VIDEO
21/12/2015 16:00 CET | Aktualisiert 21/12/2015 16:01 CET

Ich habe ein Jahr nur gesunde Lebensmittel gegessen - das ist passiert

Gemüse im Biomarkt
khandrola via Getty Images
Gemüse im Biomarkt

Megan Kimble hat eine Entscheidung getroffen. Eine, die ihr ganzes Leben beeinflusst. Ein Jahr lang will sie nichts essen, was industriell verarbeitet ist.

Das heißt selbstverständlich: Keine Fertigpizza, keine Gummibärchen, kein Burger im Fastfood-Lokal – nicht einmal morgens um fünf, wenn es einem nach dem Ausgehen danach ist. Aber auch: Keine Nudeln, kein Joghurt, kein Zucker und Salz – eigentlich fast nichts, was man im Supermarkt kaufen kann. Es gibt keine Ausnahmen.

Stattdessen ist das Motto: Do it yourself, und zwar alles. Megan verarbeitet Gemüse, Obst, Fleisch, Milchprodukte, Getreide. Sie bereitet Mehl, Butter und Wein zu. Schwierig wird vor allem der Winter: Da müssen Lebensmittel wieder selbst eingeweckt werden, wie früher bei Oma.

Das kostet natürlich jede Menge Zeit. Was für viele ein Grund ist, um doch zu Nudeln mit Tomatensoße oder dem Lieferservice-Menü zu greifen, ist für Megan genau das Gegenteil. Für sie hat der Zeitaufwand hauptsächlich einen positiven Effekt. Sie isst bewusster, lernt viel darüber, was und wie wir uns ernähren – von lokal angebautem Bio-Food bis zu industriell gefertigter Massennahrung.

Ihre Erfahrungen dokumentierte sie für die „Washington Post“ und in ihrem dieses Jahr erschienen Buch. Hier schreibt sie über das Warum und Wie ihres Lebenswandels.

Jeder weiß natürlich, dass Slow Food, Unbehandeltes oder mehr Frisches eigentlich besser für unseren Körper ist als Burger und Co. Doch oft genug gewinnt das Teufelchen eben doch. Ein schlechtes Gewissen muss man wegen seinem Körper aber gar nicht haben laut Megan – zumindest nicht nur.

Sie hatte ganz andere Gründe als ihr eigenes Fitsein, um ihre Ernährung umzustellen. Umwelt, Politik und Geld lautet ihre Zauberformel. Die Amerikanerin wollte Ressourcen wie fossile Brennstoffe schonen, von denen ihrer Meinung nach die Nahrungsindustrie klar abhängt. Außerdem will sie sich gegen den großen Einfluss der Lebensmittelkonzerne in der Politik stellen und langfristig selbst weniger für Essen ausgeben.

So idealistisch Megans Idee war – Probleme gab es in dem Jahr jede Menge. Zuerst musste sie sich fragen: Was ist überhaupt industriell verarbeitet? Streng genommen werden ja selbst bei der Ernte von Obst und Gemüse solche Methoden eingesetzt. Schnell wurde die Frage zu: Welches Verarbeiten ist schlimm und welches nicht so sehr?

Sie beschloss, die Linie hier zu ziehen: Was ein Produkt mehr industriell verarbeitet macht als ein anderes, zeigt sich darin, wie viel Aufwand es braucht, bis es auf unserem Teller landet. Je weniger Weg und Arbeit, desto besser.

Und was hat das mit der Gesundheit zu tun? Als Beispiel nennt Megan den Unterschied zwischen einer Orange essen und Orangensaft trinken. Auch wenn beide gleich viel Zucker enthalten, macht es einen großen Unterschied, was man zu sich nimmt. Die Frucht bindet die Ballaststoffe und der Körper braucht Kraft, um sie abzubauen (was gut für uns ist). Ein Glas O-Saft liefert den Zucker auf dem direkten Weg. Der Körper muss nichts leisten und kann den Süßstoff gleich speichern – zum Beispiel auf den Hüften.

Das größte Problem für Megan war das Geld. Statt Geld zu sparen, gab sie mehr bei dem Experiment als bisher für das Essen aus, das sie zu Hause zubereitete. Der durchschnittliche Amerikaner gibt dafür laut der „Washington Post“ nur 5,6 Prozent seines Gehalts aus (in Europa sind es oft 10 bis 15 Prozent) – Megan kam auf 27 Prozent am Ende des Jahres.

Aufgehört hat sie trotzdem nicht. Sie meint, als Konsument hat man eine Verantwortung, der man sich nicht entziehen kann. Was wir kaufen, bestimmt das Lebensmittelangebot und das wäre es wert, es zu ändern.

Auch nach dem einen Jahr ernährt sich die Amerikanerin zu 90 Prozent ohne industriell gefertigte Nahrungsmittel. Mittlerweile ist es für sie zur Routine geworden. Sie schrieb auf der „Washington Post“, dass sie sich „besser, stärker und voller“ fühle. Bei allen politischen Zielen, die sie entwickelt hat – die Gesundheit ist eben doch ein schöner Nebeneffekt.

Auch auf HuffPost:

Menschen rund um die Welt essen Bananenschalen - denn sie wissen etwas, das ihr nicht wisst

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.