POLITIK
21/12/2015 13:52 CET | Aktualisiert 22/12/2015 07:27 CET

"Es droht Blutvergießen": Diese drei Männer könnten zu Putins größter Gefahr werden

Der Unternehmer Dmitry Potapenko war in Russland bis vor kurzem nur Experten bekannt. Jetzt kennen ihn Millionen Russen. Denn sie haben das Video einer Diskussionsrunde bei einem Wirtschaftsgipfel in Moskau mit ihm und zwei weiteren Wirtschaftsbossen gesehen.

Was erst einmal nicht spektakulär klingt, könnte aber zu einem ernsthaften Problem für Putin werden.

Denn die drei teilten in ihrer Diskussionsrunde, von der ein Video bei Youtube auftauchte, gegen den russischen Präsidenten Vladimir Putin und seine Wirtschaftspolitik aus.

Russland geht es wirtschaftlich miserabel. Die Staatskassen sind wegen des niedrigen Ölpreises leer und die Wirtschaft leidet unter Korruption. Die Kaufkraft der Russen hat sich im vergangenen Jahr drastisch verschlechtert. Auszusprechen wagt sich das aber in Russland kaum jemand.

Abrechnung mit Putins Politik

Denn Putin greift seit Jahren hart gegen jeden durch, der seine Macht und seinen politischen Kurs anzweifelt. Es drohen Gefängnisstrafen, Exil oder gar der Tod, wie Regierungskritiker glauben.

Das kritisieren die drei Wirtschaftsbosse konkret:

In seiner Rede polterte Potapenko, der eine Teppichfabrik und mehrere Supermärkte betreibt, gegen die Steuerpolitik von Putin, außerdem rechnete er mit den "kriminellen Importzöllen" auf europäische Produkte ab, wie die Zeitung "The Moscow Times" berichtet. Heikel an dieser Aussage: Die Importzölle für Produkte aus dem Westen sind eine Reaktion auf die Sanktionen, die die EU im Zuge der Ukraine-Krise gegen Russland verhängt hat.

Zeitenwende für Russland

Putin hat kürzlich auch für Produkte aus der Türkei hohe Steuern verhängt. Grund ist der Konflikt über den Abschuss eines russischen Militärjets in Syrien. Für Unternehmen, die aus Produkte aus dem Westen angewiesen sind, sind die Zölle eine Bürde, denn sie verteuern die Produkte, die die Unternehmen herstellen, immens.

Aber Potapenko geht noch weiter: Putin schiebt die Schuld an Russlands Misere in seinen Reden häufig auf den Westen und Barack Obama. Doch das sei nicht der Fall, sagt der Unternehmer. "Obama ist nicht schuld an unseren hohen Steuern."

Eva Hartog, Journalistin bei der "Moscow Times", sieht in der Kritik der drei Unternehmer eine Zeitenwende in Russland. "Konflikte zwischen der Wirtschaft und den Autoritäten in Russland sind nicht neu", schreibt sie. Allerdings sei Kritik bisher höchstens von inhaftierten Wirtschaftsbossen gekommen oder solchen, die im Exil im Ausland leben.

Neben Potapenko kritisierten auch der Agrarunternehmer Pavel Grudinin und der Zoodirektor Oleg Zubkov die Zustände in Russland.

Grudinin sagte im Gespräch mit der "Moscow Times":

"Manche schnappen sich eine Pistole und erschießen ein paar Beamte, andere greifen sich eine Flasche Vodka und trinken, andere packen die Koffer und verlassen Russland, andere sitzen ruhig im Gefängnis - andere aber machen ihrem Ärger Luft und rufen: "Was ist hier eigentlich los? Wir nehmen das nicht mehr hin."

Grudinin sieht sich durch den Erfolg des Videos in den sozialen Netzwerken bestätigt. Das zeige, dass viele Russen derzeit ähnliche Probleme hätten. Bisher traue sich aber niemand darüber zu sprechen. Grudinin spricht sogar von "einer Revolte", die sich in Wirtschaftskreisen anbahne. Viele der hohen Offiziellen in Putins Regierung gehörten "hinter Gitter", weil sie korrupt seien, wütet er weiter.

Er warnt: "Früher oder später läuft jedes Fass über." Und weiter: "Es gibt einen evolutionären Weg und einen revolutionären Weg, der in Russland unweigerlich zu Blutvergießen führt." Russland habe jetzt die Wahl, welchen Weg es wählt.

Hier ist das Video der Diskussionsrunde, das bisher 1,5 Millionen Menschen gesehen haben:

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