POLITIK
22/12/2015 12:56 CET | Aktualisiert 22/12/2015 12:58 CET

Matteo Renzi kritisiert deutschen Einfluss in der EU: "Europa muss allen Ländern dienen"

dpa
Matteo Renzi kritisiert die deutsche Vorherrschaft

Der italienischen Ministerpräsident Matteo Renzi beklagt eine deutsche Vorherrschaft in der EU: "Europa muss 28 Ländern dienen, nicht nur einem", sagte Renzi in einem Interview der britischen Tageszeitung "Financial Times". Zugleich betonte er, dass er Bundeskanzlerin Angela Merkel sehr schätze. Die beiden hätten ein ausgezeichnetes persönliches Verhältnis.

Kein gutes Haar ließ der Italiener an der von Merkel durchgesetzten Sparpolitik. Diese, sagte Renzi mit Blick auf das Wahlergebnis in Spanien, begünstige die Populisten. In Spanien hatte der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy am vergangenen Sonntag die parlamentarische Mehrheit verloren. Zwei neue politische Gruppierungen, die linke Podemos und die liberale Ciudadanos, erzielten starke Ergebnisse und setzten so dem jahrzehntelangen Zweiparteiensystem im Land ein Ende.

Schon beim EU-Gipfel Ende voriger Woche in Brüssel war Renzi als ein Wortführer der Merkel-Gegner aufgetreten. So sind die Italiener etwa verärgert über die Anschuldigungen aus Deutschland, die Einrichtung von sogenannten "Hotspots" zur Registrierung von Flüchtlingen würde in Italien nicht vorankommen.

Die Kritik aus Brüssel, dass Italien von Migranten keine Fingerabdrücke nehme, wies er entschieden zurück: "Das war vielleicht früher mal so. Jetzt nehmen wir Fingerabdrücke, machen Fotos und prüfen die Iris. Mehr können wir nicht tun", sagte der sozialdemokratische Politiker, der seit Februar 2014 der italienischen Regierung vorsteht. Auch Deutschland habe im Sommer zeitweilig keine Fingerabdrücke von den Flüchtlingen genommen.

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