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22/12/2015 09:33 CET | Aktualisiert 22/12/2015 09:33 CET

Gurlitt-Taskforce: Viel Zeit, doch das Ergebnis ist gering

dpa
Das Ergebnis der Taskforce zu dem Kunstfund von Cornelius Gurlitt.

Nach dem spektakulären Münchner Kunstfund von Sammler Cornelius Gurlitt waren die Erwartungen an die Taskforce hoch. Ihre Bilanz? Mager. Bei gerade mal fünf von rund 500 raubkunstverdächtigen Werken ließ sich klar Nazi-Unrecht nachweisen. Nach zweijähriger Arbeit und 1,7 Millionen Euro Fördergeldern eine Aufklärungsquote von einem Prozent.

Mehr kann wohl von der Tasforce nicht erwartet werden. Denn diese sollte ihre Arbeit 2015 "im Wesentlichen" abgeschlossen haben und so steht das Expertengremium vor seiner Auflösung - und vor einem Debakel, wie manche Kritiker meinen.

Rückgabe der Raubkunst nicht zügig genug

"Eine Blamage", befinden Grüne und Linke. Und vor allem die Opfer sind enttäuscht. Die Taskforce habe die Aufklärung nicht genügend vorangetrieben und damit die Rückgabe von Raubkunst - anders als von den Überlebenden der Shoah und ihren Erben erwartet - nicht zügig erledigt, kritisiert Ruediger Mahlo von der jüdischen Opfervertretung Claims Conference in Deutschland.

Mitte Januar will die Taskforce offiziell ihren Abschlussbericht vorlegen. Zu jedem der 499 zweifelhaften Werke, seit Ende 2013 auf der Datenbank "Lost Art" eingestellt, sollen die bis dahin gesicherten Ergebnisse zusammengefasst werden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) versprach die Rückgabe von NS-Raubkunst "ohne Wenn und Aber".

Der Fall Gurlitt

Seit zwei Jahren sorgt der Fall Gurlitt für Schlagzeilen. Damals war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft in der Münchner Wohnung des Eigenbrötlers mehr als 1250 teils hochkarätige Kunstwerke beschlagnahmt hatte. Später kamen aus seinem heruntergekommenen Haus in Salzburg nochmals fast 250 Bilder hinzu - darunter Arbeiten von Picasso, Renoir und Monet.

Die jahrzehntelang geheim gehaltene Sammlung stammt von Gurlitts Vater Hildebrand, der trotz seiner teils jüdischen Abstammung einer der wichtigsten Kunsthändler der Nazis war - und nebenher eine private Sammlung aufbaute. Die Forscher sollten klären, wie viele seiner Bilder den einstigen jüdischen Besitzern von den Nazis gestohlen oder zu Spottpreisen abgepresst worden waren.

Wer ist Schuld an der mageren Bilanz?

Schon vor der Abschlussbilanz warnte Taskforce-Chefin Ingeborg Berggreen-Merkel bei Anhörungen im Bundestag und im Bayerischen Landtag vor allzu großen Hoffnungen. "Bei einer ganzen Reihe von Werken wird sich die Herkunft wegen fehlender Quellen wohl nicht mehr lückenlos klären lassen", sagte sie.

Wer ist - neben der schwierigen Quellenlage - verantwortlich für die magere Bilanz? Die Verantwortlichen halten sich mit öffentlichen Schuldzuweisungen auffallend zurück. Fest steht aber, dass viele der nationalen und internationalen Experten gar nicht selbst Provenienzforscher waren, sondern sich allenfalls als Vermittler oder Netzwerker einschalten konnten.

Neues Projekt geplant

Zudem gab es angesichts der riesigen Datenmengen Reibungsverluste bei der internen Kommunikation. Und auch die Zuordnung zu dem Anfang 2015 gegründeten Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg hat nach Einschätzung von Insidern wertvolle Zeit gekostet.

Im neuen Jahr soll die Arbeit nach dem Willen von Staatsministerin Grütters nun in einem neuen Projekt unter dem Dach des Magdeburger Zentrums weitergeführt werden. Deutschland steht dabei unter besonderer Beobachtung. Denn international gilt der Umgang mit dem Gurlitt-Erbe als ein Signal, wie sich Deutschland heute dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit stellt.

Taskforce will schneller arbeiten

"Natürlich müssen wir die Ergebnisse der Taskforce erst abwarten", sagt Uwe M. Schneede, Stiftungsvorstand des Magdeburger Zentrums. "Aber unser Ziel ist in jedem Fall, schneller und transparenter zu arbeiten. Wir wollen aus Fehlern lernen."

Größter Unsicherheitsfaktor bleibt vorerst jedoch weiter der Rechtsstreit um das Erbe. Gurlitt hatte die Sammlung mit seinem Tod 2014 dem Kunstmuseum Bern vermacht, eine Cousine ficht das Testament an. Bis zum 1. Februar können die Beteiligten nun zu einem Gutachten über Gurlitts Geisteszustand Stellung nehmen. Erst danach wird das Oberlandesgericht München entscheiden.