POLITIK
21/12/2015 07:43 CET | Aktualisiert 21/12/2015 09:19 CET

Flucht nach der Flucht: Warum Syrer und Afghanen jetzt Ostdeutschland verlassen

dpa

Es ist eine Entwicklung, die viel über Deutschlands vermeintliche Willkommenskultur verrät: Viele Flüchtlinge, die dank einer Aufenthaltserlaubnis ihren Wohnort frei wählen können, verlassen Ostdeutschland und ziehen in westdeutsche Ballungsgebiete.

Beispiel Sachsen: Hier fehlen zwar flächendeckende Zahlen - aber einzelne Regionen verzeichneten bereits deutliche Abgänge, berichtet die Chemnitzer Zeitung "Freie Presse". Auch die Landesregierung habe den Trend bestätigt, schreibt das Blatt.

Zwei Drittel der Leute ziehen weg

So seien etwa im Erzgebirgskreis in den ersten drei Quartalen 2015 laut Kreisverwaltung 126 Personen als Asylberechtigte anerkannt gewesen. Lediglich 30 von ihnen hätten sich beim dortigen Jobcenter registriert. "Zwei Drittel der Leute ziehen weg", zitiert das Blatt den zuständigen Abteilungsleiter im Landratsamt.

Ein ähnlicher Trend ist derzeit in Mittelsachsen zu beobachten. Hier hätten sogar Dreiviertel der registrierten Flüchtlinge die Region verlassen, zitiert das Blatt Ines Heinrich, Expertin für Flüchtlinge bei der Agentur für Arbeit.

In westdeutschen Ballungsräumen fänden die Flüchtlinge starke Netzwerke ihrer Landsleute sowie bessere Arbeitsangebote. Hinzu komme die im ländlichen Raum fehlende Mobilität.

Asylfeindliche Stimmung spielt eine Rolle

Heinrich sieht aber auch die asylfeindliche Stimmung in Sachsen als einen Faktor, der die Flüchtlinge vertreibt: "Das spielt definitiv eine Rolle." Auch Patrick Irmer vom Sächsischen Flüchtlingsrat nennt "einen in weiten Teilen der Bevölkerung verbreiteten Rassismus" als einen der Gründe für die Abkehr der Menschen.

Zuletzt hatten mehrere Medien berichtet, dass tausende Flüchtlinge aus den Erstaufnahme-Einrichtungen in Ostdeutschland verschwinden. Bis zu 30 Prozent der auf die neuen Bundesländer verteilten Flüchtlinge würden die dortigen Einrichtungen in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft schon wieder verlassen, hatte eine Umfrage der "Saarbrücker Zeitung" bei den Innenministerien der ostdeutschen Länder ergeben.

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