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22/12/2015 11:52 CET

Streit in der AFD spitzt sich zu - Parteichefin Petry gerät in die Defensive

Nigel Treblin via Getty Images
Wackelt ihr Stuhl? AfD-Chefin Petry. Foto: DPA

Der Streit in der AfD hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Vor allem die Parteirechte hat wenig Lust auf einen vorzeitigen Weihnachtsfrieden. Fünf Monate nachdem sie Parteigründer Bernd Lucke erfolgreich aus dem Weg geräumt hat, muss Parteichefin Frauke Petry deshalb selbst um die Macht kämpfen. Ihr stärkster Widersacher ist Björn Höcke, der Rechtsaußen aus Thüringen.

Zwar denkt im Vorstand der Alternative für Deutschland angesichts guter Umfragewerte niemand laut darüber nach, die Vorsitzende abzusägen. Ihr mächtiger Stellvertreter, Alexander Gauland aus Brandenburg, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich stehe völlig loyal zu Frauke Petry." Doch das liegt weniger daran, dass Petry den Laden im Griff hat, sondern ist eher der Tatsache geschuldet, dass man den Wählern so kurz nach dem Abgang von Lucke keine neuen Personalquerelen zumuten will.

Die "Reproduktionsstrategie" afrikanischer Migranten

Die Meinungsführerschaft in der Partei kann Petry momentan aber nicht für sich beanspruchen. Das Image der AfD wird immer stärker von Höcke geprägt, der in der Asyldebatte auch vor Stammtischparolen nicht zurückschreckt. Das nervt nicht nur Petry.

Anfang Dezember kritisierten zwar bereits einige AfD-Funktionäre Höcke, weil er der rechtsextremen Partei Front National nach einem Wahlerfolg gratuliert hat - schon wieder ein Alleingang ohne Absprache mit dem Bundesvorstand. Als dann Höcke die AfD dann auch noch mit biologischen Theorien über die "Reproduktionsstrategie" afrikanischer Migranten dem Vorwurf des "Rassismus" aussetzt, wittert Petry eine Gelegenheit, den lästigen Rivalen loszuwerden. Sie schlägt dem Vorstand Ordnungsmaßnahmen gegen Höcke vor - und scheitert.

Unbequeme Retourkutsche für Petry

Doch so leicht gibt sich Petry nicht geschlagen. Nach einer kräftezehrenden Vorstandssitzung stellt sie sich erschöpft vor eine Fernsehkamera. Sie sagt, dass Höcke "sehr stark überdenken muss, ob er noch Landesvorsitzender in Thüringen bleiben kann". Gauland gefällt das nicht. Er sagt: "Ich hatte das Gefühl, dass hier das, was der Bundesvorstand beschlossen hat, im Nachhinein ergänzt und umgedeutet wurde."

Auch Petrys Argument, Höcke sei nur Landesvorsitzender und dürfe deshalb nicht den Eindruck erwecken, er spreche für die gesamte AfD, lässt Gauland nicht gelten. Er sagt: "Auch Marcus Pretzell äußert sich nicht nur über Landespolitik." Für Petry ist das eine unbequeme Retourkutsche. Denn seitdem sie ihre Liebesbeziehung zu dem nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Pretzell öffentlich gemacht hat, fragen sich einige Parteifreunde, ob der umstrittene NRW-Chef womöglich Petrys politische Entscheidungen beeinflusst.

Höcke taucht ab

Auch von Jörg Meuthen, der seit dem Parteitag im November offiziell gleichberechtigter Co-Vorsitzender ist, erhält Petry wenig Hilfe. Nach Angaben aus AfD-Kreisen hat sich auch Meuthen in der letzten Vorstandssitzung gegen Petrys Vorschlag ausgesprochen, Höcke zur Niederlegung seiner Parteiämter aufzufordern.

Höcke selbst wollte sich auf Anfrage der Huffington Post nicht zu dem Streit äußern. In der Thüringer Landtagsfraktion haben sich die meisten Abgeordneten derweil bereits in den Weihnachtsurlaub verabschiedet.

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