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23/12/2015 05:02 CET | Aktualisiert 23/12/2015 05:03 CET

Drohnen-Zwischenfall mit Hirscher: FIS im Dilemma

Die Drohne stürzte direkt hinter Marcel Hirscher ab.
YouTube/Screenshot
Die Drohne stürzte direkt hinter Marcel Hirscher ab.

Ski-Star Marcel Hirscher wollte nicht an das Schlimmste denken. Renndirektor Markus Waldner war sauer: Eine Kamera-Drohne ist abgestürzt und hat Hirscher während des zweiten Durchgangs in Madonna di Campiglio knapp verfehlt.

Dabei kam das Flugobjekt dem Ski-Star so nahe, dass dieser sogar etwas gespürt habe. "Ich habe gedacht, dass ein Rutscher hinter mir ist oder eine Stange." Deshalb sei er weiter "fokussiert und konzentriert geblieben". Wie knapp es war, sieht man bei Sekunde 11 im Video:

Nach dem Studium der Fernsehbilder mit der unmittelbar hinter ihm abstürzenden und zersplitternden Drohne sagte der 26-Jährige im Interview: "Eine absolute Frechheit. Man darf gar nicht nachdenken, was da passieren kann. Bitte, passt besser auf!"

"Eine Schweinerei"

Im Gegensatz zu Österreich oder Deutschland ist es in Italien nämlich erlaubt, bei Ski-Rennen Drohnen einzusetzen. Die Gemüter sind nach dem Vorfall erhitzt. "Eine Schweinerei!", sagte Waldner am Dienstag.

Er sprach von einer nur knapp abgewendeten Katastrophe und kündigte an, so etwas nicht mehr zuzulassen. "Es war aber ausgemacht, dass der Pilot nicht über die Strecke fliegt, sondern nur über den Korridor", sagte Waldner. "Doch im zweiten Lauf ist der dann immer weiter reingeflogen. Ein Wahnsinn, was da passiert ist."

Der Präsident des Organisationskomitees von Madonna, Lorenzo Conci, betonte: "Ich kann nur meine persönlichen Gefühle zum Ausdruck bringen. Ich bin schockiert, dass so etwas passiert ist. Wir haben sehr, sehr viel Glück gehabt."

Drohnen-Unfall für FIS Dilemma

Für den Weltverband FIS steckt in diesem Vorfall auch ein Dilemma: Einerseits will der Sport beworben und jüngeren Fans schmackhaft gemacht werden. Spektakuläre Luft-Bilder oder auch neue Wettkämpfe wie der Parallel-Riesenslalom tags zuvor sind dafür Möglichkeiten.

Andererseits zählt der Sicherheitsaspekt: Beim Event am Montag hatte es etwa Kritiker gegeben, die die Gesundheit der Sportler bei Kollisionen gefährdet sahen.

Der Ski-Weltverband FIS hat eine umfassende Aufklärung des Drohnen-Zwischenfalls beim Slalom von Madonna di Campiglio angekündigt. Man werde mit allen beteiligten Parteien reden, um zu erfahren, wie es zu dem Unfall kommen konnte, hieß es in einer Stellungnahme am Mittwochmorgen.

Drohnen-Unfall für FIS Dilemma

"So etwas darf nie wieder passieren", schrieb die FIS. Der TV-Rechteinhaber "Infront" entschuldigte sich bei Hirscher und der FIS für den "unglücklichen Zwischenfall" und kündigte detaillierte technische Analysen und "so bald wie möglich" weitere Informationen an.

Dieses Mal hatten die Beteiligten noch einmal Glück gehabt. Letztlich ging alles glimpflich aus - und Hirscher nahm es sogar mit Humor. "Dichter Flugverkehr in Italien!", schrieb er bei Facebook neben dem Bild des Vorfalls.

Mit dpa-Material.

Dichter Flugverkehr in Italien!