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21/12/2015 09:11 CET | Aktualisiert 21/12/2016 06:12 CET

Nach Udo Jürgens' Tod: Falsche Grabplatten und Erb-Streitigkeiten

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Nach dem Tod des Entertainers ist viel passiert.

Vor einem Jahr hat die deutschsprachige Musikwelt ihren größten Entertainer verloren. Obwohl Udo Jürgens (1934-2014, "Der Mann ist das Problem") bei seinem tödlichen Herzinfarkt am 21. Dezember 2014 schon 80 Jahre alt war, traf die Nachricht die Fans wie ein Schock. Immerhin stand der Sänger immer noch "Mitten im Leben", wie er auch sein letztes Album genannt hatte. Seine Tournee hatte er für 2014 gerade abgeschlossen, die Termine für das nächste Jahr waren schon geplant, als unvermittelt der Vorhang fiel.

Große Gedenkfeier, intime Bestattung

Sehen Sie Udo Jürgens mit "Immer wieder geht die Sonne auf" von seinem letzten Konzert auf Clipfish

Seinen Wünschen entsprechend wurde Jürgens zwei Tage nach seinem Tod eingeäschert. Am 15. Januar 2015 fand in Zürich eine Gedenkfeier für Freunde und Weggefährten statt, am 22. und 23. Januar bekam dann die Öffentlichkeit die Gelegenheit, an der im Wiener Rathaus ausgestellten Urne Abschied zu nehmen. Auch in Berlin und Zürich lagen Kondolenzbücher aus. Jürgens bekam ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof zugesprochen. Dort wurde er in aller Stille im kleinen Kreis am 9. Mai beigesetzt, nachdem der Grabstein fertiggestellt worden war. Das Monument in Gestalt eines in ein Trauertuch gehüllten Flügels schuf der Bildhauer Hans Muhr (81) nach Entwürfen von Jürgens' Bruder Manfred Bockelmann (72).

In den Medien begann der ausgiebige Abschied unmittelbar nach Jürgens' Tod. Die deutschen TV-Sender änderten ihr Programm und lockten mit Wiederholungen von Shows, Dokumentationen und Talkrunden mit Jürgens am Tag danach neun Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Und wie so oft beim Tod eines Stars setzte ein neuer Run auf Jürgens' Musik ein. Seine Plattenfirma veröffentlichte das letzte Konzert auf CD, im April 2015 landete Jürgens damit in Österreich einen posthumen Nummer-eins-Hit. In Deutschland erreichte das Album Platz drei, in der Schweiz die Sechs.

Klassiker wie "Ich war noch niemals in New York" und "Griechischer Wein" kehrten in die deutschen Single-Charts zurück und brachten Jürgens so nach seinem Tod einen Rekord ein: Mit 57 Jahren vom Ersteinstieg 1958 bis 2015 verdrängte er Paul Kuhn (1928-2013) als am längsten erfolgreicher Künstler in den Charts. Auch die im Januar veröffentlichte Biografie "Merci, Udo!" von People-Journalist Paul Sahner - der ein halbes Jahr später selbst einem Herzinfarkt erlag - stürmte die Bestsellerlisten.

Streit um das Erbe

Leider blieben auch die Negativschlagzeilen nicht aus: Unter Jürgens' Erben kam es zu einem Streit um den Nachlass. In seinem Testament hatte der Sänger nach Schweizer Erbrecht seine beiden ehelichen Kinder John (51) und Jenny Jürgens (48) sowie seine letzte Lebensgefährtin Michaela Moritz (45) als Erben benannt, wie John Jürgens im Herbst der Zeitschrift "Bunte" erklärte. Die unehelichen Töchter Sonja Jürgens (49) und Gloria Burda (21) seien dagegen "Vermächtnisnehmerinnen" - anders als die Erben haben sie damit kein Mitspracherecht bei der Verwaltung des Nachlasses. Jürgens' Jüngste war mit diesem Arrangement offenbar nicht einverstanden: "Meine Halbschwester Gloria hat Einsprache gegen die Erteilung des Erbscheines erhoben, was zur Folge hat, dass der Nachlass blockiert ist", berichtete John Jürgens.

Zudem wurde Einspruch gegen Udo Jürgens' Bruder Manfred Bockelmann und Werner Weber als Testamentsvollstrecker eingereicht, weshalb der gesamte Nachlass unter amtliche Erbschaftsverwaltung gestellt wurde. Bis die Streitigkeiten geklärt sind, hat damit keine der Parteien Zugriff auf das Erbe. Obendrein sei der Gesamtwert des Nachlasses noch unbekannt, "weil die immateriellen Werte wie Songs, Rechte etc. noch bewertet werden müssen", erklärte John Jürgens. "Was ist denn zum Beispiel ein Lied wie 'Griechischer Wein' wert? Wer weiß das?" Das Thema dürfte die Gerichte sicher noch einige Zeit beschäftigen.

Eher harmlos wirkt dagegen die Posse um Jürgens' letzte Ruhestätte, die im November durch die Presse ging. Auf einer seiner Grabplatten hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Dort war der Text seines Songs "Ich lass' euch alles da" eingraviert. Aber statt der Zeile "Ihr seid das Notenblatt, das alles für mich war", stand dort geschrieben "Ihr seid das Notenblatt, das für mich alles war". Mit der vermeintlich korrigierten Grabplatte kam ein neuer Fehler in einer anderen Zeile des Stücks. In Jürgens' Song heißt es korrekt: "Ich lass' Euch alles - ich lass' Euch alles da", zu lesen gab es nun aber: "Ich lass' Euch alles da - ich lass' Euch alles da." Fehler hin oder her: Die Botschaft selbst dürfte im Lauf des Jahres viele Fans getröstet haben.

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