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22/12/2015 06:51 CET | Aktualisiert 22/12/2015 09:05 CET

Facebooks großes Ziel: Eine Plattform für alle Lebenslagen werden

Peter Dasilva/epa
Mark Zuckerberg hat ein erklärtes Ziel: Er will die Welt mittels Facebook vernetzen.

Facebook stellte in diesem Jahr neue Rekorde auf: 1,5 Milliarden Nutzer weltweit, eine Milliarde täglich. Das sind Zahlen, die in ihren Dimensionen nur schwer zu fassen sind.

Doch für das weltgrößte Online-Netzwerk ist das alles andere als genug. Gründer Mark Zuckerberg macht Druck, Milliarden Menschen in Entwicklungsländern ins Netz - und gleichzeitig zu Facebook - zu bringen. Und zugleich sollen Facebook und seine Dienste zu einer Plattform werden, die man immer seltener verlassen muss, egal, was man im Netz vorhat.

Facebook als eine Art Schweizer Taschenmesser

So wird der Facebook-Messenger "M" mit zuletzt mehr als 700 Millionen Nutzern zu einer Art Schweizer Taschenmesser unter den Kurzmitteilungsdiensten entwickelt. Ein paar Funktionen im Überblick:

  • Mit einer Funktion kann man zahlen und Freunden kleinere Geldbeträge überweisen.
  • Es gibt einen Video-Chat.
  • Vor Kurzem startete das ambitionierte Projekt eines persönlichen Assistenten direkt im Messenger.
  • Ein Button für den direkten Zugriff auf Fahrdienste wie Uber wurde für US-Nutzer eingefügt.

"M" soll den Nutzern bei allen möglichen Alltagsproblemen helfen: einen Tisch im Restaurant reservieren, ein Geschenk für den Partner aussuchen, ein Reiseziel fürs Wochenende auswählen und gleich buchen.

Facebook geht in Konkurrenz zu anderen Diensten

"Er kann Dinge, die niemand sonst kann", prahlte Messenger-Chef David Marcus bei der Vorstellung im August. Und damit blickte er auf andere digitale Assistenten wie Apples Siri oder Microsofts Cortana. Denn neben Algorithmen setzt Facebook bei "M" auch auf menschliche Helfer, die dafür sorgen sollen, dass jede Anfrage erfüllt wird. Das bedeutet:

  • Facebook will der Google-Tochter YouTube mit mehr Videos Konkurrenz machen. Es lässt auch Live-Videos streamen.
  • Mit integrierten Mini-Onlineshops in der Mobil-App wird experimentiert.
  • Mehr als 400 Millionen Nutzer sind beim Foto-Dienst Instagram.
  • Mit "Instant Articles" will man zu einer Plattform für Artikel klassischer Medien werden.

Die "Instant Articles" werden also bei Facebook gespeichert, damit es keine Wartezeiten gibt. Die "Washington Post", die inzwischen Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört, kündigte bereits an, alle ihre Artikel werden zu Facebook kommen. Andere Medien waren nicht so begeistert und Facebook musste jüngst die Konditionen bei der Werbung nachbessern.

Facebooks Ambitionen in den Entwicklungsländern

Doch am deutlichsten werden Facebooks Ambitionen in den Entwicklungsländern, wo Milliarden Menschen noch nicht online sind. Dort bietet das Online-Netzwerk in seiner Initiative "Internet.org" einen abgespeckten Facebook-Service zusammen mit anderen Online-Diensten an. Sehr günstig oder sogar kostenlos.

"Wir wissen, dass Facebook einer der Hauptgründe ist, weshalb Menschen vor allem in Entwicklungsländern Telefone kaufen", sagte die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg schon Anfang des Jahres. "Die Menschen gehen in Telefon-Läden und sagen: 'Ich will Facebook'. Die Leute verwechseln Facebook und Internet mancherorts."

Mark Zuckerberg lässt keine Zweifel: Er meint es ernst mit seinem Ziel, mit seinem Netzwerk die ganze Welt zu verbinden. "Selbst wenn das bedeutet, dass Facebook dafür im nächsten Jahrzehnt Milliarden Dollar ausgibt, glaube ich, dass es auf lange Sicht gut für uns und die Welt sein wird", sagte er bei einem Auftritt im September.

Auch für Zuckerbergs Dienste gibt es Grenzen

In Indien überwand Facebook massive Proteste gegen seinen kostenlosen, aber eingeschränkten Internet-Zugang "Free Basics" und führte ihn im November landesweit ein. Nach der Kritik wurde die Plattform für alle Dienste geöffnet - nur beim Datenverkehr müssen sie sparsam sein.

Zugleich zeigt sich, dass auch Facebook nicht alle Netz-Bereiche knacken kann. Vor wenigen Wochen löste das Online-Netzwerk sein App-Labor Creative Labs auf und zog drei Anwendungen zurück.

Dazu gehörten die für anonyme Nutzung ausgelegte Chat-App "Rooms", die erst im April vorgestellte Video-App "Riff" und die Anwendung "Slingshot" - bereits der zweite fehlgeschlagene Versuch, mit Snapchat und seinen von alleine verschwindenden Fotos zu konkurrieren.

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