechenland. Rettungswesten, Schwimmreifen und kaputte Schlauchboote sind mittlerweile fester Bestandteil der Küsten der idyllischen Insel Lesbos geworden.

Ich hatte bereits in den Nachrichten Bilder von Bergen orangefarbener Rettungswesten entlang der Strände gesehen, weshalb es mich bei meiner Ankunft nicht überraschte, diese Berge vorzufinden. Ich hatte jedoch nicht erwartet, auch überall zwischen dem herumliegenden Müll verteilt Schwimmspielzeug für Kinder zu finden.

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Spielzeug, das eigentlich für einen sonnigen Tag im Planschbecken gedacht ist, wurde stattdessen für die eventuelle Lebensrettung verängstigter Kleinkinder bei ihrer Überfahrt von der Türkei in die kalte, dunkle Nacht verwendet.

Zuerst fiel mir eine Spiderman-Rettungsweste für Kinder auf, die eigentlich für einen lustigen Badetag im Pool gemacht war. Nur wenige Schritte weiter sah ich Schwimmflügel, die mit einem lächelnden Krebs bedruckt waren. Ich marschierte den Strand entlang und mir wurde zum ersten Mal bewusst wie viel Schwimmspielzeug für Kinder herumlag. Ich war schockiert. Alle paar Meter lag wieder ein Spielzeug am Boden.

Ein Prinzessinnen-Schwimmflügel. Ein Schwimmreifen mit Rennauto-Druck für Kleinkinder. Dora the Explorer und anderen Zeichentrickfiguren ging unter der ägäischen Sonne allmählich die Luft aus. Ich war sehr getroffen -- ich dachte an die Zeit, als ich selbst als Kind mit ähnlichen Spielsachen im Planschbecken spielte.

Diese Produkte, die eigentlich Freude und Lachen in das Leben von Kindern bringen sollten, wurden von verzweifelten Familien benutzt, die auf der Suche nach einem besseren Leben dem Krieg zu entkommen versuchten. Spielzeug, das eigentlich für einen sonnigen Tag im Planschbecken gedacht ist, wurde stattdessen für die eventuelle Lebensrettung verängstigter Kleinkinder bei ihrer Überfahrt von der Türkei in die kalte, dunkle Nacht verwendet.

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Diese Spielsachen wurden nicht verwendet, um Terroristen vor dem Ertrinken zu bewahren, sie wurden dafür verwendet, unschuldige Kinder zu schützen -- sie auf einer Reise zu beschützen, auf die sie sich eigentlich gar nicht erst begeben müssen sollten.

Wenn irgendetwas die ungeschönte Realität von Flüchtlingen darstellen kann, dann sind es diese Bilder. Diese Spielsachen wurden nicht verwendet, um Terroristen vor dem Ertrinken zu bewahren, sie wurden verwendet, um unschuldige Kinder zu schützen -- sie auf einer Reise zu beschützen, auf die sie sich eigentlich gar nicht erst begeben müssen sollten.

Mein Blick fiel auf eine der kleinen Rettungswesten. Als ich die Sicherheitshinweise las, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. „Warnung: Dies ist keine Rettungsweste.“ Jeden Tag überqueren Flüchtlingskinder mit Schwimmspielzeug ausgerüstet die Ägäis in der Hoffnung, dass das aufblasbare Spielzeug ihr Leben rettet.

Später erfuhren wir, dass ein Boot kurz nach seiner Abreise aus der Türkei gekentert war. Berichten zufolge sind drei Kinder dabei ertrunken.

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„Achtung: Dies ist keine Rettungsweste“, steht auf einer der Spielzeugrettungswesten.

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Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington WorldPost erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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